Siebtes Buch: 642 bis 656 ndFl
Bevor ich die Fortsetzung der Geschichte Juda-Edom-Israels in Angriff nehme, möchte ich dem Leser noch einmal in kurzer Form die wichtigsten Ereignisse seit dem Tode Davids I in Erinnerung rufen:
Die Revolte der Horde Korah (4. Mose Kap. 16) Korah gilt sowohl als der Sohn von Hebron (1. Chron. 2, 42.43; 15,9), dem dritten Sohn des Kahath (2. Mose 6, 18; 4. Mose 3, 19; 1. Chron. 6, 2.18; 23, 12.19; 26, 23), als auch als Sohn von Jizhar (2. Mose 6, 21; 4. Mose 16,1ss), einem Sohn ebenfalls des Kahath (2. Mose 6,18.21; 4. Mose 3,19.21; 1. Chron. 5,28; 6,3.23; 23,12.18). Bei Kahath handelt es sich um einen Sohn des Levi (1. Mose 46, 11; 4. Mose 3, 27.30), was ihn in die Reihe der Priesterfamilie einordnet und zum Bruder des Aaron-Moses wie des Josef macht. Zu seiner Historifizierung trägt auch die Angabe, seine Nachkommen hätten das Heiligtum getragen (4. Mose 10, 21), nicht viel bei. Jizhar gilt auch noch als Sohn von Aschchur und Helea (1. Chron. 4, 7). "Die Söhne Korah" ist eine nach ihm benannte Sängerfamilie (vgl. Ps. 42-49; 84; 85; 87; 88), die zur Zeit Davids lebte (1. Chron. 6,22). Nach konventioneller Bibelchronologie liegen zwischen Levi und David Jahrhunderte, während der Sohn Aschchur des David-Hezron in der berichtigten Bibelchronologie sogar erst nach Davids Tod Nachfahren gehabt haben kann. Eine Historifizierung Korahs und seiner Vorfahren geschieht demnach am besten über eine direkte Verwandtschaft mit Aaron-Moses, unter dessen Führung sie nach Kanaan eingewandert sein dürften. Es ist ebensogut daran zu denken, dass alles nur die Familie des Aaron betrifft:
4. Mose 16 schildert die Revolte des Korah, des Sohnes von Jizhar, des Sohnes Kahats, des Sohnes Levis, im Bunde mit Dathan und Abiram, den Söhnen Eliabs, und On, dem Sohn von Peleth, den Söhnen Rubens. Es geht bei diesem Streit um religiöse Riten. Offenbar sind den Korahitern die Regeln der Herren Moses, Aaron und Eleasar zu streng. Am Ende ist es natürlich "der Herr" selbst, der die Erde unter Korah und seinen Anhängern auftut, so dass sie "in die Hölle", also doch wohl in den Siddim-Schlund, verschlungen werden. Eliab kann Chileab-Labaja = Josua sein. Dessen Söhne waren wie der Vater Revoluzzer. Eliab und Peleth werden an anderen Stellen nicht als Söhne Rubens aufgezählt. Wenn aber betont wird, dass sie Rubeniter waren, dann können sie zur Hadad-Familie (des Rechob bzw. Rechab) gehört haben. Wenn gesagt wird, dass sich der Revolte 250 Mann, Vornehme und Ratsleute sowie namhafte Leute angeschlossen hätten, dann kann sich das nur in einer zivilisierten Gegend und nicht in der Wüste abgespielt haben. Sie versammelten sich (beachte: Kahath = Versammlung!) gegen Mose und Aaron: Das heißt, sie versammelten sich gegen Moses gleich Aaron, falls dieser doch lebend nach Hebron gekommen sein sollte, oder gegen Abraham und Eleasar, was letzteres weniger wahrscheinlich ist, wenn Korah der Sohn Hebron-Eleasars war, oder sie revoltierten überhaupt nicht gegen die eigenen Leute, sondern gegen die Ägypter. Der mehr ideologisch als politisch ausgeprägte Konflikt kann sich aber auch - speziell unter der Führung Labaja-Eliabs - gegen die eingewanderten Chabiru insgesamt gerichtet haben, die eine andere Form der Jahwe-Verehrung ins Land brachten, als sie von den Einheimischen ausgeübt wurde. Außerdem kann diese einheimische Variante der Richtung Amos-Jesaja ebenso wie die Chabiru-Variante des Aaron- Moses von der El-Verehrer-Familie des David I abgelehnt worden sein: Chileab-Labaja-Josua war der Sohn Davids I. Wenn das Ende der Horde Korah mit dem Einsturz des Siddimtales zu synchronisieren oder sogar in kausalen Zusammenhang zu bringen ist, dann ist dieser Konflikt schon dem Jahr 641 ndFl zuzuordnen. Dies ist ohnehin erforderlich, wenn sich Abraham noch unter den Lebenden befunden haben soll. Josua = Chileab-Labaja war zu dieser Zeit