Erstes Buch: Zeitalter, Katastrophen, Kalender3. Kapitel: Die Erde Eretz bis nach Typhon 1Die jüdische Überlieferung, die sich keineswegs in den Angaben im Alten Testament erschöpft, die ihrerseits wiederum nicht immer mit den außerbiblischen Mythen und Sagen der Juden übereinstimmen, kennt mehr Erden und Himmel als die sonst üblichen vier. Genau genommen sind ja auch vier Zeitalter zu wenig, wenn wir vier Katastrophen unterstellen. Es müßten per se schon fünf Zeitalter sein, da vor der ersten Katastrophe bereits ein langes Goldenes Zeitalter bestanden haben muß. In der Tat werden auch bei Hesiod eher fünf als vier Zeitalter erkennbar, und auch im Buch Daniel im Alten Testament werden fünf metallische Epochen angedeutet. Neben den vier bekannten Metallen (siehe dazu Kapitel 1) erscheint vielfach noch eine gemischte Bronze-Eisen-Zeit.Es sieht so aus, als habe man vor der letzten Katastrophe (Typhon 4 im Jahre 256 v.Chr.) die Dichtungen mit den vier Zeitaltern bereits gekannt, die danach auf fünf ausgedehnt werden mußten. Die Juden aber und einige andere Völker wie z.B. die Inder kennen sogar sieben Zeitalter. Die "Sieben Himmel" und die "Sieben Erden" der jüdischen Überlieferung haben nur hintergründig miteinander zu tun. Auf die Sieben Himmel werde ich an anderer Stelle wieder zurückkommen. Hier sind zunächst einmal die Sieben Erden für uns interessant, und davon vorab auch nur die ersten zwei: 1. Erde: Eretz 2. Erde: Adamah Die restlichen fünf sparen wir uns für später auf. Hellhörig macht uns, daß die zweite Erde den uns wohlbekannten Namen des Adam hat; denn Adamah (= aus Erde hervorgegangen) ist der eigentliche Name des biblischen Adam. Merkwürdig ist nun, daß die Erde dieses Adam erst die zweite gewesen sein soll, wo doch jeder weiß, daß Adam schon wenige Tage nach der Erschaffung der Welt in Erscheinung trat. War nun die Erde zwischenzeitlich untergegangen und neugeschaffen worden? In der Tat sind einige Bibelexperten dieser Ansicht, weil nach ihrer Meinung zwischen den beiden ersten Bibelversen ein derartiges Kataklysma angedeutet zu sein scheint: 1. Mose 1, 1: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 1. Mose 1, 2: Und die Erde war wüst und leer ... Es ist hier nicht angebracht, eingehende Bibel- und Stilkritik oder Quellenscheidung zu betreiben. Was ich mit dem Hinweis auf den biblischen Schöpfungsbericht und seine Interpretation durch Bibelexegeten demonstrieren will, ist - kurz gesagt - folgendes: Der jüdische Kalender beginnt mit der Erschaffung der Welt (weitere Einzelheiten erfährt der Leser im Kalender-Kapitel). Dasselbe gilt für einen Kalender, den der irische Bischof von Ussher im Jahre 1654 aufgestellt hat. Beide Kalender muß ich zunächst auf ein späteres Kapitel vertagen. Adam liegt in der Genesis (1. Buch Mose) zwischen der Erschaffung der Welt und der Sintflut. Da aber die Sintflut erst die Katastrophe Typhon 3 ist, so wäre es in dieser Hinsicht angebrachter gewesen, mit dem Namen Adamah die dritte Erde zu bezeichnen. Es sei denn, man ignorierte die Katastrophe Typhon 2 - oder deutete sie als zwischen den ersten beiden Genesis-Versen liegend an. Somit lägen dann zwischen der tatsächlichen "Erschaffung" der Welt (vor vermutlich einigen Milliarden Jahren) und der Sintflut mindestens zwei Katastrophen: Typhon 1 und Typhon 2. Wird aber die Erschaffung der Welt mit der Katastrophe Typhon 1 gleichgesetzt (wie Ussher und der jüdische Kalender tun), dann gehört Adam(ah) wiederum in die Zeit unmittelbar nach Typhon 1. Man kann daher