Altes Testament
Die Geschichtsbücher:
Die poetischen Bücher:
Die prophetischen Bücher:
Neues Testament
Die Evangelien:
Die Briefe des Paulus:
Andere Briefe:
Prophetisches Buch:

Die Bibel: Evangelium des Lukas

Das 1. Kapitel

1. Nachdem schon viele es unternommen haben, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind,

2. wie uns das überliefert haben, die es von Anfang selbst gesehen und Diener des Worts gewesen sind:

3. habe ich's auch für gut angesehen, nachdem ich's alles von Anbeginn erkundet habe, dass ich's dir, mein guter Theophilus, in guter Ordnung schriebe,

4. auf dass du erfahrest den sicheren Grund der Lehre, in welcher du unterrichtet bist.

5. Zu der Zeit Herodes, des Königs Judäas, war ein Priester von der Ordnung Abia mit Namen Zacharias und sein Weib von den Töchtern Aarons, welche hieß Elisabeth.

6. Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und gingen in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.

7. Und sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar; und waren beide wohl betagt.

8. Und es begab sich, da er Priesteramts pflegte vor Gott zur Zeit seiner Ordnung

9. nach Gewohnheit des Priestertums, und an ihm war, dass er räuchern sollte, ging er in den Tempel des Herrn.

10. Und die ganze Menge des Volks war draußen und betete unter der Stunde des Räucherns.

11. Es erschien ihm aber der Engel des Herrn und stand zur rechten Hand am Räuchaltar.

12. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam ihn eine Furcht an.

13. Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias; denn dein Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen.

14. Und du wirst des Freude und Wonne haben, und viele werden sich seiner Geburt freuen.

15. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und stark Getränk wird er nicht trinken und er wird noch im Mutterleibe erfüllt werden mit Heiligen Geist.

16. Und er wird der Kinder von Israel viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren.

17. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungläubigen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein bereit Volk.

18. Und Zacharias sprach zu dem Engel: Wobei soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist betagt.

19. Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden, dass ich dir solches verkündigte.

20. Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird, darum dass du meinen Worten nicht geglaubt hast, welche sollen erfüllt werden zu ihrer Zeit.

21. Und das Volk wartete auf Zacharias und verwunderte sich, dass er so lange im Tempel verzog.

22. Und da er herausging, konnte er nicht mit ihnen reden. Und sie merkten, dass er ein Gesicht gesehen hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm.

23. Und es begab. sich, da die Zeit seines Amtes aus war, ging er heim in sein Haus.

24. Und nach den Tagen wurde sein Weib Elisabeth schwanger und verbarg sich fünf Monate und sprach:

25. Also hat mir der Herr getan in den Tagen, da er mich angesehen hat, dass er meine Schmach unter den Menschen von mir nähme.

26. Und im sechsten Mond wurde der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,

27. zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen Joseph vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.

28. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßt seist du, Holdselige! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern.

29. Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das?

30. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; du hast Gnade bei Gott gefunden.

31. Siehe; du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen.

32. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben.

33. Und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein.

34. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß?

35. Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.

36. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundete, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und geht jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, dass sie unfruchtbar sei.

37. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

38. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

39. Maria aber stand auf in den Tagen und ging auf das Gebirge eilends zu der Stadt Juda

40. und kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth.

41. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde des Heiligen Geistes voll

42. und rief laut und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

43. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44. Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe.

45. Und o selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

46. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,

47. und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.

48. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

49. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist.

50. Und seine Barmherzigkeit währt immer für und für bei denen, die ihn fürchten.

51. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

52. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen.

53. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer.

54. Er denkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,

55. wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich.

56. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monate; danach kehrte sie wiederum heim.

57. Und. Elisabeth kam ihre Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.

58. Und ihre Nachbarn und Gefreundeten hörten, dass dar Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.

59. Und es begab sich, am achten Tage kamen sie, zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater Zacharias.

60. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mitnichten, sondern er soll Johannes heißen!

61. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße.

62. Und sie winkten seinem Vater wie er ihn wollte heißen lassen.

63. Und er forderte ein Täfelein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle.

64. Und alsbald wurde sein Mund und seine Zunge aufgetan, und redete und lobte Gott.

65. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn und diese Geschichte wurde ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge.

66. Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

67. Und sein Vater Zacharias wurde des Heiligen Geistes voll, weissagte und sprach:

68. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels; denn er hat besucht und erlöst sein Volk;

69. und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David.

70. Als er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten:

71. dass er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen,

72. und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund

73. und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,

74. dass wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang

75. in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist.

76. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, dass du seinen Weg bereitest

77. und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden,

78. durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe,

79. auf dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

80. Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist und war in der Wüste, bis dass er sollte hervortreten vor das Volk Israel.

Das 2. Kapitel

1. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.

3. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein. jeglicher in seine Stadt.

4. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war,

5. auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.

6. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

8. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9. und siehe des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr.

10. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11. denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

13. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

15. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

16. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen.

17. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war.

18. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.

19. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

20. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

21. Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde, da wurde sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen wurde.

22. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz. Moses kamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, dass sie ihn darstelleten dem Herrn

23. (wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen),

24. und dass sie gäben das Opfer, nachdem gesagt ist im Gesetz des Herrn, ein Paar Turteltauben oder zwo junge Tauben.

25. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war in ihm.

26. Und ihm war eine Antwort worden von dem Heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen.

27. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, dass sie für ihn täten, wie man pflegt nach dem Gesetz,

28. da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

29. Herr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast;

30. denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

31. welchen du bereitet hast vor allen Völkern,

32. ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel.

33. Und sein Vater und Mutter wunderten sich des, das von ihm geredet wurde.

34. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird

35. (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf dass vieler Herzen Gedanken offenbar werden.

36. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Asser; die war wohl betagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft

37. und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel, diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht:

38. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten.

39. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth.

40. Aber das Kind wuchs und wurde stark im Geist, voller Weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm.

41. Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest.

42. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit des Festes.

43. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem; und seine Eltern wußten's nicht.

44. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten.

45. Und da sie ihn nicht fanden gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn.

46. Und begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, dass er ihnen zuhörte und sie fragte.

47. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort.

48. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.

49. Und er sprach zu ihnen: Was ist's, dass ihr mich gesucht habt? Wisst ihr nicht, dass ich sein muß in dem, was meines Vaters ist?

50. Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.

51. Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.

52. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Das 3. Kapitel

1. In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa und in der Gegend Trachonitis. und Lysanias ein Vierfürst in Abilene,

2. da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste.

3. Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

4. wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesaja's, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig!

5. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll richtig werden und was uneben ist, soll schlechter Weg werden.

6. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.

7. Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch geweiset, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?

8. Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.

9. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen.

10. Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?

11. Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also.

12. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?

13. Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist.

14. Da fragten ihn auch die, Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht und lasst euch begnügen an eurem Solde.

15. Als aber das Volk im Wahn war und dachten alle in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre

16. antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, dass ich die Riemen seiner Schuhe auflöse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

17. In desselbigen Hand ist die Worfschaufel; und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen.

18. Und viel, anderes mehr vermahnte und verkündigte er dem Volk.

19. Herodes aber der Vierfürst, da er von ihm gestraft wurde um der Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles Übels willen, das Herodes tat -

20. über das alles legte er Johannes gefangen.

21. Und es begab sich, da sich alles Volk taufen ließ, und Jesus auch getauft war und betete, dass sich der Himmel auftat.

22. Und der Heilige Geist fuhr hernieder in leiblicher Gestalt auf ihn wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel, die sprach: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

23. Und Jesus ging in das dreißigste Jahr und wurde gehalten für einen Sohn Josephs, welcher war ein Sohn Elis,

24. der war ein Sohn Matthats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Jannas, der war ein Sohn Josephs,

25. der war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn Nahums, der war ein Sohn Eslis, der war ein Sohn Nanges,

26. der war ein Sohn Maaths, der war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn Semeis, der war ein Sohn Josephs, der war ein Sohn Judas,

27. der war ein Sohn Johannas, der war ein Sohn Resias, der war ein Sohn Zorobabels, der war ein Sohn Salathiels, der war ein Sohn Neris,

28. der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war ein Sohn Komas, der war ein Sohn Elmodams, der war ein Sohn Hers,

29. der war ein Sohn Joses, der war ein Sohn Eliezers, der war ein Sohn Jorems, der war ein Sohn Matthas, der war ein Sohn Levis,

30. der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war ein Sohn Josephs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn Eliakims,

31. der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Menams der war ein Sohn Mattathans, der war ein Sohn Nathans, der war ein Sohn Davids,

32. der war ein Sohn Jesses der war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn Salmons, der war ein Sohn Nahassons,

33. der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Arams, der war ein Sohn Esroms, der war ein Sohn des Phares, der war ein Sohn Judas,

34. der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war ein. Sohn Abrahams, der war ein Sohn Tharas, der war ein Sohn Nahors,

35. der war ein Sohn Saruchs, der war ein Sohn Ragahus, der war ein Sohn Phalegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Salas,

36. (der war ein Sohn Kainans,) der war ein Sohn Arphachsads, der war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs,

37. der war ein Sohn Mathusalahs, der war ein Sohn Enochs, der war ein Sohn Jareds, der war ein Sohn Maleleels, der war ein Sohn Kainans,

38. der war ein Sohn des Enos, der ein Sohn Seths, der war ein Sohn Adams, der war Gottes.

Das 4. Kapitel

1. Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam wieder von dem Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt

2. und wurde vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in denselbigen Tagen. Und da dieselbigen ein Ende hatten, hungerte ihn danach.

3. Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu dem Stein, dass er Brot werde.

4. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht allein vom Brot, sondern von einem jeglichen Wort Gottes.

5. Und der Teufel führte ihn auf einen hohen Berg und weisete ihm alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick

6. und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, welchem ich will.

7. So du nun mich willst anbeten, so soll es alles dein sein.

8. Jesus antwortete ihm und sprach: Heb' dich weg von mir, Satan! Es steht geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen.

9. Und er führte ihn gen Jerusalem und stellete ihn auf des Tempels Zinne und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich von hinnen hinunter;

10. denn es steht geschrieben: Er wird befehlen seinen Engeln von dir, dass sie dich bewahren

11. und auf den Händen tragen, auf dass du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest.

12. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.

13. Und da der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.

14. Und Jesus kam wieder in des Geistes Kraft nach Galiläa; und das Gerücht erscholl von ihm durch alle umliegenden Orte.