noch in Babylon; aber seine Söhne könnten als Kinder in Kanaan-Palästina zurückgeblieben und inzwischen erwachsen sein. Ihr Alter könnte über 20 Jahren liegen. Also doch ein reiner Religionsstreit? Das Ende des Elias soll seine feurige Himmelfahrt gewesen sein, die sich als Spektakel im Zusammenhang mit dem Siddim-Einsturz durchaus erklären ließe; aber Elias muss danach noch mindestens bis zur Ermordung des Benhadad im Jahre 659 ndFl gelebt haben, da er Hasaël zu diesem Mord anstiftet (2. Kön. 8, 7-15). Die Exilheimkehrer Die Heimkehr aus dem Exil wird in zwei Büchern des AT auf ähnliche Weise geschildert: Das Buch Esra enthält Angaben, die auch im Buch Nehemia enthalten sind. Auffallend ist am Beginn des Buches Esra eine "Gewaltenteilung": Kores, der König in Persien, gibt die von Nebukadnezar im Tempel zu Jerusalem geraubten Gegenstände an Sesbazar heraus, den Fürsten Juda's (Esr. 1, 7-8); im nächsten Kapitel ist aber plötzlich ein gewisser Serubabel der Anführer der Heimkehrer (Esr. 2, 2), der nicht weiter beschrieben wird. Esra, der auch im Buch Nehemia erscheint, wird in "seinem" Buch vorerst gar nicht erwähnt. Was liegt hier vor? 1. Da es sich in Wirklichkeit um zwei - am Beginn siebzig Jahre (!) auseinanderliegende - Exile handelt, die im AT zu nur einem einzigen zusammengefasst wurden, so liegt es auf der Hand, dass ursprünglich das Buch Esra nur zu dem ersten und das Buch Nehemia nur zu dem zweiten Exil gehörten; denn: 2. Esra ist mit Serubabel, dem Sohn Schear-Jaschub des Jesaja, und mit Seraja, einer Person im Umfeld Serubabels (Esr. 2, 2), identisch und gehört einwandfrei zum ersten Exil, zu welchem Nehemia auf gar keinen Fall gehören kann, wenn dies auch gesagt wird (Esr. 2, 2). Auch Sesbazar ist eine Person aus dem Umfeld Jojachins, der zu dem zweiten Exil gehört. 3. Der Kyros (im AT Kores genannt), der das erste Exil in Babylon beendete, war Kur(os)igalzu = Mursilis-Tudhaliyas, der Schwiegersohn des Astyages, wie Herodot sagt und dabei an Kyros den Großen denkt, der aber weder das erste noch das zweite Exil beendete. Auch Herodot weiß davon nichts. Wie dieser Kyros-Kurigalzu den Schatz - wenn überhaupt - herausgab, wird nicht gesagt. 4. Derjenige Kyros, der der eigentliche Kores im AT ist und der den Schatz durch seinen Kämmerer Mithredat herausgibt, ist der Enkel Kyros der Jüngere des Herodot'schen Kyros, des Älteren oder Großen, und er beendete das zweite babylonische Exil der Juden. Er ist im Buch Esra gemeint. Sein Kämmerer Mithridates war eines der größten Schlitzohren der an solchen Typen nicht gerade armen Antike. Sein Betrug an den griechischen Söldnern, die Kyros dem Jüngeren auf den Thron von Babylon geholfen hatten, trug mit dazu bei, dass mann konventionell nicht wahr haben will, dass dieser Kyros überhaupt auf den Thron kam, geschweige denn der Kores des AT ist. Eine eingehende Besprechung der Bücher Esra und Nehemia nehme ich hier nicht vor. Auf Nehemia werde ich in einem späteren Kapitel natürlich zurückkommen. Mit dem Exilheimkehrer (hebr. = jaschub) Josua, Joschua, Chi-Leab-aja beginnt diese Phase der Geschichte, in der sich die Hauptmasse der Amarnabriefe befindet. Wie alle anderen David-Söhne war auch Labaja am Anfang seiner Laufbahn ein ägyptentreuer Stadtfürst, und zwar, wie vermutet wird, in Sichem und Gezer (= Geser); beide Städte sind jedoch miteinander identisch! Es kommt häufig vor, dass Städte in den Amarnabriefen mit ihren verschiedenen Namen erwähnt werden2. Möglicherweise handelt es sich bei einigen um größere Metropolen, in der Art "Beth-El und seine Ortschaften". Da über Josua-Labaja in vorangegangenen Kapiteln bereits ausführlich abgehandelt worden ist, so kann ich von dessen abermaliger Besprechung absehen, und ich beabsichtige auch nicht, das Buch Josua in derselben Weise zu rehistorifizieren, wie ich mit dem Buch der Richter verfahren bin. Diejenigen Passagen