sagen, daß die Redakteure des AT Typhon 1 als den Beginn einer völlig neuen Ära, wenn nicht sogar der Weltgeschichte schlechthin ansahen und die Zeit davor ignorierten, wie sie es auch mit der Katastrophe Typhon 2 taten, über die tatsächlich nur wenig - oder besser: gar nichts - bekannt ist. Bleiben wir zunächst bei der ersten Erde, bei Eretz. Wie aus der Auflistung der weiteren Erden, auf die ich wie gesagt wieder zurückkommen werde, hervorgeht, sind wir dazu berechtigt, mit Eretz die Zeit vor der ersten Typhon-Katastrophe zu bezeichnen, an deren Ende jene schicksalhafte Geburt der Athene stattfand. Dieser Vorfall mußsich nur kurze Zeit vor der ersten Nahbegegnung ereignet haben, da Typhon-Athene zu diesem Zeitpunkt noch sehr heiß war. Wie aber sah die Erde Eretz aus? Die Tatsache, daß der magnetische und der geographische Nordpol mehr als zweitausend Kilometer von einander entfernt liegen, war schon immer für die Schiffahrt und die Wissenschaft ein Ärgernis. Bei den einen ist es die Abweichung der Magnetnadel auf dem Kompaß gegen die tatsächliche Nordrichtung, und bei den anderen ist es das Fehlen jedweder Erklärung hierfür, was als ärgerlich empfunden wird. In meiner Sicht der Dinge gibt es zwar keine Lösung für die Seefahrer, aber eine plausible Erklä rung dafür, wie es zu dieser Abweichung der Magnetnadel gegen die Nordrichtung gekommen sein könnte: Vor der ersten Typhon-Katastrophe lagen die geographischen Pole für Jahrmillionen dort, wo heute die magnetischen zu finden sind. Die über den langen Zeitraum währende Dauermagnetisierung der Eisenpartikel auf der Erdkruste durch die Erdrotation bzw. die Drehmomentwandlung an der supraflüssigen Schicht hat sich tief in die Kruste eingegraben. Auch die mehrmaligen Umpolungen konnten nicht lange genug einwirken, als daß sie eine Verlagerung der Magnetpole auf die geographischen Pole hätten bewirken können. Zwar mag es sein, daß sich der Magnetpol im Laufe der Zeit mehr und mehr in Richtung auf den heutigen oder auf einen zwischenzeitlichen geographischen Pol zubewegt hat; trotzdem gehen wir nicht fehl in der Annahme, daß der Eretzpol nicht weit entfernt vom derzeitigen Magnetpol oder sogar an seiner Stelle lag. Das bedeutet, daß die Koordinaten unseres heutigen Gradnetzes für den Magnetpol, nämlich ca. 73° N/S ca. 102° W bzw. 78°O, die Koordinaten 90° N und 90° S der Eretz-Erde waren. Die genaue Lage der Polar- und der Wendekreise läßt sich zwar nicht angeben, da die damalige Neigung der Erdachse gegen die Ekliptik nicht bekannt ist, aber der arktische Bezirk, das heißt die Region der polaren Dauervereisung, läßt sich grob umreißen. Da nämlich der Norpol im Norden des heutigen Kanada lag, müssen die Gebiete Nordamerikas bis tief hinein in die heutigen USA unter Polareis gelegen haben. Dies ist, wie die Geologen festgestellt haben, eine Tatsache. Man bedenke, daß dieser Zustand Jahrmillionen angehalten haben muß. Unter einem solchen Eispanzer kann keine Evolution höheren Lebens stattgefunden haben. Dies war die amerikanische Eiszeit. Eine Bindung solch mächtiger Wassermassen im Landeis hatte zur Folge, daß der Meeresspiegel damals wesentlich niedriger lag als heute. Viele Landbrücken, die im Eretz-Zeitalter intakt waren, stehen heute unter Wasser. Beachtet man ferner, daß der Hudson und der Potomac an der Ostküste der heutigen USA tiefe Unterwassercanyons hinterlassen haben, die sie zu einer Zeit gegraben haben müssen, als das Kontinental-Schelf hier noch hoch über dem Wasserspiegel lag, so wird ersichtlich, wie tief