15. Und er lehrte in ihren Schulen und wurde von jedermann gepriesen.

16. Und er kam gen Nazareth, da er erzogen war, und ging in die Schule nach seiner Gewohnheit am Sabbattage und stand auf und wollte lesen.

17. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und da er das Buch herumwarf, fand er den Ort, da geschrieben steht:

18. Der Geist des Herrn ist bei mir, derhalben er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,

19. und zu predigen das angenehme Jahr des Herrn.

20. Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn.

21. Und er fing an, zu sagen zu ihnen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren.

22. Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich der holdseligen Worte, die aus seinem Munde gingen, und sprachen: Ist das nicht Josephs Sohn?

23. Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet freilich zu mir sagen dies Sprichwort: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört zu Kapernaum geschehen? Tue auch also hier in deinem Vaterlande!

24. Er aber sprach: Wahrlich, ich sage euch, kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande.

25. Aber in der Wahrheit sage ich euch: Es waren viel Witwen in Israel zu Elias Zeiten, da der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate, da eine große Teurung war im ganzen Lande;

26. und zu der keiner wurde Elia gesandt denn allein gen Sarepta der Sidonier, zu einer Witwe.

27. Und viel Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten; und der keiner wurde gereinigt denn allein Naeman aus Syrien.

28. Und sie wurden voll Zorns alle, die in der Schule waren, da sie das hörten,

29. und standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn auf einen Hügel des Berges, darauf ihre Stadt gebaut war, dass sie ihn hinabstürzeten.

30. Aber er ging mitten durch sie hinweg.

31. Und kam gen Kapernaum, in die Stadt Galiläas, und lehrte sie an den Sabbaten.

32. Und sie verwunderten sich seiner Lehre; denn seine Rede war gewaltig.

33. Und es war ein Mensch in der Schule, besessen mit einem unsaubern Teufel. Und der schrie laut

34. und sprach: Halt, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Du bist kommen, uns zu verderben. Ich weiß, wer du bist, nämlich der Heilige Gottes.

35. Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der Teufel warf ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat ihm keinen Schaden.

36. Und es kam eine Furcht über sie alle, und redeten miteinander und sprachen: Was ist das für ein Ding? Er gebeut mit Macht und Gewalt den unsaubern Geistern, und sie fahren aus.

37. Und es erscholl sein Geschrei in alle Örter des umliegenden Landes.

38. Und er stand auf aus der Schule und kam in Simons Haus. Und Simons Schwieger war mit einem harten Fieber behaftet; und sie baten ihn für sie.

39. Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber, und es verließ sie. Und bald stand sie auf und diente ihnen.

40. Und da die Sonne untergegangen war, alle die, so Kranke hatten mit mancherlei Seuchen, brachten sie zu ihm. Und er legte auf einen jeglichen die Hände und machte sie gesund.

41. Es fuhren auch die Teufel aus von vielen, schrieen und sprachen: Du bist Christus, der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie wußten, dass er Christus war.

42. Da es aber Tag wurde, ging er hinaus an eine wüste Stätte; und das Volk suchte ihn, und kamen zu ihm und hielten ihn auf, dass er nicht von ihnen ginge.

43. Er aber sprach. zu ihnen: Ich muß auch andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt.

44. Und er predigte in den Schulen Galiläas.

Das 5. Kapitel

1. Es begab, sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth

2. und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze;

3. trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat ihn, dass er's ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff.

4. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werft eure Netze aus, dass ihr einen Zug tut.

5. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen.

6. Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge Fische; und ihr Netz zerriss.

7. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, dass sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also dass sie sanken.

8. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus; ich bin ein sündiger Mensch.

9. Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten;

10. desselbigengleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen.

11. Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach.

12. Und es begab sich, da er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voll Aussatzes. Da der Jesum sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen.

13. Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach: Ich will's tun; sei gereinigt! Und alsbald ging der Aussatz von ihm.

14. Und er gebot ihm dass, er's niemand sagen sollte; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

15. Es kam aber die Sage von ihm je weiter aus; und kam viel Volks zusammen, dass sie hörten und durch ihn gesund würden von ihren Krankheiten.

16. Er aber entwich in die Wüste und betete.

17. Und es begab, sich auf einen Tag, dass er lehrte, und saßen da die Pharisäer und Schriftgelehrten, die da kommen waren aus allen Märkten in Galiläa und Judäa und von Jerusalem. Und die Kraft des Herrn ging von ihm und half jedermann.

18. Und siehe, etliche Männer brachten einen Menschen auf einem Bette, der war gichtbrüchig; und sie suchten, wie sie ihn hineinbrächten und vor ihn legten.

19. Und da sie vor dem Volk nicht fanden, an welchem Ort sie ihn hineinbrächten, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hernieder mit dem Bettlein, mitten unter sie, vor Jesus.

20. Und da er ihren Glauben sah, sprach er zu ihm: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.

21. Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu denken und sprachen: Wer ist der, dass er Gotteslästerung redet? Wer kann Sünden vergeben denn allein Gott?

22. Da aber Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete er und sprach zu ihnen: Was denkt ihr in euren Herzen?

23. Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben? oder zu sagen: Stehe auf und wandle?

24. Auf dass ihr aber wisst, dass des Menschen Sohn Macht hat auf Erden Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Ich sage dir, stehe auf und hebe dein Bettlein auf; und gehe heim.

25. Und alsbald stand er auf vor ihren Augen und hub das Bettlein auf, darauf er gelegen war, und ging heim und pries Gott.

26. Und sie entsetzten sich alle und priesen Gott und wurden voll Furcht und sprachen: Wir haben heute seltsame Dinge gesehen.

27. Und danach ging er aus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!

28. Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.

29. Und Levi richtete ihm ein groß Mahl zu in seinem Hause; und viel Zöllner und andere saßen mit ihm zu Tisch.

30. Und die Schriftgelehrten und Pharisäer murrten wider seine Jünger und sprachen: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?

31. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

32. Ich bin kommen, zu rufen die Sünder zur Buße und nicht die Gerechten.

33. Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten Johannes Jünger so oft und beten so viel, desselbigengleichen der Pharisäer Jünger, aber deine Jünger essen und trinken?

34. Er sprach aber zu ihnen: Ihr mögt die Hochzeitleute nicht zum Fasten treiben, solange der Bräutigam bei ihnen ist.

35. Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.

36. Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand flickt einen Lappen vom neuen Kleid auf ein alt Kleid; wo anders, so reißt das neue, und der Lappen vom neuen reimt sich nicht auf das alte.

37. Und niemand fasst Most in alte Schläuche; wo anders, so zerreißt der Most die Schläuche und wird verschüttet, und die Schläuche kommen um.

38. Sondern den Most soll man in neue Schläuche fassen, so werden sie beide behalten.

39. Und niemand ist, der vom alten trinkt und wolle bald des neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.

Das 6. Kapitel

1. Und es begab sich an einem Sabbat, dass er durchs Getreide ging; und seine Jünger rauften Ähren aus und aßen und rieben sie mit den Händen.

2. Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was sich nicht ziemt zu tun an den Sabbaten?

3. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen, was David tat, da ihn hungerte, und die mit ihm waren:

4. wie er zum Hause Gottes einging und nahm die Schaubrote und aß und gab auch denen, die mit ihm waren, die doch niemand durfte essen ohne die Priester alleine?

5. Und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbats.

6. Es geschah aber auf einen andern Sabbat, dass er ging in die Schule und lehrte. Und da war ein Mensch, des rechte Hand war verdorrt.

7. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer hielten auf ihn, ob er auch heilen würde am Sabbat, auf dass sie eine Sache wider ihn fänden.

8. Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: Stehe auf und tritt hervor! Und er stand auf und trat dahin.

9. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ziemt sich zu tun an den Sabbaten, Gutes oder Böses, das Leben erhalten oder verderben?

10. Und er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen: Strecke aus deine Hand! Und er tat's. Da wurde ihm seine Hand wieder zurechtgebracht, gesund wie die andere.

11. Sie aber wurden ganz unsinnig und beredeten sich miteinander, was sie ihm tun wollten.

12. Es begab sich aber zu der Zeit, dass er ging auf einen Berg, zu beten; und er blieb über Nacht in dem Gebet zu Gott.

13. Und da es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte ihrer zwölf, welche er auch Apostel nannte:

14. Simon, welchen er Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,

15. Matthäus und Thomas, Jakobus, des Alphäus Sohn, Simon, genannt Zelotes,

16. Judas, des Jakobus Sohn, und Judas Ischariot, den Verräter.

17. Und er ging hernieder mit ihnen und trat auf einen Platz im Felde, und der Haufe seiner Jünger und eine große Menge des Volks von allem jüdischen Lande und Jerusalem und Tyrus und Sidon, am Meer gelegen,

18. die da kommen waren, ihn zu hören, und dass sie geheilt würden von ihren Seuchen, und die von unsaubern Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund.

19. Und alles Volk begehrte, ihn anzurühren, denn es ging Kraft von ihm; und heilte sie alle.

20. Und er hub seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

21. Selig seid ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weint; denn ihr werdet lachen.

22. Selig seid ihr, so euch die Menschen hassen und euch absondern und schelten euch und verwerfen euren Namen als einen boshaftigen um des Menschensohns willen.

23. Freut euch alsdann und hüpfet; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Desgleichen taten ihre Väter den Propheten auch.

24. Aber dagegen wehe euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin.

25. Wehe euch, die ihr voll seid! denn euch wird hungern. Wehe euch, die ihr hier lacht! denn ihr werdet weinen und heulen.

26. Wehe euch, wenn euch jedermann wohl redet! Desgleichen taten ihre Väter den falschen Propheten auch:

27. Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut denen wohl, die euch hassen;

28. segnet die, so euch verfluchen; bittet für die, so euch beleidigen.

29. Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock.

30. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, da fordere es nicht wieder.

31. Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr.

32. Und so ihr liebt, die euch lieben, was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber.

33. Und wenn ihr euren Wohltätern wohl tut, was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbige auch.

34. Und wenn ihr leihet, von denen ihr hofft zu nehmen, was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf dass sie Gleiches wieder nehmen.

35. Doch aber liebt eure Feinde; tut wohl und leihet, dass ihr nichts dafür hofft, so wird euer Lohn groß sein, und werdet Kinder des Allerhöchsten sein. Denn er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen.

36. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messt, wird man euch wieder messen.

39. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40. Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen.

41. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?

42. Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder! Ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler! Zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.

43. Denn es ist kein guter Baum, der faule Frucht trage, und kein fauler Baum, der gute Frucht trage.

44. Ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man liest nicht Feigen von den Dornen auch so liest man nicht Trauben von den Hecken.

45. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein boshaftiger Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz. seines Herzens. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

46. Was heißt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?

47. Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie, den will ich euch zeigen, wem er gleich ist.

48. Er ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf den Fels. Da aber Gewässer kam, da riss der Strom zum Hause zu und mochte es nicht bewegen; denn es war auf den Fels gegründet.

49. Wer aber hört und nicht tut, der ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde ohne Grund; und der Strom riss zu ihm zu, und es fiel bald, und das Haus gewann einen großen Riß.

Das 7. Kapitel

1. Nachdem er aber vor dem Volk ausgeredet hatte, ging er gen Kapernaum.

2. Und eines Hauptmanns Knecht lag todkrank, den er wert hielt.

3. Da er aber von Jesu hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn, dass er käme und seinen Knecht gesund machte.

4. Da sie aber zu Jesu kamen, baten sie ihn mit Fleiß und sprachen: Er ist es wert, dass du ihm das erzeigest;

5. denn er hat unser Volk lieb, und die Schule hat er uns erbaut.

6. Jesus aber ging mit ihnen hin. Da sie aber nun nicht ferne von dem Hause waren, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe dich nicht! Ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehest;

7. darum ich auch mich selbst nicht würdig geachtet habe, dass ich zu dir käme; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knabe gesund.

8. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir und spreche zu einem: Gehe hin! so geht er hin, und zum andern: Komm her! so kommt er, und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er's.

9. Da aber Jesus das hörte, verwunderte er sich sein und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht funden.

10. Und da die Gesandten wiederum nach Hause kamen, fanden sie den kranken Knecht gesund.

11. Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viel mit ihm und viel Volks.

12. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe. Und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr.

13. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht!

14. Und trat hinzu und rührte den Sarg an. Und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf!

15. Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter.

16. Und es kam sie alle eine Furcht an und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk heimgesucht.

17. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder.

18. Und es verkündigten Johannes seine Jünger das alles. Und er rief zu sich seiner Jünger zwei

19. und sandte sie zu Jesu und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?

20. Da aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt dir sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?

21. Zu derselbigen Stunde aber machte er viele gesund von Seuchen und Plagen und bösen Geistern und viel Blinden schenkte er das Gesicht.

22. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündigt Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf, den Armen wird das Evangelium gepredigt;

23. und selig ist, der sich nicht ärgert an mir.

24. Da aber die Boten des Johannes hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Winde bewegt wird?

25. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? Seht, die in herrlichen Kleidern und Lüsten leben, die sind in den königlichen Höfen.

26. Oder was seid ihr bin ausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der da mehr ist denn ein Prophet.

27. Er ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesicht her, der da, bereiten soll deinen Weg vor dir.

28. Denn ich sage euch, dass unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer; der aber kleiner ist im Reich Gottes, der ist größer denn er.

29. Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.

30. Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten Gottes Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen.

31. Aber der Herr sprach: Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich?

32. Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen gegeneinander und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzet; wir haben euch geklagt, und ihr habt nicht geweint.

33. Denn Johannes der Täufer ist kommen und aß nicht Brot und trank keinen Wein, so sagt ihr: Er hat den Teufel.

34. Des Menschen Sohn ist kommen, isst und trinkt, so sagt ihr: Siehe, der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und Sünder Freund.

35. Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von allen ihren Kindern.

36. Es bat ihn aber der Pharisäer einer, dass er mit ihm äße: Und er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Tische.

37. Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, dass er zu Tische saß in des Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salben

38. und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und fing an, seine Füße zu netzen mit Tränen und mit den Haaren ihres Haupts zu trocknen; und küsste seine Füße und salbte sie mit Salben.

39. Da aber das der Pharisäer sah, der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.

40. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an!

41. Es hatte ein Wucherer zwei Schuldner. Einer war schuldig fünfhundert Groschen, der andere fünfzig.

42. Da sie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte er's beiden. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben?

43. Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet.

44. Und er wandte sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: Siehest du dies Weib? Ich bin kommen in dein Haus, du hast mit nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit den Haaren ihres Haupts getrocknet.

45. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem sie hereinkommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen.

46. Du hast mein Haupt nicht mit Öle gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salben gesalbt.

47. Derhalben sage ich dir: Ihr sind viel Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt. Welchem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.

48. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.

49. Da fingen an, die mit ihm zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt?

50. Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden!

Das 8. Kapitel

1. Und es begab sich danach, dass er reisete durch Städte und Märkte und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes, und die Zwölfe mit ihm,

2. dazu etliche Weiber, die er gesund hatte gemacht von den bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, die da Magdalena heißt, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren,

3. und Johanna, das Weib Chusas, des Pflegers des Herodes, und Susanna und viel andere, die ihm Handreichung taten von ihrer Habe.

4. Da nun viel Volks beieinander war und aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:

5. Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säte, fiel etliches an den Weg und wurde vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.

6. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum dass es nicht Saft hatte.

7. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

8. Und etliches fiel auf ein gut Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

9. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichnis wäre.

10. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reichs Gottes; den andern aber in Gleichnissen, dass sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören.

11. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.

12. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf dass sie nicht glauben und selig werden.

13. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Und die haben nicht Wurzel: eine Zeitlang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.

14. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht.

15. Das aber auf dem guten Lande sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

16. Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder setzt es unter eine Bank, sondern er setzt es auf einen Leuchter, auf dass wer hineingeht, das Licht sehe.

17. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, was nicht kund werde und an den Tag komme.

18. So seht nun darauf, wie ihr zuhört! Denn wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, von dem wird genommen, auch was er meint zu haben.

19. Es gingen aber hinzu seine Mutter und Brüder und konnten vor dem Volk nicht zu ihm kommen.

20. Und es wurde ihm angesagt: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen.

21. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.

22. Und es begab sich auf der Tage einen, dass er in ein Schiff trat samt seinen Jüngern. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns über den See fahren! Sie stießen vom Lande.

23. Und da sie schiffeten, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel auf den See; und die Wellen überfielen sie, und standen in großer Gefahr.

24. Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir verderben! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Woge des Wassers; und es ließ ab und wurde eine Stille.

25. Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser? Denn er gebeut dem Wind und dem Wasser, und sie sind ihm gehorsam.

26. Und sie schifften fort in die Gegend der Gadarener, welche ist Galiläa gegenüber.

27. Und als er austrat auf das Land, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der hatte Teufel von langer Zeit her und tat keine Kleider an und blieb in keinem Hause, sondern in den Gräbern.

28. Da er aber Jesum sah, schrie er und fiel vor ihm nieder und rief laut und sprach: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich bitte dich, du wollest mich nicht quälen.

29. Denn er gebot dem unsaubern Geist, dass er von dem Menschen ausführe; denn er hatte ihn lange Zeit geplaget. Und er war mit Ketten gebunden und mit Fesseln gefangen; und zerriss die Bande und wurde getrieben von dem Teufel in die Wüsten.

30. Und Jesus fragte ihn und sprach: Wie heißest du? Er sprach: Legion. Denn es waren viel Teufel in ihn gefahren.

31. Und sie baten ihn, dass er sie nicht hieße in die Tiefe fahren.

32. Es war aber daselbst eine große Herde Säue auf der Weide auf dem Berge. Und sie baten ihn, dass er ihnen erlaubete, in dieselbigen zu fahren. Und er erlaubte ihnen.

33. Da fuhren die Teufel aus von dem Menschen und fuhren in die Säue. Und die Herde stürzte sich mit einem Sturm in den See und ersoffen.

34. Da aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und verkündigten's in der Stadt und in den Dörfern.

35. Da gingen sie hinaus, zu sehen, was da geschehen war; und kamen zu Jesu und fanden den Menschen, von welchem die Teufel ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig; und erschraken.

36. Und die es gesehen hatten, verkündigten's ihnen, wie der Besessene war gesund worden.

37. Und es bat ihn die ganze Menge der umliegenden Länder der Gadarener, dass er von ihnen ginge. Denn es war sie eine große Furcht ankommen. Und er trat in das Schiff und wandte wieder um.

38. Es bat ihn aber der Mann, von dem die Teufel ausgefahren waren, dass er bei ihm möchte sein. Aber Jesus ließ ihn von sich und sprach:

39. Gehe wieder heim und sage, wie große Dinge dir Gott getan hat. Und er ging hin und predigte durch die ganze Stadt, wie große Dinge ihm Jesus getan hatte.

40. Und es begab sich, da Jesus wiederkam, nahm ihn das Volk auf; denn sie warteten alle auf ihn.

41. Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jairus, der ein Oberster der Schule war, und fiel Jesu zu den Füßen und bat ihn, dass er wollte in sein Haus kommen:

42. Denn er hatte eine einige Tochter bei zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen. Und da er hinging, drang ihn das Volk.

43. Und ein Weib hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt; die hatte alle ihre Nahrung an die Ärzte gewandt und konnte von niemand geheilt werden.

44. Die trat hinzu von hinten und rührte seines Kleides Saum an; und alsbald stand ihr der Blutgang.

45. Und Jesus sprach: Wer hat mich angerührt? Da sie aber alle leugneten, sprach Petrus, und die mit ihm waren: Meister, das Volk drängt und drückt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?

46. Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich fühle, dass eine Kraft von mir gegangen ist.

47. Da aber das Weib sah, dass es nicht verborgen war, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündigte vor allem Volk, aus was Ursach'sie ihn hätte angerührt, und wie sie wäre alsbald gesund worden.

48. Er aber sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden!

49. Da er noch redete, kam einer vom Gesinde des Obersten der Schule und sprach zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht.

50. Da aber Jesus das hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht! Glaube nur, so wird sie gesund.

51. Da er aber in das Haus kam, ließ er niemand hineingehen denn Petrus und Jakobus und Johannes und des Kindes Vater und Mutter.

52. Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.