des Buches Josua, die Josua II, also Joas-Jonas-Josia betreffen, werden ohnehin zu gegebener Zeit zu besprechen sein. An dieser Stelle sollen die Exilheimkehrer, namentlich die Söhne Davids I, aber auch andere biblische Personen, von denen anzunehmen ist, dass sie in Babylon im ersten Exil waren, mit ihren Städten aufgeführt werden, in denen die Ägypter sie als Stadtfürsten eingesetzt haben. Einige von ihnen haben wir schon kennengelernt. An erster Stelle ist da natürlich der gefürchtete Jethream = Abdi-Aschirta oder Joas, der Abiesriter, der Vater von Gideon (III) = Aziru = Hasaël, zu nennen. Abdi-Aschirta wurde offensichtlich zwischen den Mühlsteinen Medien und Ägypten aufgerieben, während sein Sohn noch für einige Jahre Geschichte machte. Über beide wurde ebenfalls schon ausführlich abgehandelt. Wie seinem (Zwillings-)Bruder Josua gelang es auch Daniel, ein eigenes Buch im AT zu bekommen; aber wie sein Bruder, so musste auch er sich diesen Platz mit einem anderen teilen: wie Josua mit Josia-Jo(n)as, so Daniel mit Jojachin, welcher letzterer erst in das zweite Babylonische Exil gehört (ab 696 ndFl). Iddo-Daniel, der Schauer, Priester und Oberst in Kasiphia, der Esra-Serubabel von Babylon nach Hause führte (Esr. 8, 17-20), und Oberst über den halben Stamm Manasse zur Zeit Davids (1. Chron. 27, 21), ist auch der Adda-Dâni von alumanchate = Manasse aus den EA-Briefen. Ich möchte Adda-Dâni mit dem in einigen Briefen erwähnten Addaia bzw. A(d)daja identifizieren, einem Rabis in Südpalästina, der unter diesen Namen selbst nicht als Absender auftritt. Er wird erwähnt von Labaja (Brief Nr. 254, 37), also seinem Bruder, der dem König in Achet-Aton bestätigt, dass er an Addaia (seinen eigenen Sohn?) Dumuia übergeben habe, von dem er nicht gewusst haben will, dass der zu den Sa.Gaz.Mesch übergegangen sei. Außerdem erwähnt ihn Abdichiba (= Josaphat) von Jerusalem (Briefe Nrn. 285, 287 und 289), der dem König in Achet-Aton über die Konspiration des Addaja mit den Chabiru berichtet. In seinen Briefen an den König in Achet-Aton beklagt sich Adda-Dâni über (seinen Bruder) Bêia = Labaja, den Sohn der Gulate = Abigail. Den Namen, den der Vater dieser Brüder in den Amarnabriefen führt, lernen wir im Zusammenhang mit seinem Enkel Schum-Adda kennen: In seinem Brief Nr. 224 erwähnt Schum-Adda seinen (Knudtzon-Weber: "offenbar entfernten") Vorfahren Kuzuna, in dem Hezron, Koz = David I zu erkennen ist. Dass er dessen Enkel ist, geht aus dem Brief Nr. 8 hervor, in dem als Vater des Schum-Adda ein unverkennbarer Sohn Davids I genannt wird: Balumme. Balumme, der auch Paalumma geschrieben wird, ist Elpaal = Eliphelet, der Sohn des David (1. Chron. 3, 8), aber auch Bela, der Sohn des (mit dem Benjaminiter David weitgehend identischen) Benjamin (1. Chron. 8, 1). Bela ist außerdem mit Balu-Michir von Tienni identisch, dem Schreiber der Amarnabriefe Nrn. 257-260 an den König in Achet-Aton. Die Lage von Tienni ist nicht eindeutig erkennbar, wird aber in Südpalästina vermutet. Die Gleichbedeutung des Namens Machir, der zu einem Sohn Manasses gehört, mit dem Namen Michri eines Benjaminiters (1. Chron. 9, 8), stellt eine weitere Verbindung zu David I her. Der Sohn des Balumme hat in den Briefen die Namen Schum- Adda oder Schamu-Adda bzw. Schumuchada von Schamchuna. Er ist mit S(ch)emer von Samaria identisch ist; denn Samaria ist auch Schimron-Meron (Jos. 12, 20) und Schamschi-Muruna (Liste aus dem letzten Jahr des Assurbanipal = Sanherib3, fast übereinstimmend mit einer Liste des Asarhaddon = Salmanassar; beide erwähnen hier einen König Abi-ba'al und in Juda Manasse, den Sohn Hiskias, der nur im Jahre 677 ndFl regiert hat). Konsequent ist daher auch S(ch)emer von Samaria identisch mit S(ch)imri von Schimron-Meron. S(ch)emer, ein Sohn des Benjaminiters Elpaal, baute Ono und Lod und ihre Ortschaften, Schema und Beria, die (um 610/5 ndFl