der Meeresspiegel gelegen haben muß, als die Eismassen Nordamerikas abzuschmelzen begannen. Die Zeit für die Entstehung der Niagarafälle, die von der Wissenschaft derzeit mit vor mehr als 20 000 Jahren angesetzt wird, wurde schon von Velikovsky mit einleuchtenden Argumenten auf höchstens 7 000 Jahre reduziert.1 Wenn das Ende der amerikanischen Eiszeit, die während ihrer Gesamtdauer keineswegs mit der nordeuropäischen zusammenfiel, im "Welterschaffungsjahr" 4004 v.Chr. seinen Anfang nahm, so kann das Alter der Niagarafälle höchstens mit der im jüdischen Kalender genannten Jahreszahl übereinstimmen, mithin kaum mehr als 5760 Jahre betragen. Die Erklärung für diese Zahl gebe ich im 7. Kapitel, in dem ich die Kalender besprechen werde. Europa lag, wie sich aus der Lage des damaligen Nordpols ergibt, im Eretz-Zeitalter nicht unter einer polaren Eisdecke. Eiszeit und Polareis sind untrennbar miteinander verbunden. Eine allgemeine Abkühlung für die gesamte Erde ist nicht erforderlich, um das Entstehen von Eiszeiten zuerklären. Europa lag von dem damaligen Nordpol noch weiter entfernt als von dem heutigen. Hinzu kam die größere Nähe zur Sonne im Vergleich zu heute, die sowohl für die Eretz- als auch für die Adamah-Erde angenommen werden kann. Es sei an dieser Stelle ein Hinweis auf den Azteken-Kalender gestattet, der offenbar mit einem 260Tage-Jahr mit dreizehn Monaten zu je zwanzig Tagen operiert. Hierin ist außerdem ein Katastrophendatum erkennbar, mit welchem der Beginn oder möglicherweise ein Neubeginn dieses Kalenders verbunden zu sein scheint. In den Mythen der Azteken ist von einem mehrfachen Wechsel des Himmels und der Sonne die Rede, sofern man die stark verbrämten Angaben in dieser Weise interpretieren möchte. Es ist nicht auszuschließen, daß die Azteken den 260Tage-Kalender entweder schon vor der Katastrophe Typhon 1 in Gebrauch hatten oder ihn nach diesem Kataklysma einführten. Die Konsequenzen aus der Anerkennung eines 260Tage-Jahres wären jedoch gravierend: Der Abstand Erde-Sonne würde in dem Falle nur etwa 0, 8 AE betragen, also nur 120 Mio km (gegen heute 150 Mio km). Irgendwelche Einzelfolgen, die sich für die Erde aus dieser großen Sonnennähe ergeben haben könnten, müssen jedoch in Anbetracht der ungenauen Überlieferungen Spekulationen bleiben. So kann z.B. die Frage, ob ein derart verkürzter Sonnenabstand überhaupt noch zu Polareisbildungen führen kann, an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Verbürgt ist die Jahreslänge frühestens für die Zeit zwischen den Katastrophen Typhon 2 und 3: Damals soll das Jahr 320 Tage gehabt haben, was einem mittleren Sonnenabstand von etwa 138 Mio km entspricht. Unterstellt man für die Zeit vor Typhon 2 vorsichtig einen mittleren Sonnenabstand von 130 Mio km, dann war die Erde damals annähernd 20 Mio km oder ca. 14% näher an unserem Zentralgestirn als heute. Das heißt vorsichtig geschätzt, daß die Erde etwa 30% mehr Energie von der Sonne mitbekam und daß folglich die Polarregionen des ewigen Eises damals kleiner gewesen sein müssen als heute. Die heute so unwirtlichen Gegenden Sibiriens lagen vor der ersten Typhon-Katastrophe annähernd zwanzig Breitengrade weiter südlich als heute, und es gibt gute Gründe für die Annahme, daß dort eine große, ja geradezu "paradiesische" Fruchtbarkeit herrschte. Hier fühlten sich die Arier ebenso wohl wie die groß en Mammutherden, deren Massensterben Zeugnis ablegt von der Plötzlichkeit der Veränderungen, die für Sibirien nach Typhon 2 das Ende des dortigen Warm-Zeitalters