53. Und sie verlachten ihn, wußten wohl, dass sie gestorben war.

54. Er aber trieb sie alle hinaus, nahm sie bei der Hand und rief und sprach: Kind, stehe auf!

55. Und ihr Geist kam wieder, und sie stand alsbald auf. Und er befahl, man sollte ihr zu essen geben.

56. Und ihre Eltern entsetzten sich. Er aber gebot ihnen, dass sie niemand sagten, was geschehen war.

Das 9. Kapitel

1. Er forderte aber die Zwölfe zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle Teufel und dass sie Seuchen heilen konnten.

2. Und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken.

3. Und sprach zu ihnen: Ihr sollt nichts mit euch nehmen auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Röcke haben.

4. Und wo ihr in ein Haus geht, da bleibt, bis ihr von dannen zieht.

5. Und welche euch nicht aufnehmen, da geht aus von derselben Stadt und schüttelt auch den Staub ab von euren Füßen zu einem Zeugnis über sie.

6. Und sie gingen hinaus und durchzogen die Märkte, predigten das Evangelium und machten gesund an allen Enden.

7. Es kam aber vor Herodes, den Vierfürsten, alles, was durch ihn geschah; und er besorgte sich, dieweil von etlichen gesagt wurde: Johannes ist von den Toten auferstanden;

8. von etlichen aber: Elia ist erschienen; von etlichen aber: Es ist der alten Propheten einer auferstanden.

9. Und Herodes sprach: Johannes, den habe ich enthauptet; wer ist aber dieser, von dem ich solches höre? Und begehrte, ihn zu sehen.

10. Und die Apostel kamen wieder und erzählten ihm, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und entwich besonders in eine Wüste bei der Stadt, die da heißt Bethsaida.

11. Da des das Volk inne wurde, zog es ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sagte ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die es bedurften. Aber der Tag fing an sich zu neigen.

12. Da traten zu ihm die Zwölfe und sprachen zu ihm: Laß das Volk von dir, dass sie hingehen in die Märkte umher und in die Dörfer, dass sie Herberge und Speise finden; denn wir sind hier in der Wüste.

13. Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr denn fünf Brote und zwei Fische; es sei denn, dass wir hingehen sollen und Speise kaufen für so groß Volk.

14. (Denn es waren bei fünftausend Mann.) Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen bei Schichten, je fünfzig und fünfzig.

15. Und sie taten also und setzten sich alle.

16. Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gen Himmel und dankete darüber, brach sie und gab sie den Jüngern, dass sie dem Volk vorlegten.

17. Und sie aßen und wurden alle satt; und wurden aufgehoben, was ihnen über blieb von Brocken, zwölf Körbe.

18. Und es begab sich, da er allein war und betete und seine Jünger bei ihm, fragte er sie und sprach: Wer sagen die Leute, dass ich sei?

19. Sie antworteten und sprachen: Sie sagen, du seist Johannes der Täufer; etliche aber, du seist Elia; etliche aber, es sei der alten Propheten einer auferstanden.

20. Er aber sprach zu ihnen: Wer sagt ihr aber, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christ Gottes.

21. Und er bedrohte sie und gebot, dass sie das niemand sagten,

22. und sprach: Denn des Menschen Sohn muß noch viel leiden und verworfen werde von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.

23. Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.

24. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten.

25. Und was Nutz hätte der Mensch, ob er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder beschädigte sich selbst?

26. Wer sich aber mein und meiner Worte schämt, des wird sich des Menschen Sohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und seines Vaters und der heiligen Engel.

27. Ich sage euch aber wahrlich, dass etliche sind von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis dass sie das Reich Gottes sehen.

28. Und es begab sich nach diesen Reden bei acht Tagen, dass er zu sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, zu beten.

29. Und da er betete, wurde die Gestalt seines Angesichts anders, und sein Kleid wurde weiß und glänzete.

30. Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, welche waren Mose und Elia.

31. Die erschienen in Klarheit und redeten von dem Ausgang, welchen er sollte erfüllen zu Jerusalem.

32. Petrus aber, und die mit ihm waren, waren voll Schlafs. Da sie aber aufwachten, sahen sie seine Klarheit und die zwei Männer bei ihm stehen.

33. Und es begab sich, da die von ihm wichen; sprach Petrus zu Jesu: Meister, hier ist gut sein; lasst uns drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Und wußte nicht, was er redete.

34. Da er aber solches redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Und sie erschraken, da sie die Wolke überzog.

35. Und es fiel eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören.

36. Und indem solche Stimme geschah, fanden sie Jesum alleine. Und sie verschwiegen und verkündigten niemand nichts in denselbigen Tagen, was sie gesehen hatten.

37. Es begab sich aber den Tag hernach, da sie von dem Berge kamen, kam ihnen entgegen viel Volks.

38. Und siehe, ein Mann unter dem Volk rief und sprach: Meister, ich bitte dich, besiehe doch meinen Sohn; denn er ist mein einiger Sohn.

39. Siehe, der Geist ergreift ihn, so schreit er alsbald; und reißt ihn, dass er schäumt; und mit Not weicht er von ihm, wenn er ihn gerissen hat.

40. Und ich habe deine Jünger gebeten, dass sie ihn austrieben, und sie konnten nicht.

41. Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubige und verkehrte Art! Wie lange soll ich bei euch sein und euch dulden? Bringe deinen Sohn her.

42. Und da er zu ihm kam, riss ihn der Teufel und zerrete ihn. Jesus aber bedrohte den unsaubern Geist und machte den Knaben gesund und gab ihn seinem Vater wieder.

43. Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes. Da sie sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach er zu seinen Jüngern:

44. Fasst ihr zu euren Ohren diese Reden! Denn des Menschen Sohn muß überantwortet werden in der Menschen Hände.

45. Aber das Wort vernahmen sie nicht, und es war vor ihnen verborgen, dass sie es nicht begriffen; und sie fürchteten sich, ihn zu fragen um dasselbige Wort.

46. Es kam auch ein Gedanke unter sie, welcher unter ihnen der Größte wäre.

47. Da aber Jesus den Gedanken ihres Herzens sah, ergriff er ein Kind und stellete es neben sich

48. und sprach zu ihnen: Wer das Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Welcher aber der Kleinste ist unter euch allen, der wird groß sein.

49. Da antwortete Johannes und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb die Teufel aus in deinem Namen, und wir wehrten ihm; denn er folgt dir nicht mit uns.

50. Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht; denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns.

51. Es begab sich aber, da die Zeit erfüllt war, dass er sollte von hinnen genommen werden, wandte er sein Angesicht, stracks gen Jerusalem zu wandeln.

52. Und er sandte Boten vor sich hin; die gingen hin und kamen in einen Markt der Samariter, dass sie ihm Herberge bestellten.

53. Und sie nahmen ihn nicht an, darum dass er sein Angesicht gewendet hatte, zu wandeln gen Jerusalem.

54. Da aber das seine Jünger, Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elia tat.

55. Jesus aber wandte sich und bedrohte sie und sprach: Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?

56. Des Menschen Sohn ist nicht kommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten.

57. Und sie gingen in einen andern Markt. Es begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hingehst.

58. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege.

59. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60. Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes.

61. Und ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich einen Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind.

62. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.

Das 10. Kapitel

1. Danach sonderte der Herr andere siebzig aus und sandte sie zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, da er wollte hinkommen.

2. Und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber ist wenig; bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte!

3. Geht hin! Siehe, ich sende euch als die Lämmer mitten unter die Wölfe.

4. Tragt keinen Beutel noch Tasche noch Schuhe und grüßt niemand auf der Straße.

5. Wo ihr in ein Haus kommt, da sprecht zuerst: Friede sei in diesem Hause!

6. Und so daselbst wird ein Kind des Friedens sein, so wird euer Friede auf ihm beruhen; wo aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.

7. In demselbigen Hause aber bleibt, esst und trinkt, was sie haben; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von, einem Hause zum andern gehen.

8. Und wo ihr in eine Stadt kommt, und sie euch aufnehmen, da esst, was euch wird vorgetragen,

9. und heilt die Kranken, die daselbst sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch kommen.

10. Wo ihr aber in eine Stadt kommt, da sie euch nicht aufnehmen, da geht heraus auf ihre Gassen und sprecht:

11. Auch den Staub, der sich an uns gehängt hat von eurer Stadt, schlagen wir ab auf euch; doch sollt ihr wissen, dass euch das Reich Gottes nahe gewesen ist.

12. Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage denn solcher Stadt.

13. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche gesessen und Buße getan.

14. Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am Gerichte denn euch.

15. Und du, Kapernaum, die du bis an den Himmel erhoben bist, du wirst in die Hölle hinuntergestoßen werden.

16. Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

17. Die Siebzig aber kamen wieder mit Freuden und sprachen: Herr, es sind uns auch die Teufel untertan in deinem Namen.

18. Er sprach aber zu ihnen: Ich sah wohl den Satanas vom Himmel fallen als einen Blitz.

19. Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch beschädigen.

20. Doch darin freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind, freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

21. Zu der Stunde freute sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, dass du solches verborgen hast den Weisen und Klugen und hast es offenbart den Unmündigen: Ja, Vater, also war es wohlgefällig vor dir.

22. Es ist mir alles übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn sei, denn nur der Vater, noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn, und welchem es der Sohn will offenbaren.

23. Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr seht.

24. Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben's nicht gesehen; und hören, was ihr hört, und haben's nicht gehört.

25. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

26. Er aber sprach zu ihm: Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?

27. Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten als dich selbst.

28. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben.

29. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster?

30. Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen.

31. Es begab sich aber ohngefähr, dass ein Priester dieselbige Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber.

32. Desselbigengleichen auch ein Levit: da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber.

33. Ein Samariter aber reisete und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein,

34. ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß drein Öl und Wein und hub ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte sein.

35. Des andern Tages reisete er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirt und sprach zu ihm; Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36. Welcher denkst du, der unter diesen dreien der Nächste, sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?

37. Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!

38. Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus.

39. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu.

40. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen? Sage ihr doch, dass sie es auch angreife!

41. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe!

42. Eines aber ist not: Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Das 11. Kapitel

1. Und es begab sich, dass er war an einem Ort und betete. Und da er aufgehört hatte, sprach seiner Jünger einer zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.

2. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, sprecht: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

3. Gib uns unser täglich Brot immerdar.

4. Und vergib uns unsere Sünden; denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.

5. Und er sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, der einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leihe mir drei Brote;

6. denn es ist mein Freund zu mir kommen von der Straße, und ich habe nicht, was ich ihm vorlege;

7. und er drinnen würde antworten und sprechen: Mach' mir keine Unruhe; die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kindlein sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir geben.