geborenen) Söhne des Elpaal, lebten in Ajalon und vertrieben "die zu Gath" (1. Chronik 8, 12.13; als Geburtsjahr Elpaals bietet sich 585 ndFl an). Beria ist mit dem Rubeniter Beera, dem Sohn des Baal (= El-Paal) identisch (1. Chronik 5, 6), der von Tiglath-Pileser fortgeführt wurde und der unter dem Namen Bieri von Chaschabu (= Hesbon) den Amarnabrief Nr. 174 geschrieben hat. Schutarna war in der Zeit der Amarnabriefe, also zwischen 646 und 652 ndFl, der ägyptische "Mann" in Muschichuna, das die Hauptstadt des Landes (der Stadt) Mu...chi in den hethitischen Textquellen gewesen sein kann. Sollte dies zutreffen, dann ist Muschichuna möglicherweise die Stadt Samaria im Lande Mu-na-chi = Mannahath, Manasse und auch das Schamchuna des Schamu-Adda (Brief 225). In Schum-Addas Brief Nr. 224 ist keine Ortsangabe erkennbar; dennoch wird nicht daran gezweifelt, dass er mit dem Schamu-Adda von Schamchuna ebenso identisch ist wie mit dem Schum-Adda aus dem Burnaburiasch-Brief Nr. 8 4 (siehe dazu weiter unten!). Die hebräische Bedeutung des Namens Samaria lautet dem Wächter gehörend, die Stadt Samaria selbst liegt auf dem Wachtberg5. Eine ähnliche Bedeutung hat der Name einer "kanaanitischen Königsstadt": Schimron bzw. Schimron-Meron (Jos. 11,1; 12,20; 19,15; schimron = Wache6). Es dürfte nach allem Gesagten nicht abwegig sein, Schimron-Meron, S(ch)ams(ch)i-Muruna und Schamerina (beide in assyrischen Listen), Muschichuna und Schamchuna für Samaria zu halten. Seinen Brief Nr. 225 müsste Schamu-Adda = S(ch)emer (oder Schomer = "Wächter") spätestens 646 ndFl schon geschrieben haben; denn in diesem Jahr wird er seinen "Wachtberg" (= Samaria) an den Vizekönig Schutarna (nicht an Omri!) verkaufen. Semer ist sehr wahrscheinlich auch Simri, der im Jahre 661 ndFl Isebel, die Witwe des Ahab, töten und sieben Tage später von David-Jehu selbst getötet werden wird. In dem bereits im Zusammenhang mit Schum-Adda erwähnten Brief Nr. 8 (des Burnaburiasch an Napchuria) wird auch der Sohn Schutatna (an anderen Stellen Zatatna oder Zitatna geschrieben) des Scharatum (an anderen Stellen Zurata geschrieben) von Akko erwähnt. Letzterer ist der jüngste Sohn von David-Hezron, der nach dessen Tod erst geborene Aschchur = Schacharaim, Zereth-Schachar, Charmi. Zatatna ist der Sohn Ethnan von Aschchur und Helea (1. Chron. 4, 7). Unter dem Namen Sacharja wird Aschchur für kurze Zeit König von Israel; das betrifft aber erst eine spätere Phase der Chronik der Könige. Der Ephraimiter Bered (1. Chron. 7, 20) und Mered aus dem Geschlecht Juda (1. Chron. 4, 17.18) sind wohl identisch: Bered steht in einer jener verworrenen und unglaubwürdigen Filiationen, die keine Diskussion zulassen; Mered hingegen (b und m sind in vielen orientalischen Sprachen austauschbar) wird als Sohn Esras zusammenhanglos unter die Nachfahren des Kaleb eingeschoben; selbstverständlich handelt es sich bei Esra in diesem Falle um Isra-el = David I. Der Sohn Mered ist auch Bered: Biridija von Megiddo, der mit seinen Brüdern die Söhne des Labaja betrog, indem sie das Lösegeld für deren Vater, den sie eigentlich nach Ägypten ausliefern mussten, zwar annahmen, den "Verbannten" aber töten ließen, obwohl er ihr Bruder war. Mered war mit der Tochter Bithja des Pharaos verheiratet (1. Chron. 4, 17). Der erste Sohn, den Abigail, die Tochter Maoch-Machbenas, dem David in Jerusalem gebar, war Segub, den David erst im Alter von 60 Jahren zeugte (1. Chron. 2, 21). In den Amarnabriefen lautet sein Name Addu-Ur.Sag. Seine Stadt könnte das von ihm in Brief Nr. 250 erwähnte Gittipadalla gewesen sein, dessen Lage in der Jesreelebene nahe Megiddo gesehen wird. Die Wissenschaft hat keinen biblischen Namen für Gittipadalla; ich schlage vor, es mit Gibbethon zu versuchen, das m. E. in derselben Gegend liegt. Hierüber ist schon im Kapitel 6 (Die Chronik der Könige, Teil I) im Buch VI dieses Bandes abgehandelt worden.