bedeuteten. Der Äquator verlief vor Typhon 1 von den Gilbert-Inseln aus, wo er den heutigen bei etwa 168° O schnitt, zwischen Polynesien und Bolivien hindurch, wo er bei 17° S / 102° W den größten Abstand südlich vom heutigen hatte, weit südlich des Amazonasbeckens quer durch Südamerika. Der Urwald am Amazonas ist, wie der heutige Boden dort zeigt, sehr jung. Bis zum Jahre 4004 v.Chr. können hier große menschliche wie tierische Populationen gelebt haben. Von Südamerika aus verlief der Eretz-Äquator auf den Golf von Guinea zu, wo er bei 12° W den heutigen schnitt. Dann verlief er nördlich des Kongo durch Afrika hindurch. Von dieser Ä quatornähe profitierte Europa! Er überquerte noch den Golf von Aden und erreichte schließlich beim indischen Haiderabad (17° N / 78° O) den größten nördlichen Abstand vom heutigen Äquator. Von Indien aus wandte sich der Eretz-Äquator wieder südwärts und erreichte, nördlich an Indonesien vorbeiziehend, bei den Gilbert-Inseln wieder den heutigen. Die äquatorialen Strömungen und die damit verbundene Verteilung der Niederschläge auf der Erde waren von den heutigen Verhältnissen nicht sehr verschieden, da die Drehung der Erde und damit die Strömungen in den Ozeanen gleichsinnig wie heute verliefen. Der gesamte eurasische Kontinent vom Atlantik bis an die sibirische Pazifikküste und ans heutige Eismeer war warm. Die Alpen waren bis in die Gipfelregionen schneefrei. Ein Jäger, der heute allgemein als "Ötzi" bezeichnet wird, war hier unterwegs, als ihn die erste Typhon-Katastrophe überraschte. Auf felsigem, das bedeutet schnee- und eisfreiem Untergrund suchte er Schutz in einer Bodensenke, wo er dem Kältetod jedoch nicht entrinnen konnte. Von Schnee und Eis zugedeckt wurde er konserviert, bis er in unseren Tagen in einem Zustand aufgefunden wurde, der für eine ununterbrochene Frostphase bis in die Gegenwart spricht. "Ötzi" war Augenzeuge der Katastrophe Typhon 1. Sein Alter entsprich den jeweiligen jüdischen Kalenderjahren! Europa war damals nicht annähernd so stark zergliedert wie heute. Da der Meeresspiegel weit unterhalb des Shelfrandes der Kontinente lag, waren große Teile der Biskaya, ebenso die Nordsee und der Ärmelkanal, trockenen Fußes zu durchqueren. Die Ostsee war fruchtbares Acker- und Weideland. Der Rhein, der kurz zuvor noch die Themse als Nebenfluß aufgenommen hatte, stürzte weit hinter den letzten europäischen Kaps in den fast zweihundert Meter tiefergelegenen Atlantik. Von Afrika nach Europa führte eine Landbrücke, die Sizilien überquerte und aus dem heutigen Mittelmeer zwei Binnenmeere machte; denn die Straße von Gibraltar gab es damals noch nicht. An ihrer Stelle befand sich eine Art "Gebirgspaß". Die Mittelmeerfahrten konnten nicht bis an oder gar in den Atlantik ausgedehnt werden. Folglich mußten Hafenstädte am Fuße des Shelfrandes an der Atlantikküste angelegt werden. Als die nordamerikanischen Eismassen abzuschmelzen begannen, gingen reihenweise Atlantes unter, eine Vielzahl von Hafenstädten, die vom Atlantik überspült wurden. Daher ist es vollkommen nutzlos, ein bestimmtes Atlantis zu suchen, das das einzig richtige gewesen sein soll. Auf die antike Atlantis-Erzählung des Platon, der als der Urheber aller Atlantissuchen gelten darf, komme ich in einem späteren Kapitel wieder zurück. Ich gebe an dieser Stelle zu bedenken, daß das derzeit im Nördlichen Polarmeer schwimmend gebundene Nordpoleis den Wassergehalt der Meere nicht vermindert, da es sich lediglich in einem anderen Aggregatzustand im Weltmeer aufhält. Nur