8. Ich sage euch, und ob er nicht aufsteht und gibt ihm darum, dass er sein Freund ist, so wird er doch um seines unverschämten Geilens willen aufstehen und ihm geben, wieviel er bedarf.

9. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.

10. Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

11. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brot, der ihm einen Stein dafür biete? und so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete?

12. oder so er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion dafür biete?

13. So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

14. Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich.

15. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel.

16. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel.

17. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere.

18. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr sagt, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub.

19. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein.

20. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch.

21. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden.

22. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus.

23. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

24. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin.

25. Und wenn er kommt, so findet er's mit Besemen gekehrt und geschmücket.

26. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger denn vorhin.

27. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast.

28. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.

29. Das Volk aber drang hinzu. Da fing er an und sagte: Dies ist eine arge Art; sie begehrt ein Zeichen, und es wird ihr kein Zeichen gegeben denn nur das Zeichen des Propheten Jona.

30. Denn wie Jona ein Zeichen war den Niniviten, also wird des Menschen Sohn sein diesem Geschlechte.

31. Die Königin von Mittag wird auftreten vor dem Gerichte mit den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von der Welt Ende, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr denn Salomo.

32. Die Leute von Ninive werden auftreten vor dem Gerichte mit diesem Geschlecht und werden's verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr denn Jona.

33. Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen heimlichen Ort, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, auf dass, wer hineingeht, das Licht sehe.

34. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn nun dein Auge einfältig sein wird, so ist dein ganzer Leib licht. So aber dein Auge ein Schalk sein wird, so ist auch dein Leib finster.

35. So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei!

36. Wenn nun dein Leib ganz licht ist, dass er kein Stück von Finsternis hat, so wird er ganz licht sein und wird dich erleuchten wie ein heller Blitz.

37. Da er aber in der Rede war, bat ihn ein Pharisäer, dass er mit ihm das Mittagsmahl äße. Und er ging hinein und setzte sich zu Tische.

38. Da das der Pharisäer sah, verwunderte er sich, dass er sich nicht vor dem Essen gewaschen hätte.

39. Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig reinlich; aber euer Inwendiges ist voll Raubes und Bosheit.

40. Ihr Narren, meint ihr, dass inwendig rein sei, wenn's auswendig rein ist?

41. Doch gebt Almosen von dem, was da ist, siehe, so ist's euch alles rein.

42. Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr verzehntet die Minze und Raute und allerlei Kohl und geht vorbei an dem Gericht und an der Liebe Gottes! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

43. Wehe euch Pharisäern, dass ihr gerne obenan sitzt in den Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markte!

44. Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, dass ihr seid wie die verdeckten Totengräber, darüber die Leute laufen und kennen sie nicht!

45. Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit den Worten schmähest du uns auch.

46. Er aber sprach: Und wehe auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.

47. Wehe euch! Denn ihr baut der Propheten Gräber; eure Väter aber haben sie getötet.

48. So bezeugt ihr zwar und bewilligt

in eurer Väter Werk; denn sie töteten sie, so baut ihr ihre Gräber.

49. Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und derselbigen werden sie etliche töten und verfolgen,

50. auf dass gefordert werde von diesem Geschlecht aller Propheten Blut, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist,

51. von Abels Blut an bis auf das Blut des Zacharias, der umkam zwischen dem Altar und Tempel. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlechte.

52. Wehe euch Schriftgelehrten! denn ihr den Schlüssel der Erkenntnis habt. Ihr kommt nicht hinein und wehrt denen, die hinein wollen.

53. Da er aber solches zu ihnen sagte, fingen an die Schriftgelehrten und Pharisäer, hart auf ihn zu dringen und ihm mit mancherlei Fragen den Mund zu stopfen,

54. und lauerten auf ihn und suchten, ob sie etwas erjagen könnten aus seinem Munde, dass sie eine Sache wider ihn hätten.

Das 12. Kapitel

1. Es lief das Volk zu, und kamen etliche viel tausend zusammen, also dass sie sich untereinander traten. Da fing er an und sagte zu seinen Jüngern: Zum ersten hütet euch vor den Sauerteig der Pharisäer, welches ist die Heuchelei.

2. Es ist aber nichts verborgen, das nicht offenbar werde, noch heimlich, das man nicht wissen werde.

3. Darum, was ihr in Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; was ihr redet ins Ohr in den Kammern, das wird man auf den Dächern predigen.

4. Ich sage euch aber, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.

5. Ich will euch aber zeigen, vor welchem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, zu werfen in die Hölle. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.

6. Verkauft man nicht fünf Sperlinge um zwei Pfennige? Noch ist vor Gott derselbigen nicht einer vergessen.

7. Auch sind die Haare auf eurem Haupte alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; denn ihr seid besser denn viel Sperlinge.

8. Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch des Menschen Sohn bekennen vor den Engeln Gottes.

9. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes.

10. Und wer da redet ein Wort wider des Menschen Sohn, dem soll es vergeben werden; wer aber lästert den Heiligen Geist, dem soll es nicht vergeben werden.

11. Wenn sie euch aber führen werden in ihre Schulen und vor die Obrigkeit und vor die Gewaltigen, so sorgt nicht, wie oder was ihr antworten oder was ihr sagen sollt.

12. Denn der Heilige Geist wird euch zu derselbigen Stunde lehren, was ihr sagen sollt.

13. Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile.

14. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gesetzt?

15. Und sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Geiz! Denn niemand lebt davon, dass er viel Güter hat.

16. und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld hatte wohl getragen.

17. Und er gedachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nicht, da ich meine Früchte hinsammle.

18. Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will drein sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter.

19. Und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viel Jahre; habe nun Ruhe, iß trink und habe guten Mut!

20. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wes wird's sein, das du bereitet hast?

21. Also geht es, wer sich Schätze sammelt und ist nicht reich in Gott.

22. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt nicht für euer Leben, was ihr essen sollt; auch nicht für euren Leib, was ihr antun sollt.

23. Das Leben ist mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung.

24. Nehmt wahr der Raben: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller noch Scheune; und Gott nährt sie doch. Wieviel aber seid ihr besser denn die Vögel!

25. Welcher ist unter euch, ob er schon darum sorgt, der da könnte eine Elle lang seiner Größe zusetzen?

26. So ihr denn das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr für das andere?

27. Nehmt wahr der Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, so spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht ist bekleidet gewesen als der eine.

28. So denn das Gras, das heute auf dem Felde steht. und morgen in den Ofen geworfen wird, Gott also kleidet, wieviel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen.

29. Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und fahrt nicht hoch her!

30. Nach solchem allem trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß wohl, dass ihr des bedürfet.

31. Doch trachtet nach dem Reich Gottes, so wird euch das alles zufallen.

32. Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zugeben.

33. Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Säckel, die nicht veralten, einen Schatz, der nimmer abnimmt im Himmel, da kein Dieb zukommt, und den keine Motten fressen.

34. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

35. Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen

36. und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun.

37. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tisch setzen und vor ihnen gehen und ihnen dienen.

38. Und so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wird's also finden: selig sind diese Knechte.

39. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus brechen.

40. Darum seid ihr auch bereit! Denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr nicht meint.

41. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen?

42. Der Herr aber sprach: Wie ein groß Ding ist's um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe!

43. Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wenn er kommt.

44. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen.

45. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen,

46. so wird desselben Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.

47. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen.

48. Der es aber nicht weiß, hat doch getan was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.

49. Ich bin kommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollt' ich lieber, denn es brennete schon!

50. Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe; und wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde!

51. Meint ihr, dass ich herkommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage nein, sondern Zwietracht.

52. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein: drei wider zwei und zwei wider drei.

53. Es wird sein der Vater wider den Sohn und der Sohn wider den Vater, die Mutter wider die Tochter und die Tochter wider die Mutter, die Schwieger wider die Schnur und die Schnur wider die Schwieger.

54. Er sprach aber zu dem Volk: Wenn ihr eine Wolke seht aufgehen vom Abend, so sprecht ihr bald: Es kommt ein Regen; und es geschieht also.

55. Und wenn ihr seht den Südwind wehen, so sprecht ihr: Es wird, heiß werden; und es geschieht also.

56. Ihr Heuchler, die Gestalt der Erde und des Himmels könnt ihr prüfen, wie prüfet ihr aber diese Zeit nicht?

57. Warum richtet ihr aber nicht an euch selber, was recht ist?

58. So du aber mit deinem Widersacher vor den Fürsten gehest, so tue Fleiß auf dem Wege, dass du sein los werdest, auf dass er nicht etwa dich vor den Richter ziehe, und der Richter überantworte dich dem Stockmeister, und der Stockmeister werfe dich ins Gefängnis.

59. Ich sage dir, du wirst von dannen nicht herauskommen, bis du den allerletzten Scherf bezahlest.

Das 13. Kapitel

1. Es waren aber zu derselbigen Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm von den Galiläern, welcher Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischt hatte.

2. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, die weil sie das erlitten haben?

3. Ich sage: Nein, sondern, so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen.

4. Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen?

5. Ich sage: Nein, sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen.

6. Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge; und kam und suchte Frucht darauf und fand sie nicht.

7. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre kommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum und finde sie nicht. Haue ihn ab; was hindert er das Land?

8. Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis dass ich um ihn grabe und bedünge ihn,

9. ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn danach ab.

10. Und er lehrte in einer Schule am Sabbat.

11. Und siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der Krankheit achtzehn Jahre; und sie war krumm und konnte nicht wohl aufsehen.

12. Da sie aber Jesus sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Weib, sei los von deiner Krankheit!

13. Und legte die Hände auf sie; und alsbald richtete sie sich auf und pries Gott.

14. Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, dass Jesus auf den Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, darinnen man arbeiten soll; in denselbigen kommt und laßt euch heilen und nicht am Sabbattage.

15. Da antwortete ihm der Herr und sprach: Du Heuchler, löst nicht ein jeglicher unter euch seinen Ochsen oder Esel von der Krippe am Sabbat und führt ihn zur Tränke?

16. Sollte aber nicht gelößt werden am Sabbat diese, die doch Abrahams Tochter ist, von diesem Bande, welche Satanas gebunden hatte nun wohl achtzehn Jahre?

17. Und als er solches sagte, mußten sich schämen alle, die ihm wider gewesen waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die von ihm geschahen.

18. Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich's vergleichen?