Mit dem hochrangigen Daniel befanden sich auch noch drei Begleiter in Babylon, die im AT als die "drei Männer im Feuerofen" bezeichnet werden. Es handelt sich um die "drei Knaben aus königlichem Hause", deren Namen Asarja, Misael und Hananja umgewandelt werden in Abed-Nego, Mesach und Sadrach. Da hierüber bereits im Kapitel "Nebukadrezzur" im Zusammenhang mit dem Buch Daniel ausführlich abgehandelt wurde, soll hier lediglich nochmal darauf hingewiesen werden, dass es sich bei Asarja um den König und Priester Usia-Asarja-"Salomo" handelt. Die beiden anderen sind mit ihrer Mutter Hulda im Exil, und es ist sehr wahrscheinlich, dass Esra-Serubabel erst im Exil zum Vater Hananjas wurde. Sie gehören zur Familie des Jesaja, des Vaters von David-Teuwatti, dem vermutlich wie seinem Vater das Exil erspart blieb. Misael, der Sohn des Thekoa mit seiner Stiefmutter Hulda, ist der spätere König Jo-Ahas-ja von Israel und ebenso ein Halbbruder des David-Jehu wie auch Hananja, der spätere Priester Jozadak, der auch das zweite Exil noch kennenlernen wird. Ihrer aller Mutter Hulda wird noch einige Jahre leben und uns unter Josia zuletzt begegnen, wenn sie etwa 80 Jahre alt ist. Von zwei Personen, die im AT wie in den Amarnabriefen auftreten, ist nicht mit Sicherheit zu sagen, ob sie nach Babylon deportiert waren. Da ist zum einen der ebenfalls zur Benjaminiterfamilie gehörende Achis von Gath = Akizzi von Katna, ein jüngerer Bruder der Abigail, und zum anderen der Rubeniter Hadadeser = Rib-Addi von Gubla = Byblos im Aram-Zoba = matuZubaru, beides auch im AT Zeitgenossen des David, womit in diesem Falle nur David II = Teuwatti gemeint sein kann. Das Revirement der Ägypter Nachdem durch den Großen Naharinasieg Amurru-Kanaan endgültig wieder den Ägyptern zugefallen war, begannen sie sogleich mit der Neubesetzung der Stadtfürstenämter, und zwar unter Berücksichtigung der Exilheimkehrer, die sie als potente Gegner der Amoriter bzw. Babylonier betrachteten, die Ägypten ihre Freiheit verdankten und sich daher den Ägyptern verpflichtet fühlten. Wie sehr sie sich dabei irrten, ahnten die Ägypter vermutlich nicht; denn gerade die Söhne Davids (I) hatten nichts anderes im Sinn, als das Reich Israel ihres Vaters wieder aufzurichten. Andere Mitglieder des königlichen Hauses kamen ebenfalls auf neue Posten oder wurden in ihre alten Positionen wieder eingesetzt. Soweit dies schon vor 642 ndFl geschehen war, als zunächst nur der Süden Palästinas ägyptisches Territorium geworden war, ist darüber schon im vorigen Königs-Chronik-Kapitel abgehandelt worden. Im Jahre 642 ndFl wurde aber zuversichtlich Abdichiba = Josaphat, der Sohn des Bo-Asa, in seinem 35. Lebensjahr für 25 Jahre als "Mann von Urusalim" in Jerusalem eingesetzt, was das AT mit "König von Juda" bezeichnet. Die Frage ist nun, wohin Jotham-Jethream = Abdi-Aschirta, der Sohn des David I, auswich, der möglicherweise schon 629 ndFl von den Ägyptern als Nachfolger des Asa als "König von Juda" in Jerusalem eingesetzt worden war. Wenn er aber tatsächlich die im AT für ihn angegebenen 16 Jahre regiert haben sollte, dann müsste er für die nächsten drei Jahre eine andere Residenz beszogen haben. Er war auf gar keinen Fall der Vater des Ahas, wie das AT sagt. Im Jahre 646 ndFl findet das statt, was im AT mit Omri verbunden wird: Schutarna, der Schwiegervater des Pharaos Sethos-Amenophis II und Vizekönig von Amurru-Kanaan, der seit 639 ndFl seine Residenz in Kinza-Kadesch hatte, kauft in Samaria dem Schemer = Simri = Schum-Adda den Wachtberg ab. Schutarnas Sohn Aitugama übernimmt die Regierung in Kinza-Kadesch im Lande Hamath; das AT nennt ihn Tou (Toi) von Hamath. Die Briefe Nrn. 224 und 225 schreibt Schum-/Schamu-Adda noch von Schamchuna, das M. Knudtzon für das Samachonitis (Hule-See) des Josephus halten