landgebundenes Eis wie das in der Antarktis entzieht dem Weltmeer Wassersubstanz. Die Eisschmelze in Nordamerika wurde am Ende der Eretzzeit durch Typhon ausgelöst, als er im Jahre 4004 v.Chr. erstmals in den Nahbereich der Erde kam. Es war indes weniger dessen große Hitze, die das Auftauen bewirkte, sondern in erster Linie war es die Verlagerung des Nordpols in eine andere Gegend, worauf ich weiter unten noch ausführlicher zu sprechen komme. Daß die Zeit zwischen der Geburt und dem ersten Auftritt Athenes nicht sehr lang gewesen sein kann, geht aus der großen Hitze hervor, mit der sich Typhon der Erde beim ersten Mal näherte und die dann den Großen Weltenbrand auslöste, den die Griechen später die Ekpyrosis nannten. Selbstverständlich verbrannte damals nicht die gesamte Vegetation; denn das hätte eine zweite Schöpfung erforderlich gemacht. Es brannten aber immerhin riesige Flächen, und die Feuer entwickelten einen enormen Rauch. Um uns das anschaulich zu machen, schlagen wir bei den Indern nach. Velikovsky, dem wir die Sammlung vieler alter Mythen inseinen Büchern zu verdanken haben, berichtet von den Sieben Zeiten der Inder.2 Demnach begann das Zeitalter der zweiten Sonne am Ende eines langen Regens und einer ebenso langen Finsternis. Im Verlaufe der Beschreibung der weiteren Äonen in dieser Dichtung gewann ich aber den Eindruck, daß es sich hierbei immer nur um die Vorgänge handelte, die den Übergang von der ersten zur zweiten Sonne begleiteten, da alles genau zu einer Feuersonne oder Ekpyrosis paßt. Bei der unvorstellbar großen Hitze mußte schließlich auch ein enormer Teil des Ozeanwassers verdampfen, was in Verbindung mit den in der Atmosphäre schwebenden Rauchpartikeln in der Folgezeit zu einem langanhaltenden und überaus ergiebigen Regen führen mußte. Der Himmel war schwarz vor Rauch und Regenwolken. Selbst die stratosphärischen Schichten müssen auf Jahrzehnte hinaus so dicht mit Rauchpartikeln vollgepackt gewesen sein, daß das Sonnenlicht kaum durch sie hindurchdringen konnte. Das Wiedererscheinen der Sonne, also das Auftauchen der zweiten Sonne, war daher ein bejubeltes Ereignis. Es konnte die vorige Sonne nicht sein - so nahm man an -, da die "neue Sonne" von der "falschen Seite" her aufging! Ich zitiere hier einige Stichworte aus der indischen Überlieferung, ohne daß ich sie mit den einzelnen "Sonnen" in Verbindung bringe; denn sie gehö ren in Wirklichkeit offensichtlich alle zu der Katastrophe Typhon 1: "Die ganze Welt geht in Flammen auf." - "Die ganze Welt füllt sich mit Rauch." - "Unaufhörliche Hitze" - "Kein Unterschied von Tag und Nacht" - "Das Meer trocknet allmählich aus." Dies sind alles Aspekte einer Ekpyrosis. Das letztere ist natürlich maßlos übertrieben. Die Verdunstung kann nicht so total gewesen sein, daß kein Tropfen Wasser mehr in den Ozeanen war. Hinzu kam, daß durch die Bindung des in Europa herunterkommenden Regens in neuem Polareis zunächst kein merklicher Wiederanstieg des Wasserspiegels der Weltmeere erfolgte, sondern daß der Wassergehalt der Ozeane am Anfang eher noch eine Zeitlang abnahm; denn der Ausgleich der auf Europa gebundenen bzw. der noch in der Atmosphäre gespeicherten Wassermassen durch das Abschmelzen des Nordamerikaeises konnte nicht sehr schnell geschaffen werden. Doch bevor wir die Zeit nach Typhon 1 besprechen, wollen wir noch einen Blick auf die anderen Völker und ihre Überlieferungen werfen. Analog zu den Sieben Erden der Juden und den Sieben Zeiten der Inder kennen die Indianer Mexikos Sieben Sonnen. Auch im