19. Es ist einem Senfkorn gleich, welches ein Mensch nahm und warf's in seinen Garten; und es wuchs und wurde ein großer Baum, und die Vögel des Himmels wohnten unter seinen Zweigen.

20. Und abermal sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen?

21. Es ist einem Sauerteige gleich, welchen ein Weib nahm und verbarg ihn unter drei Scheffel Mehls, bis dass es gar sauer wurde.

22. Und er ging durch Städte und Märkte und lehrte und nahm seinen Weg gen Jerusalem.

23. Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen:

24. Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht; denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht tun können.

25. Von dem an, wenn der Hauswirt aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, da werdet ihr denn anfangen draußen zu stehen, und an die Tür klopfen und sagen: Herr, Herr, tu uns auf! Und er wird antworten und zu euch sagen: Ich kenne euer nicht, wo ihr her seid.

26. So werdet ihr denn anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt.

27. Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euer nicht, wo ihr her seid; weicht alle von mir, ihr Übeltäter!

28. Da wird sein Heulen und Zähneklappen, wenn ihr sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.

29. Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht. und vom Mittage, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes.

30. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein; und sind Erste, die werden die Letzten sein.

31. An demselben Tage kamen etliche Pharisäer und sprachen zu ihm: Heb' dich hinaus und gehe von hinnen; denn Herodes will dich töten.

32. Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt demselbigen Fuchs: Siehe, ich treibe Teufel aus und mache gesund heute und morgen und am dritten Tage werde ich ein Ende nehmen.

33. Doch muß ich heute und morgen und am Tage danach wandeln; denn es tut's nicht, dass ein Prophet umkomme außer Jerusalem.

34. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt werden, wie oft habe ich wollen deine Kinder versammeln wie eine Henne ihr Nest unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!

35. Seht, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich nicht sehen, bis dass es komme, dass ihr sagen werdet: Gelobt ist, der da kommt in dem Namen des Herrn!

Das 14. Kapitel

1. Und es begab sich, dass er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer auf einen Sabbat, das Brot zu essen. Und sie hielten auf ihn.

2. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm der war wassersüchtig.

3. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: Ist's auch recht, auf den Sabbat heilen?

4. Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen.

5. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbattage?

6. Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben.

7. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da, er merkte, wie sie erwählten, obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen:

8. Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht obenan, dass nicht etwa ein Ehrlicherer denn du von ihm geladen sei,

9. und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem! und du müssest dann mit Scham untenan sitzen.

10. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich untenan, auf dass, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen.

11. Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.

12. Er sprach auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein Mittags -oder Abendmahl machest, so lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Gefreundeten noch deine Nachbarn, die da reich sind, auf dass sie dich nicht etwa wieder laden, und dir vergolten werde.

13. Sondern wenn du ein Mahl machest, lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden,

14. so bist du selig; denn sie haben's dir nicht zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.

15. Da aber solches hörte einer, der mit zu Tisch saß, sprach er zu ihm: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes.

16. Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele dazu.

17. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit!

18. Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

19. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

20. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen.

21. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein.

22. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.

23. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde.

24. Ich sage euch aber, dass der Männer keiner; die geladen sind; mein Abendmahl schmecken wird.

25. Es ging aber viel Volks mit ihm. Und er wandte sich und sprach zu ihnen:

26. So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.

27. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

28. Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe hinauszuführen?

29. auf dass nicht, wo er den Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an sein zu spotten

30. und sagen: Dieser Mensch hub an zu bauen und kann's nicht hinausführen!

31. Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er könnte mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?

32. Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne ist, und bittet um Frieden.

33. Also auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.

34. Das Salz ist ein gut Ding; wo aber das Salz dumm wird, womit wird man würzen?

35. Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze, sondern man wird's wegwerfen. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Das 15. Kapitel

1. Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, dass sie ihn hörten.

2. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

3. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4. Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verloren, bis dass er's finde?

5. Und wenn er's funden hat, so legt er's auf seine Achseln mit Freuden.

6. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf funden, das verloren war.

7. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen.

8. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis dass sie ihn finde?

9. Und wenn sie ihn funden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen funden, den ich verloren hatte.

10. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

11. Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.

12. Und der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört! Und er teilte ihnen das Gut.

13. Und nicht lange danach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.

14. Da er nun all das Seine verzehrt hatte, wurde eine große Teurung durch dasselbige ganze Land, und er fing an zu darben.

15. Und ging hin und hing sich an einen Bürger desselbigen Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

16. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.

17. Da schlug er in sich und sprach: Wieviel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!

18. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir

19. und bin fort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner.

20. Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn.

21. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin fort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.

22. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Kleid hervor und tut es ihm an; und gebt ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße;

23. und bringt ein gemästetes Kalb her und schlachtet es: lasst uns essen und fröhlich sein!

24. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist funden worden. Und fingen an fröhlich zu sein.

25. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde, und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen

26. und rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre.

27. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist kommen, und dein Vater hat ein gemästetes Kalb geschlachtet, dass, er ihn gesund wieder hat.

28. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.

29. Er antwortete aber und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.

30. Nun aber dieser dein Sohn kommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet.

31. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.

32. Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist wieder funden.

Das 16. Kapitel

1. Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der wurde vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht.

2. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein.

3. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln.

4. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde; dass sie mich in ihre Häuser nehmen.

5. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?

6. Er sprach: Hundert Tonnen Öles. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig.

7. Danach sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig.

8. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klüglich getan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte.

9. Und ich sage euch auch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

10. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht.

11. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen?

12. Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?

13. Kein Hausknecht kann zweien Herren dienen; entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott samt dem Mammon dienen.

14. Das alles hörten die Pharisäer auch; die waren geizig und spotteten sein.

15. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr euch selbst rechtfertigt vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen. Denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.

16. Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes; und von der Zeit an wird das Reich Gottes durchs Evangelium gepredigt, und jedermann dringt mit Gewalt hinein.

17. Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, denn dass ein Tüttel vom Gesetz falle.

18. Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die Abgeschiedene von dem Manne freit der bricht auch die Ehe.

19. Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.

20. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voller Schwären

21. und begehrte, sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären.

22. Es begab sich aber, dass der Arme starb und wurde getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

23. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß,

24. rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, dass er das Äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme!

25. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt.

26. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, dass, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, könnten nicht und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren.

27. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus;

28. denn ich habe noch fünf Brüder, dass er ihnen bezeuge, auf dass sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

29. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; laß sie dieselbigen hören!

30. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.

31. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Toten aufstünde.

Das 17. Kapitel

1. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Ärgernisse kommen; wehe aber dem, durch welchen sie kommen!

2. Es wäre ihm nützer, dass man einen Mühlstein an seinen Hals hing und würfe ihn ins Meer, denn dass er dieser Kleinen einen ärgert.

3. Hütet euch! So dein Bruder an dir sündigt, so strafe ihn; und so er sich bessert, vergib ihm.

4. Und wenn er siebenmal des Tages an dir sündigen würde und siebenmal des Tages wieder käme zu dir und spräche: Es reut mich, so sollst du ihm vergeben.

5. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!

6. Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt als ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer, so wird er euch gehorsam sein.

7. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, wenn er heimkommt vom Felde, dass er ihm sage: Gehe bald hin und setze dich zu Tische?

8. Ist's nicht also, dass er zu ihm sagt: Richte zu, dass ich zu Abend esse; schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; danach sollst du auch essen und trinken?

9. Danket er auch demselbigen Knechte, dass er getan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht.

10. Also auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

11. Und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläa.

12. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne

13. und erhuben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser!

14. Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein.

15. Einer aber unter ihnen, da er sah, dass er gesund worden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme

16. und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter.

17. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo sind aber die Neune?

18. Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehrte und, gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling?

19. Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin! Dein Glaube hat dir geholfen.

20. Da er aber gefragt wurde von der Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden.

21. Man wird nicht sagen: Siehe hier oder da ist es! Denn seht, das Reich Gottes ist inwendig in euch.

22. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, dass ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen,

23. Und sie werden zu euch sagen: Siehe hier, siehe da! Geht nicht hin und folgt auch nicht!

24. Denn wie der Blitz oben vom Himmel blitzt und leuchtet über alles, was unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage sein.

25. Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlechte.

26. Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns:

27. sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und kam die Sintflut und brachte sie alle um.

28. Desselbigengleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten.

29. An dem Tage aber, da Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um.

30. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage; wenn des Menschen Sohn soll offenbart werden.

31. An demselbigen Tage, wer auf dem Dache ist und sein Hausrat in dem Hause, der steige nicht hernieder, dasselbige zu holen. Desselbigengleichen, wer auf dem Felde ist, der wende nicht um nach dem, das hinter ihm ist.

32. Gedenkt an des Lots Weib!

33. Wer da sucht seine Seele zu erhalten, der wird sie verlieren; und wer sie verlieren wird, der wird ihr zum Leben helfen.

34. Ich sage euch: In derselbigen Nacht werden zwei auf einem Bette liegen; einer wird angenommen, der andere wird verlassen werden.

35. Zwo werden mahlen miteinander; eine wird angenommen, die andere wird verlassen werden.

36. zwei werden auf dem Felde sein; einer wird angenommen, der andere wird verlassen werden.

37. Und sie antworteten und sprachen zu ihm: Herr, wo da? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich die Adler.

Das 18. Kapitel

1. Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und nicht laß werden sollte,

2. und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheuete sich vor keinem Menschen.

3. Es war aber eine Witwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher!

4. Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte, noch vor keinem Menschen scheue,

5. dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf dass sie nicht zuletzt komme und übertäube mich.

6. Da sprach der Herr: Hört her, was der ungerechte Richter sagt!

7. Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben?

8. Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, dass er auch werde Glauben finden auf Erden?

9. Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis:

10. Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11. Der Pharisäer stand und betete bei ich selbst also: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.

12. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe.

13. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig.

14. Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

15. Sie brachten auch junge Kindlein zu ihm dass er sie sollte anrühren. Da es aber die Jünger sahen, bedrohten sie die.

16. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.

17. Wahrlich, ich sage euch, wer nicht das Reich Gottes nimmt als ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

18. Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

19. Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott.

20. Du weißt die Gebote wohl: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

21. Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.

22. Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eins. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach.

23. Da er das hörte wurde er traurig; denn er war sehr reich.

24. Da aber Jesus sah, dass er traurig war worden, sprach er: Wie schwerlich werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!

25. Es ist leichter, dass ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.

26. Da sprachen, die das hörten: Wer kann denn selig werden?

27. Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

28. Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.

