Zweites Buch: Die geschichtliche Zeit beginnt

3. Kapitel: Die zweite Großreichphase Sumers

Die Zeit der Stadtkönigtümer war vorbei. Damit endete auch die "sumerische Isolation"; denn Eannatum eroberte vermutlich schon alle die Gebiete, mit denen die Sumerer vorher lediglich Handel getrieben hatten, in deren innere Angelegenheiten sie sich aber nicht eingemischt hatten. Von nun an wurde sumerische Sprache ebenso zum Exportartikel wie sumerische Kultur überhaupt. Noch Jahrhunderte später war das "Latein des Altertums", wie die sumerische Sprache genannt wird, im ganzen Vorderen Orient verbreitet, obwohl die Sumerer politisch schon bedeutungslos geworden waren. Auch die Mythen der Sumerer beherrschten noch lange die Vorstellungen von Weltschöpfung und Altertumsgeschichte, prägten religiöse Vorstellungen und die Literatur. Politik und Wirtschaft, bildende Kunst und Wissenschaft, alles das wurde an sumerischen Vorbildern gemessen. Die Geschichte beginnt mit Sumer ist also kein leeres Schlagwort.

Während der Zeit des Eannatum-Reiches (ca. 270-295 ndFl, also etwa von 610-585 v.Chr.) fanden aber verstärkt politische Aktivitäten aus einer ganz anderen Richtung statt. Es ist die Zeit der zweiten indoarischen Wanderung, also der zweiten Ausbreitung (hebr. = japhet) der Völker Eurasiens. Die erste indoarische Wanderung hatte bekanntlich außer den Indern und den Germanen (weshalb die Arier ja auch Indogermanen genannt werden) die Mesech, Mas(ch) oder Muski-Moscher in eine neue Heimat geführt, letztere über den Kaukasus in die fruchtbare Araxesebene, in die Ararat-Gegend und weiter bis nach Isin (= Klein-Asien). Auf dieser Seite des Kaukasus hatten sich die Mo-Scheri mit den karischen Churri-tern, die hier schon seit sehr langer Zeit ansässig gewesen sein müssen, arrangiert. Churri und Scheri nannten die Hethiter die beiden Stiere, die am Beginn ihrer Geschichte gestanden haben sollen; das war also schon lange vor der Sintflut gewesen.

Sowohl von hier als auch aus der Gegend östlich des Aralsees kam es nun zu Einmischungen in die bisher ausschließlich von Sumer gestaltete große Politik und somit auch in die Geschichte des Vorderen Orients. Wie ging das vonstatten?

Die Masch verehrten den Sonnengott Scha-Masch. Später galt Armenien als die Heimat des Sonnengottes Helios. Da dem Gott Schamasch in Larsa, einer Stadt in Südmesopotamien, ein Tempel errichtet worden war, und da die Namen einiger larsaitischer Könige an Schamasch anklingen oder sogar den Namen dieses Gottes zum Bestandteil haben, behaupte ich, dass die Larsa-Dynastie - ganz entgegen der vorherrschenden Meinung - indoarisch war, was gewiss nicht unwidersprochen bleiben wird. Der Begründer dieser Dynastie, Naplanum, hat aber einen Namen, der sich weder semitisch noch sumerisch anhört - er klingt arisch, man möchte sagen: lateinisch.

Die Larsaiten begannen ihre Laufbahn als Statthalter von Mari, jener 10. Stadtgründung nach der Sintflut, von der im vorigen Kapitel schon die Rede war. Von hier gingen sie nach Larsa, wo sie den Königsthron bestiegen. Auf diese Weise war der Kronprinz stets Patesi von Mari und ging als Nachfolger seines verstorbenen Vaters zurück nach Larsa.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Schamaschite Naplanum die Stadt Mari - eventuell sogar mit Unterstützung durch die Sabäer - eroberte und damit eine Perle aus der sumerischen Krone herausbrach. Das könnte nach dem Tode Ur-Ninas (im Jahre 260 ndFl etwa) der Fall gewesen sein. Er schloss sich dann vermutlich der Revolte Eannatums an, so dass auf diese Weise das "Reich" des Naplanum, das sich vom Ararat über Ostanatolien bis zum mittleren Euphrat erstreckt zu haben scheint, mit dem zweiten sumerischen Großreich eine Einheit bilden konnte. Naplanum wurde mit dem Thron der Stadt Larsa belohnt. Dies ist zwar alles rein hypothetisch und nicht zu belegen, entbehrt aber nicht einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