persischen Bahman Yast, einem Buch des mazdaistischen Zend Avesta, werden sieben Weltalter oder Jahrtausende gezählt. Die Bezeichnung Jahrtausend ist in etwa zutreffend; im Schnitt lagen 1246 Jahre zwischen den Katastrophen, und das ist merkwürdigerweise wiederum genau das Doppelte des Abstandes zwischen den beiden letzten. Am Ende jedes Weltalters seien die Menschen durch Zeichen, durch Wunder und durch "Verwirrungen in der Natur" gewarnt worden. "Allgemeine Erschütterungen in der Natur" sehen auch die Chinesen als Vorzeichen eines heraufkommenden neuen Zeitalters an. Zwischen diesen "Erschütterungen" liegt jeweils ein Großes Jahr, worunter wohl ein in sich abgeschlossener astronomischer Zeitraum mit Himmelsdaten zu verstehen ist, die in einem anderen Großen Jahr keine Gültigkeit hatten. Wir erkennen bei allen Völkern eine Erinnerung an grundlegende Veränderungen speziell im Hinblick auf die Himmelsbeobachtungen. Velikovsky zitiert den Rabbiner Rashi,3 der eine Spanne von 1656 Jahren als Abstand zwischen den regelmäßig wiederkehrenden Einstürzen des Himmelsgewölbes sah, wie es bei der Sintflut der Fall war. Hieran ist sowohl die Zahl 1656 als auch die Erwähnung der Sintflut bemerkenswert; denn genau diese Zahl ergibt sich auch bei der Berechnung der Jahre zwischen der Erschaffung Adams und der Sintflut im sechshundertsten Jahr Noahs (1. Mose 5). Hierauf komme ich zu gegebener Zeit zurück. Die Nennung der Sintflut als eine der Gelegenheiten, bei denen der Himmel einstürzte, d.h. die astronomischen Daten sich änderten, ist ein wichtiger Hinweis auf den wahren Charakter dieser Flut als Folge einer erdumspannenden und kosmisch bedingten Katastrophe. Nachdem nun die Erde zum erstenmal - soweit wir wissen - "auf den Kopf gestellt" worden war, hatten die Bahnen beider Himmelskörper im Vergleich zu ihren vorherigen einige Änderungen erfahren. Über die Länge des Jahres und alle sonstigen astronomischen Daten vor und nach Typhon 1 sind wir nicht im Bilde. Nur soviel steht fest: die Sonne ging vor Typhon 1 im Osten und danach im Westen auf. Vermutlich war auch das Jahr länger geworden, wie oben schon angedeutet wurde. Die Polverlagerung, die unweigerlich eingetreten sein muß, setzte durch die Verlegung der Polkalotte nach Europa das Abschmelzen des Eises auf der nordamerikanischen Platte in Gang. Auf den nordwestlichen Partien Europas setzte darauf umgehend die Bildung einer neuen Eiskappe ein, die den Bestand der älteren, der amerikanischen, vermutlich überdauerte. Der Nordpol muß durch Typhon 1 sehr viel näher an Europa herangerückt worden sein als er heute liegt. Andererseits darf die Verschlechterung des Klimas nicht auf das sibirische Paradies übergegriffen haben; hier blieben die Arier, auf die ich noch ausführlich zu sprechen komme, zunächst noch wohnen, und auch die Mammuts erfreuten sich bester Lebensbedingungen. Sie bewohnten nicht nur den Norden des sibirischen Festlandes (in heutiger Abgrenzung), sondern sie hatten sich bis auf die trockenen Fußes zu erreichen gewesenen Nordsibirischen Inseln ausgedehnt, die mit steigendem Weltmeeresspiegel im Laufe der folgenden Jahrhunderte vom Festland isoliert worden waren. Bei der nächsten Typhonkatastrophe wurden diese Mammuts hier tiefgefroren. Vorsichtig geschätzt - und mehr ist mir nicht möglich - hatte der neue Nordpol (oder war es jetzt nicht eher der Südpol?) folgende Koordinaten (im heutigen Gradnetz): ca. 60° Nord / ca. 10° Ost