29. Er sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch es ist niemand, der ein Haus verlässt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder um des Reichs Gottes willen,

30. der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

31. Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn.

32. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmäht und bespeiten werden;

33. und sie werden ihn geißeln und töten. Und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.

34. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war.

35. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte.

36. Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre.

37. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber.

38. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!

39. Die aber vorne an gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!

40. Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihn

41. und sprach: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen möge.

42. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.

43. Und alsbald wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.

Das 19. Kapitel

1. Und er zog hinein und ging durch Jericho;

2. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich.

3. Und begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person.

4. Und er lief vorhin und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf dass er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen.

5. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, sah er auf und wurde sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend hernieder; denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren.

6. Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden.

7. Da sie das sahen, murrten sie alle, dass er bei einem Sünder einkehrte.

8. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder.

9. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist;

10. denn des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

11. Da sie nun zuhörten, sagte er weiter ein Gleichnis, darum dass er nahe bei Jerusalem war, und sie meinten, das Reich Gottes sollte alsbald offenbart werden,

12. und sprach: Ein Edler zog fern in ein Land, dass er ein Reich einnähme und dann wiederkäme.

13. Dieser forderte zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen: Handelt, bis dass ich wiederkomme.

14. Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten Botschaft nach ihm und ließen ihm sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche.

15. Und es begab sich, da er wiederkam nachdem er das Reich eingenommen hatte, hieß er dieselbigen Knechte fordern, welchen er das Geld gegeben hatte, dass er wüßte, was ein jeglicher gehandelt hätte.

16. Da trat herzu der erste und sprach: Herr dein Pfund hat zehn Pfund erworben.

17. Und er sprach zu ihm: Ei du frommer Knecht! Dieweil du bist im Geringsten treu gewesen, sollst du Macht haben über zehn Städte.

18. Der andere kam auch und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund getragen.

19. Zu dem sprach er auch: Und du sollst sein über fünf Städte.

20. Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe da, hier ist dein Pfund, welches ich habe im Schweißtuch behalten.

21. Ich fürchtete mich vor dir, denn du bist ein harter Mann; du nimmst, was du nicht gelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hart.

22. Er sprach zu ihm: Aus deinem Munde richte ich dich, du Schalk! Wußtest du, dass ich ein harter Mann bin, nehme, was ich nicht gelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe?

23. Warum hast du denn mein Geld nicht in die Wechselbank gegeben? und wenn ich kommen wäre, hätte ich's mit Wucher erfordert.

24. Und er sprach zu denen, die dabei standen: Nehmt das Pfund von ihm und gebet's dem, der zehn Pfund hat.

25. Und sie sprachen zu ihm: Herr, hat er doch zehn Pfund.

26. Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.

27. Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringt her und erwürgt sie vor mir!

28. Und als er solches sagte, zog er fort und reisete hinauf gen Jerusalem.

29. Und es begab sich, als er nahte gen Bethphage und Bethanien und kam an den Ölberg, sandte er seiner Jünger zwei

30. und sprach: Geht hin in den Markt, der gegenüberliegt; und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf welchem noch nie kein Mensch gesessen ist. Löst es ab und bringt es.

31. Und so euch jemand fragt; warum ihr's ablöst, so sagt also zu ihm: Der Herr bedarf sein.

32. Und die Gesandten gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte.

33. Da sie aber das Füllen ablösten, sprachen seine Herren zu ihnen: Warum löst ihr das Füllen ab?

34. Sie aber sprachen: Der Herr bedarf sein.

35. Und sie brachten's zu Jesu und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesum darauf.

36. Da er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg.

37. Und da er nahe hinzukam und zog den Ölberg herab, fing an der ganze Haufe seiner Jünger, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

38. und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

39. Und etliche der, Pharisäer im Volk sprachen zu ihm: Meister, strafe doch deine Jünger!

40. Er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch: Wo diese werden schweigen, so werden die Steine schreien.

41. Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie

42. und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient. Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen.

43. Denn es wird die Zeit über dich kommen, dass deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten

44. und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum dass du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist.

45. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften,

46. und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt's gemacht zur Mördergrube.

47. Und lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, dass sie ihn umbrächten,

48. und fanden nicht, wie sie ihm tun sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörte ihn.

Das 20. Kapitel

1. Und es begab sich der Tage einen, da er das Volk lehrte im Tempel und predigte das Evangelium, da traten zu ihm die Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den Ältesten

2. und sagten zu ihm und sprachen: Sage uns, aus was für Macht tust du das? oder wer hat dir die Macht gegeben?

3. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen, sagt mir's:

4. Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?

5. Sie aber gedachten bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt?

6. Sagen wir aber, von Menschen, so wird uns alles Volk steinigen, denn sie stehen darauf, dass Johannes ein Prophet sei.

7. Und sie antworteten, sie wüßten's nicht, wo sie her wäre.

8. Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus was für Macht ich das tue.

9. Er fing aber an zu sagen dem Volk dieses Gleichnis: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und tat ihn den Weingärtnern aus und zog über Land eine gute Zeit.

10. Und zu seiner Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, dass sie ihm gäben von der Frucht des Weinberges. Aber die Weingärtner schlugen ihn und ließen ihn leer von sich.

11. Und über das sandte er noch einen andern Knecht; sie aber schlugen denselbigen auch und höhneten ihn und ließen ihn leer von sich.

12. Und über das sandte er den dritten; sie aber verwundeten den auch und stießen ihn hinaus.

13. Da sprach der Herr des Weinberges: Was soll ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vielleicht, wenn sie den sehen, werden sie sich scheuen.

14. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, dass das Erbe unser sei!

15. Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinberges denselbigen tun?

16. Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen Weinberg andern austun. Da sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!

17. Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, das geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein worden?

18. Welcher auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf welchen aber er fällt den wird er zermalmen.

19. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie die Hände an ihn legten zu derselbigen Stunde, und fürchteten sich vor dem Volk; denn sie vernahmen, dass er auf sie dieses Gleichnis gesagt hatte.

20. Und sie hielten auf ihn und sandten Laurer aus, die sich stellen sollten, als wären sie fromm, auf dass sie ihn in der Rede fingen, damit sie ihn überantworten könnten der Obrigkeit und Gewalt des Landpflegers.

21. Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du aufrichtig redest und lehrst und achtest keines Menschen Ansehen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht.

22. Ist's recht, dass wir dem Kaiser den Schoß geben oder nicht?

23. Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich?

24. Zeigt mir den Groschen; wes Bild und Überschrift hat er? Sie antworteten und sprachen: Des Kaisers.

25. Er aber sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

26. Und sie konnten sein Wort nicht tadeln vor dem Volk und verwunderten sich seiner Antwort und schwiegen stille.

27. Da traten zu ihm etliche der Sadduzäer, welche da halten, es sei kein Auferstehen, und fragten ihn

28. und sprachen: Meister, Mose hat uns geschrieben: So jemands Bruder stirbt, der ein Weib hat, und stirbt erblos, so soll sein Bruder das Weib nehmen und seinem Bruder einen Samen erwecken.

29. Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm ein Weib und starb erblos.

30. Und der andere nahm das Weib und starb auch erblos.

31. Und der dritte nahm sie. Desselbigengleichen alle sieben und ließen keine Kinder und starben.

32. Zuletzt nach allen starb auch das Weib.

33. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter denen? Denn alle sieben haben sie zum Weibe gehabt.

34. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien;

35. welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich freien lassen.

36. Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung.

37. Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Mose gedeutet bei dem Busch, da er den Herrn heißt Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs.

38. Gott aber ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott; denn sie leben ihm alle.

39. Da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast recht gesagt.

40. Und sie durften ihn fürder nichts mehr fragen.

41. Er sprach aber zu ihnen: Wie sagen sie, Christus sei Davids Sohn?

42. Und er selbst, David, spricht im Psalmbuch: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,

43. bis dass ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße.

44. David nennt ihn einen Herrn, wie ist er denn sein Sohn?

45. Da aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern:

46. Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die da wollen einhertreten in langen Kleidern und lassen sich gerne grüßen auf dem Markte und sitzen gerne obenan in den Schulen und über Tisch.

47. Sie fressen der Witwen Häuser und wenden lange Gebete vor; die werden desto schwerere Verdammnis empfangen.

Das 21. Kapitel

1. Er sah aber auf und schaute die Reichen, wie sie ihre Opfer einlegten in den Gotteskasten.

2. Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein.

3. Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr denn sie alle eingelegt.

4. Denn diese alle haben aus ihrem Überfluß eingelegt zu dem Opfer Gottes; sie aber hat von ihrer Armut alle ihre Nahrung, die sie hatte, eingelegt.

5. Und da etliche sagten von dem Tempel, dass er geschmückt wäre von feinen Steinen und Kleinoden, sprach er:

6. Es wird die Zeit kommen, in welcher des alles, das ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.

7. Sie fragten ihn aber und sprachen: Meister, wann soll das werden? und welches ist das Zeichen, wann das geschehen wird?

8. Er aber sprach: Seht zu, lasst euch nicht verführen! Denn viele werden kommen in meinem Namen und sagen, ich sei es, und: Die Zeit ist herbeikommen. Folgt ihnen nicht nach!

9. Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Empörungen, so entsetzt euch nicht. Denn solches muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da.

10. Da sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben über das andere und ein Reich über das andere.

11. Und werden geschehen große Erdbebungen hin und her, teure Zeit und Pestilenz. Auch werden Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel geschehen.

12. Aber vor diesem allem werden sie die Hände an euch legen und verfolgen und werden euch überantworten in ihre Schulen und Gefängnisse und vor Könige und Fürsten ziehen um meines Namens willen.

13. Das wird euch aber widerfahren zu einem Zeugnis.

14. So nehmt nun zu Herzen, dass ihr nicht sorgt, wie ihr euch verantworten sollt.

15. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher nicht sollen widersprechen mögen noch widerstehen alle eure Widerwärtigen.

16. Ihr werdet aber überantwortet werden von den Eltern, Brüdern, Gefreundeten und Freunden; und sie werden euer etliche töten.

17. Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen.

18. Und ein Haar von eurem Haupt soll nicht umkommen.

19. Fasst eure Seelen mit Geduld!

20. Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert mit einem Heer, so merkt, dass herbeikommen ist ihre Verwüstung.