In der konventionellen Geschichte besteht die Dynastie von Larsa gleichzeitig mit der Dynastie von Isin, die beide auch gleichzeitig ganz Mesopotamien beherrschen. Nach dem, was wir weiter oben festgestellt haben, scheint dies eine logische Konsequenz zu sein; denn Isin-Kleinasien könnte das Stammreich des Naplanum gewesen sein, während Larsa seine Statthalter-Residenz unter den Sumerern war. Doch der Begründer der Isin-Dynastie ist ein ganz anderer, der viel später lebte. Er begründete offensichtlich dieses Reich neu: Ischbierra, der mit dem Gründer des Hethiter-Reiches, mit Hattusilis I (= II), identisch ist. Folglich muss, da Naplanum und Hattusilis I keine Zeitgenossen gewesen sein können, hier in der konventionellen Auffassung ein Irrtum vorliegen.

Diese unmögliche Konstruktion einer Isin-Larsa-Zeit hat es demnach in Wirklichkeit nie gegeben. Sie soll zwischen der Dynastie Ur III und der Amurru-Dynastie gelegen haben. Da diese beiden Dynastien aber aus denselben Herrschern bestehen, wird der Irrtum klar: Die Larsa-Dynastie gehört vor die Amurru-Dynastie, und die Isin-Dynastie kam erst nach der Dynastie Ur III auf. Verlegt man Ur III fünfhundert Jahre vor die in Wirklichkeit gleichzeitige Dynastie von Amurru, wie es konventionell geschehen ist, dann entsteht dazwischen eine Isin-Larsa-Zeit, die es nie gegeben haben kann:

+--------------------------------------------------------+
falsch: UR III        richtig:  LARSA                  |
|         |                       |                      |
|         ISIN-LARSA              AMURRU/UR III          |
|              |                         |               |
|              AMURRU                    ISIN            |
+--------------------------------------------------------+

Es lag also nicht zwischen Ur III und Amurru eine fiktive Isin-Larsa-Zeit, sondern zwischen der Larsa- und der Isin-Dynastie lag eine Amurru-Ur(III)-Zeit.

Nach dem Tode des Eannatum (ca. 295 ndFl) hätte dessen Sohn die Regierung übernehmen müssen. Es folgte aber auf dem Thron des Großkönigs ein Neffe Eannatums, also der Vetter des zu erwartenden Thronfolgers. Er hieß Entemena. Es sieht so aus, als habe er einen gewissen Enakalli, der der Sohn Eannatums gewesen sein könnte, beiseite gedrängt und ihn in der Nachbarstadt von Lagasch, in Umma, auf Eis gelegt. Dieser Zwist ist überliefert, nicht aber die Angabe, dass Enakalli der rechtmäßige Thronfolger gewesen sei. Das ist rein hypothetisch. Um 300 ndFl saß Entemena auf jeden Fall fest im Sattel.

Etwas außerhalb des Reichsgebietes des Entemena, in Gutiland, dem späteren Medien, das zum Aufmarschgebiet der aus dem Paradies Vertriebenen wurde, war ein indoarisches Volk von der südrussischen Steppe her eingetroffen, dessen Anführer ich Thiras nennen möchte. Thiras ist einer der drei Söhne Japhets, also ein Arier. Abraham Meister und andere sehen in dem Namen Thiras die Namen Tras oder Thrax, also die Thraker. Ich werde zeigen, dass diese späteren Bewohner der heute politisch zu Bulgarien, Griechenland und der europäischen Türkei gehörenden Gebiete, die im Altertum mit dem Sammelnamen Thrakien pars pro toto belegt wurden, von Medien aus dorthin gelangten.

Als Bewohner des auch Gutium genannten Gutilandes bekamen sie zunächst den Namen Gutäer. Mit diesen wird, und zwar völlig zu Unrecht, eine schreckliche Zeit in Vorderasien verbunden. Die in der Tat unerquickliche Gutäerzeit hat aber mit diesen Thirak-ern nichts zu tun, sondern sie geht von einem späteren Nachfahren dieser Dynastie aus, den wir am Himmel als Wintersternbild bewundern können, nämlich von Orion. Da diese Vorgänge aber erst ins 6. nachsintflutliche Jahrhundert gehören, betrachten wir diejenigen Gutäer, die jetzt draußen vor der Tür stehen und begehren, ins Establishment aufgenommen zu werden, mit ganz anderen Augen. Sie werden geschichtlich greifbar unter dem Namen des Sohnes ihres Anführers: Puzur-Assur. Dieser Name zeigt uns zudem, woher der Name für den Gott Assur stammt, der auch der Stadt Assur, in der sich Puzur-Assur niederließ, den Namen gegeben hat.