und lag somit im Nordmeer westlich von Mittel-Norwegen. Es begann sofort die Vereisung des Meeres, und die Gletscher Skandinaviens konnten mit ihrem Vorstoß nach Mitteleuropa beginnen. In der nordischen Literatur nimmt diese Polverlagerung mit der anschließenden Vereisung einen großen Raum ein. Daher möchte ich hier einige Verse aus der Edda zitieren: Die Ströme, die man ELIWAGAR nennt,
als die so weit von ihrem Ursprung vorgedrungen waren, daß der giftige Gischt, den sie mit sich führten, hart wurde wie die Schlacken, die aus dem Schmelzfeuer kommen, da wurde das zu Eis, und als dieses Eis sich festsetzte und nicht mehr strömte, da bildete sich Reif darauf, und die sprühende Nässe des Giftes gefror zu Reif und so wuchs der Reif und verbreitete sich über alles andere in das GINNUNGAGAP hinein. Doch gab es auf der Südseite die Welt, die MUSPELL heißt, die ist hell und hat heiteren Himmel ... Wie von NEBELHEIM Kälte und lauter Widriges ausging, so war alles, was in der Nähe von MUSPELL lag, heiß und hell, und das Klima des GINNUNGAGAP mild wie die windstille Himmelshöhe.4 In dieser Beschreibung, die meines Erachtens schon von den Ureinwohnern Europas niedergelegt worden ist, von den weiter unten noch zu besprechenden Megalithikern, lassen sich ganz deutlich vier Klimazonen ausmachen:
Ägypten hatte zwischen Typhon 1 und 2 in etwa die Breiten, die heute zu Mitteleuropa gehören, und die Sahara lag etwa 30 Breitengrade nördlicher als heute. Vor ihrer Atlantik-küste strich ein warmer Meeresstrom, der wegen der "umgekehrten" Erdrotation jetzt gegen den Uhrzeigersinn gerichtet war, nach Norden und berührte noch die iberische Halbinsel, die somit weitgehend eisfrei blieb. Der "umgekehrte Golfstrom" machte in der Sahara ausgiebige Regenfälle möglich, so daß wir mit recht jetzt die Zeit der Saharakultur annehmen können, die den Wissenschaftlern viel Kopfzerbrechen bereitet. Diese von der Wissenschaft auf Jahrhunderttausende angesetzte europäische Eiszeit dauerte nur bis zur Katastrophe Typhon 2. Der Leser wird deshalb mit Recht fragen, wie es denn möglich ist, die vielen Jahrtausende, die die Schulwissenschaft mit der europäischen Eiszeit verbindet, in einen Zeitraum zwischen zwei Typhonkatastrophen zu verwandeln. Ich meine, daß diese Jahr(hundert)tausende weit vor Typhon 1 liegen können und daß es vorher bereits Eiszeiten in Europa gegeben haben kann, deren Ursachen hier nicht erforscht zu werden brauchen. Das Eretz-Zeitalter kann als eine Zwischeneiszeit angesehen werden, während die Adamah-Zeit mit dem letzten Eisvorstoß identisch sein könnte. Bei diesem letzten Gletschervorstoß zwischen den Katastrophen Typhon 1 und Typhon 2 handelt es sich vermutlich weniger um die Würm-Eiszeit als vielmehr um das postglaziale Dani-Glazial. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, daß zwischen den einzelnen Katastrophen große zeitliche Abstände lagen, in denen sich das Leben weitgehend normalisieren konnte. Wenn wir auch nicht wissen, wie "normal" das Leben vor der Katastrophe Typhon 1 in jenem Goldenen Zeitalter war, so dürfen wir doch annehmen, daß die letzten Jahrhunderte oder vielleicht sogar Jahrtausende alles andere als steinzeitlich waren, wenn es sich auch überwiegend um steinerne Zeugnisse handelt, die uns aus jenen Tagen in die Hände gefallen sind. Immerhin müssen die Menschen jener Zeit die Geburt der Athene nicht nur beobachtet haben, was an sich schon bemerkenswert ist, sondern sie müssen darüber hinaus auch eine Verbindung zwischen diesem Ereignis und der Katastrophe Typhon 1 gesehen haben.
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