21. Alsdann wer in Judäa ist, der fliehe auf das Gebirge; und wer mitten drinnen ist, der weiche heraus; und wer auf dem Lande ist, der komme nicht hinein.

22. Denn das sind die Tage der Rache, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.

23. Wehe aber den Schwangern und Säugerinnen in denselbigen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und ein Zorn über dies Volk.

24. Und sie werden fallen durch des Schwertes Schärfe und gefangen geführt unter alle Völker; und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis dass der Heiden Zeit erfüllt wird.

25. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen.

26. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.

27. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.

28. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, darum dass sich eure Erlösung naht.

29. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume!

30. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist.

31. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

32. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe.

33. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.

34. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch;

35. denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen.

36. So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden mögt, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.

37. Und er lehrte des Tages im Tempel; des Nachts aber ging er aus und blieb über Nacht am Ölberge.

38. Und alles Volk machte sich frühe auf zu ihm, im Tempel ihn zu hören.

Das 22. Kapitel

1. Es war aber nahe das Fest der süßen Brote, das da Ostern heißt.

2. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten, wie sie ihn töteten, und fürchteten sich vor dem Volk.

3. Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Ischariot, der da war aus der Zahl der Zwölfe.

4. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten, wie er ihn wollte ihnen überantworten.

5. Und sie wurden froh und gelobten, ihm Geld zu geben.

6. Und er versprach es und suchte Gelegenheit, dass er ihn überantwortete ohne Rumor.

7. Es kam nun der Tag der süßen Brote, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm.

8. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin, bereitet uns das Osterlamm, auf dass wir's essen.

9. Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir's bereiten?

10. Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm nach in das Haus, da er hineingeht,

11. und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo ist die Herberge, darinnen ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern?

12. Und er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen; daselbst bereitet es.

13. Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm.

14. Und da die Stunde kam, setzte er sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm.

15. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide.

16. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis dass es erfüllt werde im Reich Gottes.

17. Und er nahm den Kelch, dankete und sprach: Nehmt denselbigen und teilt ihn unter euch.

18. Denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächse des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme.

19. Und er nahm das Brot, dankete und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis!

20. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

21. Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir über Tische!

22. Und zwar, des Menschen Sohn geht hin, wie es beschlossen ist; doch wehe demselbigen Menschen, durch welchen er verraten wird!

23. Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der das tun würde.

24. Es erhub sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden.

25. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren.

26. Ihr aber nicht also, sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.

27. Denn welcher ist der Größte, der zu Tische sitzt, oder der da dient? Ist's nicht also, dass der zu Tische sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener.

28. Ihr aber seid's, die ihr beharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.

29. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat,

30. dass ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.

31. Der Herr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen!

32. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrest, so stärke deine Brüder.

33. Er sprach aber zu ihm: Herr, ich bin bereit mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

34. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, dass du mich kennst.

35. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen.

36. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigengleichen auch die Tasche; wer aber nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.

37. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, das geschrieben steht: Er ist unter die Übeltäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende.

38. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.

39. Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Ort.

40. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf dass ihr nicht in Anfechtung fallt!

41. Und er riss sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder, betete

42. und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

43. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn.

44. Und es kam, dass er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es wurde aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.

45. Und er stand auf vom Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit.

46. Und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, auf dass ihr nicht in Anfechtung fallt!

47. Da er aber noch redete, siehe, die Schar und einer von den Zwölfen, genannt Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesu, ihn zu küssen.

48. Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß?

49. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?

50. Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.

51. Jesus aber antwortete und sprach: Lasst sie doch so ferne machen! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

52. Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr seid, wie zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen.

53. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt keine Hand an mich gelegt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

54. Sie griffen ihn aber und führten ihn und brachten ihn in des Hohenpriesters Haus. Petrus aber folgte von ferne.

55. Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Palast und setzten sich zusammen, und Petrus setzte sich unter sie.

56. Da sah ihn eine Magd sitzen bei dem Licht und sah eben auf ihn und sprach zu ihm: Dieser war auch mit ihm.

57. Er aber verleugnete ihn und sprach: Weib, ich kenne ihn nicht.

58. Und über eine kleine Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch der einer. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht!

59. Und über eine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrlich, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer.

60. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst! Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn.

61. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, das er zu ihm gesagt hatte: Ehe denn der Hahn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.

62. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

63. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn,

64. verdeckten ihn und schlugen ihn ins Angesicht und fragten ihn und sprachen: Weissage, wer ist's, der dich schlug?

65. Und viel andere Lästerungen sagten sie wider ihn.

66. Und als es Tag wurde, sammelten sich die Ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und führten ihn hinauf vor ihren Rat

67. und sprachen: Bist du Christus? Sage es uns! Er sprach aber zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht;

68. frage ich aber, so antwortet ihr nicht und lasst mich doch nicht los.

69. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes.

70. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, denn ich bin's.

71. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Wir haben's selbst gehört aus seinem Munde.

Das 23. Kapitel

1. Und der ganze Haufe stand auf und führten ihn vor Pilatus

2. und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, dass er das Volk abwendet und verbietet, den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.

3. Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es.

4. Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde keine Ursache an diesem Menschen.

5. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erregt damit, dass er gelehrt hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher.

6. Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre,

7. Und als er vernahm, dass er unter des Herodes Obrigkeit gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war.

8. Da aber Herodes Jesum sah, wurde er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen.

9. Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts.

10. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart.

11. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weiß Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilatus.

12. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander; denn zuvor waren sie einander feind.

13. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen

14. und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende. Und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und finde an dem Menschen der Sachen keine, der ihr ihn beschuldigt.

15. Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, was des Todes wert sei.

16. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen.

17. Denn er mußte ihnen einen nach Gewohnheit des Festes losgeben.

18. Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem und gib uns Barabbas los!

19. welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mords willen ins Gefängnis geworfen.

20. Da rief Pilatus abermal ihnen zu und wollte Jesum loslassen.

21. Sie riefen aber und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!

22. Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat denn dieser Übels getan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm; darum will ich ihn züchtigen und loslassen.

23. Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand.

24. Pilatus aber urteilte, dass ihre Bitte geschähe,

25. und ließ den los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängnis geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum übergab er ihrem Willen.

26. Und als sie ihn hinführten, ergriffen sie einen, Simon von Kyrene, der kam vom Felde, und legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesu nachtrüge.

27. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweinten ihn.

28. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.

29. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäugt haben.

30. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Deckt uns!

31. Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden?

32. Es wurden aber auch hingeführt zwei andere Übeltäter, dass sie mit ihm abgetan würden.

33. Und als sie kamen an die Stätte die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn daselbst und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.

34. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht was sie tun. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum.

35. Und das Volk stand und sah zu. Und die Obersten samt ihnen spotteten sein und sprachen: Er hat andern geholfen, er helfe sich selber, ist er Christ, der Auserwählte Gottes!

36. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig

37. und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber.

38. Es war auch oben über ihm geschrieben die Überschrift mit griechischen und lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dies ist der Juden König.

39. Aber der Übeltäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!

40. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?

41. Und zwar wir sind billig darinnen; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt.

42. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich wenn du in dein Reich kommst!

43. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.

44. Und es war um die sechste Stunde. Und es wurde eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde.

45. Und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriss mitten entzwei.

46. Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, verschied er.

47. Da aber der Hauptmann sah, was da geschah; pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!

48. Und alles Volk, das dabei war und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sich an ihre Brust und wandten wieder um.

49. Es standen aber alle seine Verwandten von ferne und die Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolgt, und sahen das alles.

50. Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann;

51. der hatte nicht bewilligt in ihren Rat und Handel; der war von Arimathia, der Stadt der Juden, der auch auf das Reich Gottes wartete:

52. der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu

53. und nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in ein gehauen Grab, darinnen niemand je gelegen war.

54. Und es war der Rüsttag, und der Sabbat brach an.

55. Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm kommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab, und wie sein Leib gelegt wurde.

56. Sie kehrten aber um und bereiteten Spezerei und Salben. Und den Sabbat über waren sie stille nach dem Gesetz.

Das 24. Kapitel

1. Aber an der Sabbate einem sehr frühe kamen sie zum Grabe und trugen die Spezerei, die sie bereitet hatten, und etliche mit ihnen.

2. Sie fanden aber den Stein abgewälzt von dem Grabe

3. und gingen hinein und fanden den Leib des HErm Jesu nicht.

4. Und da sie darum bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.

5. Und sie erschraken und schlugen ihre Angesichte nieder zu der Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?

6. Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war,

7. und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

8. Und sie gedachten an seine Worte.

9. Und sie gingen wieder vom Grabe und verkündigten das alles den Elfen und den andern allen.

10. Es war aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und andere mit ihnen, die solches den Aposteln sagten.

11. Und es deuchten sie ihre Worte eben, als wären's Märlein, und glaubten ihnen nicht.

12. Petrus aber stand auf und lief zum Grabe und bückete sich hinein und sah die leinenen Tücher allein liegen und ging davon; und es nahm ihn wunder, wie es zuginge.

13. Und siehe, zwei aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldwegs weit, des Name heißt Emmaus.

14. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15. Und es geschah, da sie so redeten und befragten sich miteinander, nahte Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen.

16. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht kannten.

17. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig?

18. Da antwortete einer mit Namen Kleophas und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen drinnen geschehen ist?

19. Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk;

20. wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes und gekreuzigt.

21. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass solches geschehen ist.

22. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen,

23. haben seinen Leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe.

24. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden's also, wie die Weiber sagten; aber ihn fanden sie nicht.

25. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben!

26. Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen?

27. Und fing an von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren.

28. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen. Und er stellete sich, als wollte er fürder gehen.

29. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankete und brach's und gab's ihnen.

31. Da wurden ihre Augen geöffnet und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete?

33. Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehrten wieder gen Jerusalem und fanden die Elfe versammelt und die bei ihnen waren,

34. welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.

35. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach.

36. Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

37. Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist.

38. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?

39. Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber; fühlt mich und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, dass ich habe.

40. Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße.

41. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?

42. Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und Honigseims.

43. Und er nahm's und aß vor ihnen.

44. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz Mose's, in den Propheten und in Psalmen.

45. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.

46. Und sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage

47. und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem.

48. Ihr aber seid des alles Zeugen.

49. Und siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis dass ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

50. Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hub die Hände auf und segnete sie.

51. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

52. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude.

53. Und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott.





Fotos und Reiseberichte mit Bildern, Kuriositäten