Puzur-Assur ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch der unter den Nachfahren des Levi im AT aufgeführte Assir. In Wirklichkeit ist er natürlich ein Vorfahre der Leviten, wie sich noch herausstellen wird.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Name Puzur-Assur zu dem Anführer gehört, der seinerseits ein Sohn des Thiras oder sogar dieser selbst gewesen sein könnte. Ich halte aber die Identität Puzur-Assurs mit seinem angeblichen Sohn für wahrscheinlicher, der sich später, nachdem er Großkönig, das heißt Gottkönig geworden war, den Namen Ilu-schuma (ilu = Gott) zulegte. Konventionell gilt Puzur-Assur als der Vater des Iluschuma. Ich halte es aber für wenig wahrscheinlich, dass der Vater seinen Sohn schon als Knaben "Gott Schuma" genannt haben soll, als er selbst bestenfalls ein puzur (= pu-sar, was soviel wie Unterkönig oder Statthalter bedeutet) im Reich des Entemena war. Auch ist die Möglichkeit zu verwerfen, dass Iluschuma einen uns nicht bekannten Puzur-Namen besessen haben könnte; denn wenn aus Puzur-Assur der assyrische Gott Assur geworden sein sollte, dann ist das nur plausibel, wenn der Gottkönig Iluschuma darin gesehen wurde und nicht dessen Vater.

Ich halte Thiras daher für den Anführer der Thrako-Gutäer und für den Vater des Puzur-Assur, des späteren Gottkönigs Iluschuma, auf den ich noch ausführlich zu sprechen komme.

Der Anführer Thiras wurde um 300 ndFl etwa geboren. Vor 330 ndFl dürfte er daher kaum politisch in Erscheinung getreten sein. In den ersten Jahrzehnten des vierten nachsintflutlichen Jahrhunderts bestimmten noch die Masch oder Mesech, die älteren "Nachfahren Japhets", die arische Politik. Ihr Hauptvertreter war seit den Tagen der Machtergreifung des Entemena ein gewisser Iku-Schamasch-Gan. Dieser um 265 ndFl geborene mutmaßliche Sohn des Naplanum heiratete vermutlich um 290 ndFl - möglicherweise sogar im Zusammenhang mit der Machtergreifung Entemenas, den er dabei unterstützt haben dürfte - eine um 275 ndFl geborene Tochter Entemenas. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, dessen Name von mir hier schon so präpariert worden ist, dass man daraus sowohl auf seine schamaschitische als auch auf seine lagaschitische Herkunft schließen kann, wie es ursprünglich auch wohl vorgesehen war:

(Scha)Masch-Gir(s)u.


Uns ist der Name in der meines Erachtens entstellten Form Mas-Schi-Girru überliefert, aus der sich nichts herleiten lässt. Da Nin-Girsu bekanntlich der Stadtgott von Lagasch war, so dürfte an der lagaschitischen Herkunft Mas-schigirrus nicht zu zweifeln sein.

Iku-Schamasch-Gan ist als Statthalter (Patesi, Puzur oder Pusar) von Mari nachgewiesen. Sein Sohn Mas-Schi-Girru nannte sich, nachdem er sich vom Statthalter zum König von Mari emporgearbeitet hatte, Lamgi-Mari. Die Identität des einen mit dem anderen ist zwar nicht verbürgt, wohl aber die Anwesenheit des Statthalters Masschigirru in Mari und die Vaterschaft des Iku-Schamasch-Gan an Lamgi-Mari. Letzterer dürfte es dann auch gewesen sein, der den Gutäer Thiras hereinließ, mit dem er gegen Entemena kämpfte und diesen schließlich besiegte, so dass Lamgi-Mari der dritte Gottkönig in der zweiten Großreichphase Sumers wurde. Den Gutäer machte er zum Statthalter. Das war 335 ndFl.

Es wird immer schwieriger, die Herrscher einer bestimmten Rasse zuzuordnen. Die Eheschließungen gehen über diese Schranken hinweg. So heiratete denn auch der larsaitisch-schamaschitische und sumerisch-lagaschitische Lamgi-Mari eine Sabäerin, die es als Königin schaffte, die sabäische Göttin Nisaba, die jetzt Nini-Zaza genannt wurde, zu der Hauptgöttin des Reiches zu machen. Aus der Ehe des ariosumerischen Lamgi-Mari mit der Sabäerin ging unter anderem eine Tochter hervor, die demnach alle drei weißen Hauptrassen in sich vereinigte: Japhet, Sem und Sumer. Diese "Pandora" oder "die von allen (Rassen) Beschenkte" - wie man sie nennen könnte - heiratete vermutlich den Gutäer Thiras, den ihr Vater auf einen Thron gesetzt hatte.