möchte, aber auch zugibt, dass "eine Entscheidung nicht möglich" ist. Clauß (Nr. 89) sieht in Schamchuna das S(ch)imron(-Meron aus Jos. 11, 1; 12, 20; 19, 15; LXX: Sumoon), das mit dem Schmn der Liste Thutmosis III gemeint sein soll, das bei Josephus Simonias und heute Semûnije (an der Straße von Haifa nach Ennâsira) heißt. Ich sehe mich durch Clauß darin bestätigt, Schamchuna mit Schimron und mit Samaria zu identifizieren. Die Briefe Nrn. 224 und 225 sind eher belanglosen Inhalts, wenn man von der Erwähnung Kuzunas (= David I) in Brief Nr. 224 absieht, die uns eine verwandtschaftlich Zuordnung des Absenders ermöglicht. Interessant kann allerdings auch der Hinweis in Brief Nr. 225 sein, wonach der Absender die Entsendung eines Rabis (= Oberstatthalters) anmahnt. Hierbei an den Ortswechsel oder den Einzug Schutarnas in Samaria zu denken, dürfte nahe liegen. Jedenfalls enthalten beide Briefe keinen Hinweis auf feindselige oder gar kriegerische Aktivitäten, was die Einordnung der Briefe in die friedliche Zeit um 646 ndFl erleichtert. Verwirrend für die Historiker ist daher der Brief Nr. 49 eines gewissen Schama-Adda an den König in Achet-Aton, der nach Ansicht von M. Knudtzon nicht von demselben Schamu- bzw. Schum-Adda stammen kann, der die Briefe Nrn. 224 und 225 geschrieben hat, "da er weder der Schrift noch dem Ton nach zu jenen Briefen passt, sondern vielmehr ... nahe Verwandtschaft mit Nr. 45-48 zeigt," deren Herkunft dem nordöstlichen Syrien zugeschrieben wird. Der Inhalt auch dieses Briefes ist unspektakulär, so dass man seine Datierung kurz nach dem Umzug Schama-Addas in den Norden ansetzen kann. Bezeichnend ist, dass in einer späteren, von Feindseligkeiten geprägten Phase ein gewisser Schumu-chadi in Ägypten zurückgehalten wird (Brief Nr. 97 des Iapach-Addi an Schumu-chadi), der aber sehr wahrscheinlich von Rib-Addi = Hadadeser nach Ägypten gesandt wurde. Wenn es sich - wie ich mit Überzeugung annehme - bei Schum-Adda um Semer und um Simri (von Simron) handeln sollte, dann liegt hier dieselbe Beziehung zwischen Hadadeser und Simri vor, die auch beim Komplott des David-Teuwatti und des Reson-Arzawija mit Hadadeser bestanden hat. Schließlich waren es David, Reson-Rezin und Simri, die Namiawaza (nicht Ela!) ermordeten. Sie gehörten wohl alle einst zu dem Kreis um - den allerdings ägyptenfreundlichen - Hadadeser = Rib-Addi. Schutarna selbst, der seit 646 ndFl in Samaria wohnt, hat von hier die Briefe Nrn. 182-184 nach Achet-Aton geschrieben, die allerdings wenig hergeben. Lediglich der erste davon lässt erkennen, dass Krieg im Lande ist: Der König solle sich um seine Länder kümmern und Truppen senden. Die Stadt des Schutarna nennt er selbst Muschichuna, was wohl in seiner Sprache für Schamschi-Muruna = Schimron-Meron = Samaria steht. Zu erkennen ist, dass Semer-Simri offenbar noch in friedlicher Zeit Samaria an Schutarna abtrat, der dann zuletzt in kriegerischer Zeit hier wohnte. Die Zeit der "ruhigen Jahre" endete zunächst mit den Rebellionen im Lande, und die Unruhe gipfelte schließlich in dem Überfall der Hethiter auf das zu Ägypten gehörende Land Amka. Das Ende der ägyptischen Herrschaft in Amurru-Kanaan Im Jahre 652 ndFl, als sich die Feindseligkeiten zwischen den Chatti und Ägypten zuspitzten, ging Schutarna zu seinem Sohn Aitugama nach Kadesch-Kinza und anschließend in hethitische Gefangenschaft. Danach fielen die Hethiter im Land Amka ein und begannen damit offiziell den Krieg gegen Ägypten. In den Unruhen wird Pachamnata-Omri-Jerobeam ermordet, und sein Sohn Chaib = Ahab übergibt Sumur an die Sa.Gaz.Mesch; Amurru-Kanaan steht nun für kurze Zeit unter hethitischer Oberherrschaft. David II = Teuwatti von Lapana besiegt Rib-Addi von matuzubaru = Hadadeser vom Aram Zoba, der "einen Streit mit Tou von