Der so ans Herrscherhaus gebundene Gutäer begründete damit die 91 Jahre währende Gutäer-Herrschaft, die im Jahre 426 ndFl vorübergehend endete. In dem Jahr, in dem er seine Regierung antrat (335 ndFl), wurde vermutlich auch schon sein Sohn Puzur-Assur geboren, der sich später Iluschuma nannte. Ihm ist das ganze folgende Kapitel gewidmet. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Stadt Thiras den Thron innehatte; es ist nicht auszuschließen, dass es schon das spätere Assur war, wo jedoch keine Hinweise auf seine Anwesenheit gefunden wurden, wohl aber auf die seines mutmaßlichen Sohnes Puzur-Assur. Dieser hat die Stadt Assur jedenfalls zur Festung ausgebaut.

Die genauen Umstände, die das Ende des Reiches Entemenas und den Aufstieg des Lamgi-Mari herbeiführten, lassen sich sehr gut rekonstruieren:

Ur-Lumma von Umma, der Sohn des Enakalli von Umma, wollte die seinem Vater angetane Schmach sühnen und machte einen Aufstand gegen Entemena. Es ist nun für diese Zeit überaus bezeichnend, dass nicht etwa Entemena den Aufstand niederschlug, sondern dass die Nordgruppe einen Frieden zwischen den Streitenden schließen konnte, der für beide Parteien nicht sehr ruhmreich, für den Großkönig Entemena aber geradezu schimpflich war. Il von Zabalam, der älteste Sohn Lamgi-Maris und Statthalter im Sabäerland Zabalam, stellte den Frieden wieder her. Die Tage des Großkönigs Entemena waren gezählt. Die sumerische Suprematie neigte sich ihrem Ende entgegen.

Der Palast Lamgi-Maris spricht durch seine ungeheure Größe (er gilt als die ausgedehnteste zusammenhängende Palastanlage des Altertums) für eine Machtfülle, die nicht auf die Stadt Mari und ihre Umgebung beschränkt gewesen sein kann.

Er war der Palast des neuen Großkönigs. Lamgi-Mari kleidete sich, wie aus seinem berühmten Standbild hervorgeht, sumerisch. Er trug den bereits erwähnten Kaunakes. Er kann daher als sumerischer Großkönig aufgefasst werden, dessen Residenz allerdings jetzt viel weiter nördlich lag als die seiner Vorgänger. Das politische Gewicht hatte sich verlagert. Ein letztes Aufleuchten sumerischer Macht ging durch die Welt des Vorderen Orients. Sumerische Kultur und Tradition blieben aber noch lange lebendig.

Als 91 Jahre später Lugalzagisi ein sabäisches Reich sumerischer Tradition begründete, da war die sumerische Komponente so blutarm wie die römische im Heiligen Römischen Reich Karls des Großen. Niemand käme auf die Idee, letzteren als Römer anzusprechen. Unter Lamgi-Mari waren die sumerischen Kräfte noch so wach wie die römischen zur Zeit Constantins des Großen, die sich aber seit den Tagen des Augustus ebenfalls schon gewandelt hatten. Dem Betrachter drängen sich auffällige Parallelen beim Vergleich der beiden Reiche auf. Sogar im Alten Testament hat die sumerische Epoche ihren Niederschlag gefunden (1.Mose 9, 28.29):

Noah aber lebte nach der Sintflut 350 Jahre ... und starb.

Die Sumerer, die in der Bibel immer wieder vermisst werden, kommen demnach sehr wohl darin vor; aber sie werden hier nicht als "Sumerer" bezeichnet. In der Tat ist ihre große Blüte für die Redakteure des AT nicht von Interesse gewesen. Erst an der Grenze zur sabäischen Phase werden die Sumerer für das AT interessant. Das Ende der sumerischen Epoche wird im AT mit dem Tod Noahs verbunden, d.h. mit dem Ableben Lamgi-Maris.

Lamgi-Mari starb 350 ndFl (das heißt 530 v.Chr.). Er war der letzte große Sumerer gewesen. Ihn mit Noah zu vergleichen, aus dem die Hauptrassen hervorgingen, die sich indes in Lamgi-Mari zum Teil schon vereinigt hatten, ist legitim. Obgleich die Nachfolgereiche nach Lamgi-Mari sowohl arisch als auch semitisch-sabäisch waren, wird die klassische Aufteilung der Welt in Reiche Sem, Ham und Japhet erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar, und zwar im Jahre 487 ndFl = 393 v.Chr.