Hamath" hatte (2. Sam. 8, 9.10; 1. Chronik 18, 9.10). Anschließend zieht er mit Reson und Simri den Hethitern entgegen; sie ermorden in Damaskus den ägyptentreuen Namiawaza und treffen hier mit den assyrischen Heerführern Lupakki = Tiglath-Pileser und Tarchunta- Zalma = Salmanassar der Hethiter zusammen. Gemeinsam setzen sie Rezin-Reson-Arza(wija) = Mari-Majarzana in Damaskus ein. Hierüber wurde im 1. Kapitel dieses Buches (Die Medo-Perser 642-656 ndFl) bereits abgehandelt. Simri (= Semer, Schum-Adda, der Sohn des Balumme) zieht in seiner alten Heimatstadt Samaria wieder ein. David II ist auch der angebliche König Ahas, der Tiglath-Pileser entgegen zog nach Damaskus (2. Könige 16, 10ss) und dort den Altar sah, den er und sein Priester Uria, bei dem es sich natürlich um Usia-Asarja-"Salomo" handelt, danach in Jerusalem nachbauten. Das AT kann in diesem Zusammenhang keinen König David mehr erwähnen! David II zieht mit seinem Priester Usia-Asarja-"Salomo" in Jerusalem ein, während Josaphat als neuer König Obed-Edom von Edom das Kanzleramt in Jerusalem übernimmt. Josaphat = Obed-Edom schafft die Bundeslade, die man offenbar in Edom (Petra? 2. Sam. 6 und 1. Chron. 13 und 15) "untergestellt" hatte, nach Jerusalem, wo sie von David und Usia-"Salomo" feierlich in den Tempel geführt wird. In Edom regiert zu der Zeit Josaphats ein - offenbar von David II eingesetzter - "Landpfleger" (1. Könige 22, 48), der allerdings Obed(= Knecht, Landpfleger)-Edom selbst gewesen sein kann. An den oben erwähnten Bibelstellen heißt es, dass Tou von Hamath seinen Sohn Joram bzw. Hadoram zu David gesandt habe. Da Ai-Tou-gama zuversichtlich keinen Sohn mit einem solchen Namen gehabt haben kann, so besteht die Möglichkeit, dass es sich bei diesem im Jahre 628 ndFl geborenen jungen Mann um den Sohn des Josaphat handelt, der später von Edom aus unter dem Namen Aiarammu Tribut an die Assyrer zahlt. Diesen Joram kann das AT noch nicht in der Zeit Davids (I) erwähnen, deshalb musste er zum Sohn des Tou von Hamath gemacht werden. Das Jahr darauf stellt alles wieder in Frage: Weder ist das neue Reich Israel noch eine dauerhafte hethitische Suprematie in Amurru-Kanaan hergestellt: Im Jahre 653 ndFl besiegt Adad-narari den Kassiten-/Hethiterkönig Kurigalzu-Mursilis-Tudhaliyas: Es beginnt die assyrische Oberherrschaft über Amurru-Kanaan. Möglicherweise waren die David- Söhne von den Hethitern enttäuscht, von denen sie sich die Unterstützung zur Wiedererrichtung des Reiches Israel erhofft hatten. Möglicherweise war das der Grund dafür, dass David (auch hier ist nicht Ahas zu lesen wie in 2. Könige 15 und 16; Jesaja 7, 1-9) Tiglath-Pileser zu Hilfe rief gegen Rezin und Pekach. Es ist aber auch möglich, dass die Aktion des Rezin, der die Juden aus Elath vertrieb und diese wichtige Hafenstadt an der Nordspitze des Golfes von Akaba (älanitischer Meerbusen) an Syrien brachte und Syrer hier ansiedelte, zu dem Hilferuf an Assyrien geführt hat. Angeblich wollte Ahas-ja von Israel mit den Schiffen, die Josaphat = Obed-Edom in Ezjon-Geber = Elath in Edom hatte bauen lassen, nach Ophir segeln, was Josaphat jedoch ablehnte. Eigenartigerweise wurden diese Schiffe durch nicht erklärte Weise zerstört (1. Kön. 22, 49.50; 2. Chron. 20, 35ss). Es liegt nun sehr nahe, auch diese Begebenheiten mit David statt mit Ahasja und andererseits mit der Eroberung Elaths durch Rezin in Verbindung zu bringen. Verwirrend ist im AT die Angabe, dass die Aktion des Rezin gegen Juda zu den Zeiten Jothams geschehen sei (2. Könige 15, 37), des angeblichen Vaters von Ahas und Sohnes von Usia. Meines Erachtens wird hier der Umweg über den längst vergessenen Jotham = Abdi-Aschirta gemacht, da der wirkliche Hilferufer David-Teuwatti, der seit dem Vorjahr in Jerusalem sitzt, nicht genannt werden kann. Tiglath-Pileser tötet Rezin und setzt Benhadad als König in Damaskus ein. Die Damaszener werden nach Kir fortgeführt. Hierüber wird noch an anderer Stelle abzuhandeln sein. War das die erhoffte Lösung? Doch wohl kaum. Die Interessen der Assyrer waren offensichtlich andere als die der Benjaminiter. Im Jahr darauf (654 ndFl) fand die Karkarschlacht statt; Salmanassar besiegte Ahab-Pekach von Jesreel, Benhadad von Damaskus und Ba-Asa von Ammon. Ein großer Sieg war das mit Sicherheit nicht. Irgendeiner von den Beteiligten muss auch noch die Ägypter herbeigeholt haben, die sich mit einem lächerlich kleinen Kontingent von 1000 Mann an der Schlacht beteiligten. Das Interesse Ägyptens an Amurru-Kanaan war für einige Jahre erlahmt. Weitere Gegner Salmanassars in der Karkarschlacht waren Irchuleni (= Enil?) von Hamath, dem auch die Städte Adennu, Barga, Argana und Karkar gehörten, Matinu-ba'lu von Arwad, Adunu-ba'lu aus Sian und Gindibu' aus Arabien7. Nach dieser Schlacht, angeblich im 52. (und letzten) Jahr Asarjas, richtiger jedoch im 31. Jahr dessen Kalenders seit 624 ndFl, kam (Pek-)Ahab auf den Thron als König von Israel. Er soll angeblich den Sohn Pekachja des Menachem in dessen Palast in Samaria getötet haben. Pekachja ist Pekach = Ahab selbst, und Menachem ist noch gar nicht aufgetreten. In Wirklichkeit folgte Ahab auf den vermutlich gegen die Assyrer gefallenen Irchuleni, dessen Name mir im AT bisher noch in keiner Form aufgefallen ist. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass sich dieser Herrscher, dessen Sitz die alte Hauptstadt Kadesch im Lande Hamath gewesen sein dürfte, unter irgendeinem Namen im AT verborgen hält. Ahab behält seine Redidenz in Jesreel, da Simri noch weiterhin in Samaria wohnen bleibt.
Bei der Betrachtung der ersten Könige von Juda und Israel, die nach David I auf den Thron kamen, fällt auf, dass die direkten Nachfahren Davids I etwas zu kurz kommen. In dem nachstehenden Schaubild sind diejenigen Throninhaber, die das Blut Davids I in ihren Adern haben, in fetten Buchstaben hervorgehoben. Auffallend stark sind die Nachfahren des "Hethiters" Phalti-Simson mit Michal vertreten (siehe die nächstfolgende Stammtafel), während David I mit dieser Frau nur einen einzigen Thronfolger hervorbrachte, über dessen Tochter-Linie es später weiterging: Abisalom.
Selbst in den Adern der Edomiter fließt das Blut Davids I nur durch seine (und der Abigail?) Tochter Seira-Zeruja, die Mutter des Jerobeam:
Ebenfalls unterrepräsentiert war die Linie David-Abigail auf den Thronen von Juda und Israel. Erst mit Sacharja = Aschchur-Schacharaim und Hiskia, dessen Enkel über seine Tochter Abi, kommen Abkömlinge der Abigail auf den Thron von Israel bzw. Juda:
Es dominieren in den letzten Jahren vor dem zweiten Exil eindeutig die Nachfahren der Prophetin Hulda, und zwar nicht nur die ihres Liebhabers Jesaja, sondern auch die ihres Gemahls Tikwa-Thekoa. Die Darstellung der Chronik der Könige im Alten Testament, die ganz auf David (I) ausgerichtet ist, erweist sich als zweckdienlich im Sinne der neuen Ideologie vom Priesterkönigtum. In der letzten Übersicht sind auch Könige aufgeführt, die erst in einem späteren Kapitel besprochen werden sollen. Dieses Kapitel endet in dem Jahr, in welchem Tudhaliyas und Adad-narari ermordet werden und Assur-Uballit auf den Thron des Großkönigs steigt. Die folgenden drei Jahre sind für Israel und Juda unspektakulär. Die Rollen sind erst einmal verteilt, und die große Politik geht ihren Weg an den kleinen Fürstentümern vorbei. Erst das Jahr 659 ndFl bringt mit dem Regierungsantritt des Großkönigs Sanherib-Assurbanipal auch wieder Bewegung in die AT-Geschichte. Darüber wird jedoch erst im nächsten Kapitel der Königs-Chronik abgehandelt.
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