Iblul-Il, der Sohn Lamgi-Maris, der mit dem oben bereits erwähnten Il von Zabalam identisch sein dürfte, übernahm das Reich seines Vaters. Doch schon nach wenigen Jahren wurde er von seinem Bruder, dem Statthalter Enna-Dagan von Ebla, besiegt. Mit letzterem begann eine neue Phase des Reiches, das immer mehr fremde Einflüsse aufnehmen und verarbeiten musste.

Enna-Dagan wollte die sumerische Komponente des Reiches wieder betonen. Daher verlegte er seine Residenz in die südmesopotamische Stadt Uruk und nannte sich nach sumerischer Art Enuk-du-anna, was durch Umstellung der Silben En-na-dag-an bzw. durch die Übersetzung des Namensteils Dagan (= Dumuzi, Marduk) in Duanna (vgl. Daonos!) leicht zu bewerkstelligen ist. Aus der jüdischen Tradition geht hervor, dass Enuk oder auch (H)Enoch von seinen Mitkönigen auf den Thron des Großkönigs gehoben worden ist. Er starb mit 65 Jahren.

So könnte man die ansonsten zahlenmäßig unglaubwürdige Stelle 1. Mose 5,21 auslegen, die zudem noch einen zweiten Henoch betrifft. Enuk oder Henoch, der Sohn Lamgi-Maris, ist in der jüdischen Überlieferung stark vermischt worden mit einem anderen Henoch, den wir im Kapitel 5 kennenlernen werden.

Die 2. Dynastie von Uruk, in der nur der Name Enukduanna auftaucht, soll 60 Jahre bestanden haben. Dies scheint der Identifizierung dieses Herrschers mit dem 65jährig aus dem Leben geschiedenen und im Mannesalter auf den Thron gekommenen Henoch (I) zuwiderzulaufen.

Das Königtum habe aber - so heißt es zu Uruk II weiter - 120 Jahre gedauert, während die Herrschaft insgesamt 480 Jahre gedauert habe. Dies ist recht widersprüchlich und anscheinend sinnlos. In meiner berichtigten Geschichte lässt sich hierfür jedoch leicht eine plausible Erklärung finden. Wir nehmen die 3. und die 4. Dynastie von Uruk zu Hilfe:

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URUK                                        Regierungszeit
----------------------------------------------------------
                                                     ndFl
2. Dynastie :  Enukduanna (* ca. 315 ndFl; er
               kann nicht allein 60 Jahre re-
               giert haben; er starb 65jährig)   360 - 380

               sein Sohn  (* ca.345 ndFl)        380 - 420

Mag die Jahreszahl des Regierungswechsels
(380 ndFl) auch ungenau sein, so sind die
60 Jahre doch erkennbar: 360-420 ndFl.

3. Dynastie:  Urukagina  (* ca. 370 ndFl)        420 - 426

4. (angeblich 3.) Dynastie :

               Lugal-Zagisi (* ca.375 ndFl) mit
               einer angegebenen Regierungsdauer
               von 25 Jahren                     426 - 451

5. (angeblich 4.) Dynastie :

               5 Könige mit 29 Jahren werden an-
               geführt; es handelt sich in Wirk-
               lichkeit aber um nur einen König
               in dieser Dynastie:               451 - 480
               Total waren es jedoch in allen
               Dynastien zusammen tatsächlich
               fünf Könige.

==========================================================

Die Angabe, die Herrschaft habe insgesamt 480 Jahre betragen, bezieht sich auf die Jahreszahl ihrer Beendigung. Die 120 Jahre, die für das Königtum angegeben werden, müssen deshalb schon im Jahre 360 ndFl beginnen. Werden alle Zahlenangaben berücksichtigt, so verbleibt eine Differenz von sechs Jahren: 60 + 25 + 29 = 114 (statt 120) Jahre. Daher ist die sechsjährige Regierung Urukaginas, des Enkels von Enok, an die sechzig Jahre der 2. Dynastie von Uruk noch zusätzlich anzuhängen. Die Zugehörigkeit Urukaginas zu dem Herrscherhaus in Uruk ergibt sich nur aus seinem Namen; er gilt darüber hinaus lediglich als Herrscher von Lagasch, wo er aber vermutlich vor seiner Uruk-Zeit residierte.

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