Glaube, Religion
und Gott

Möglichst Rationale Betrachtungen
über ein mystisches Thema
von Erwin Purucker

Inhaltsverzeichnis:
 Wozu gibt es ein Bewusstsein?
 Materie und Geist
 Gut und Böse durch Geist oder Gehirn?
 Menschwerdung, die Erkenntnis von Gut und Böse
 Vernunft und Verstand
 Zweckorientiertes Verhalten ohne Bewusstsein?
 Ist unser Schicksal vorherbestimmt?
 Sind wir real?
 Gibt es einen Gott?
 Warum muss es eine Geistwelt geben?
 Gottesvorstellungen
 Ein-Gott-Glaube, Monotheismus
 Gott in der Quantenwelt?
 Kommunikation mit Gott
 Greift eine Höhere Macht in unser Leben ein?
 Schicksal oder Zufall? Extrembeispiel!
 Speicherung unserer Taten?
 Die Götter der Völker
 Ist Jesus ein Gott?
 Sind wir alle Teile Gottes?
 "Gottesbeweise"
 Leid durch Religion!
 Die Schöpfung
 Die Pascalsche Wette
 Religion als nützliche Illusion
 Gottvertrauen
 Gibt es ein Leben nach dem Tod?
 Urvertrauen
 Das Reich Gottes
 Was sollen wir glauben?
 Die Ungerechtigkeits-Frage
 Wiedergeburt, Reinkarnation?
 Evolution - Oder doch Schöpfung?
 Religionen, Glaube, Denken und Wissen heute
 Zusammenfassung
 Ratschlag

Woher kommen wir?
Wohin gehen wir?
Was ist die wahre Natur der Welt mit ihren Lebewesen,
die wahre Natur unseres Geistes, unserer Seele?

Versuch einer möglichst neutralen Bestandsaufnahme

Seit Jahrtausenden machen sich die Menschen darüber Gedanken, große Philosophen genauso wie Physiker oder einfache Leute. Ich will nicht wiederholen, was sie alle gedacht, gesagt oder geschrieben haben. Vielmehr habe ich mir aus den einzelnen Denkrichtungen herausgenommen, was mir am wichtigsten erscheint oder was vielleicht der Wahrheit am nächsten kommt. Dies versuche ich zu beurteilen, ob es uns hilft oder uns gar schadet, und was mir am hilfreichsten erscheint, um sich ein persönliches Weltbild zu basteln oder zumindest, mit sich und der Welt einigermaßen friedlich, zufrieden und konstruktiv zu leben. 

Wozu gibt es ein Bewusstsein?

Fasst man den Gottesbegriff weiter, so wird sicher auch ein Materialist wie Stephen Hawking die Möglichkeit einer geistigen, jenseitigen Welt mit einem wie auch immer beschaffenen Gott zumindest nicht ausschließen. Selbst wenn es uns gelingt, Diese Welt, dieses Universum und sogar den Urknall physikalisch zu erklären, bleiben doch Fragen, die völlig außerhalb der Physik und Mathematik stehen:
  • Warum ist dieses vollständig erklärte Universum ausgerechnet so, dass es Leben hervorbringt? Dazu sind sehr viele aufeinander abgestimmte Faktoren nötig!
  • Im Zuge der Entstehung des Lebens und der Evolution entstanden körperliche Eigenschaften und psychische. Auch die psychischen Eigenschaften und Reaktionen sind nicht identisch mit dem Bewusstsein, sie entstehen durch elektrische und chemische Impulse in unserem Gehirn, sind also körperlich! Auch eine Computer-Software kann man dazu bringen, psychisch zu reagieren, scheinbar gute oder schlechte Laune zu haben, traurig oder lustig zu antworten, deshalb hat sie noch lange keine Seele.
  • Was bei der Entwicklung des Lebens in der Evolution keinen Vorteil brachte, verschwand wieder. Warum entstand und blieb dann das Bewusstsein, es ist eigentlich nicht nötig? Die Lebewesen und auch die Menschen könnten auch ohne Bewusstsein aktiv und egoistisch handeln und sich fortentwickeln, einfach aufgrund von Nervenimpulsen, die das Verhalten steuern. Eine Pflanze strebt auch ohne Gehirn zum Licht und unterdrückt vielleicht schwächere um sich herum. Oder tut sie das doch "bewusst"? 
Bei Phänomenen wie den Naturgesetzen und Naturkonstanten, oder dem Bewusstsein lässt sich vor allem eine Frage nicht beantworten: Das Warum? Selbst die Religionen bieten dafür nur unzureichende Erklärungen. Die Tatsache, dass wir ein Bewusstsein haben (ich nehme mal an, Sie haben auch eins), ist der Beweis für eine geistige Welt, die man im weitesten Sinn "Gott" nennen könnte.

Materie und Geist - Das Leib-Seele-Problem


Dualismus

Im dualistischen Ansatz müsste man Leib und Seele als getrennt betrachten und es wäre eine Art bidirektionales Interface (Schnittstelle) erforderlich, möglicherweise angeordnet in den Nervenzellen. Oder das Gehirn im Ganzen wäre das Interface, wie es Rolf Oster beschreibt. Auch Science Fiction Autoren haben sich des Problems angenommen. In Star Wars zum Beispiel sind es lt. George Lucas die Midi-Chlorianer im Blut der Jedi-Ritter, die den Kontakt zur überirdischen Macht herstellen. Durch das Fehlen jeglicher objektiver Informationen entstehen die seltsamsten Phantasien. Gehören die Religionen auch zu diesen Phantasien?

Panpsychismus

Das andere Extrem wäre der Panpsychismus, der eine Trennung von Geist und Materie ablehnt, was bedeuten würde, dass Grundstrukturen des Geistigen oder Mentalen von Anfang an in der Materie enthalten sind. Ähnlich wie Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie die Trennung von Raum und Zeit zugunsten eines Raum-Zeit-Kontinuums aufhob, müssten wir die Welt als eine Art Geist-Materie-Gefüge sehen. Das muss nicht heißen, dass jedes Ding oder gar jedes Atom eine Seele hat, wie es radikale Panpsychisten und auch viele Natur-Religionen behaupten, sondern dass das Bewusstsein entsteht durch komplexe Wechselwirkungen dieses Geist-Materie-Gefüges in geeigneten Strukturen. Man darf unsere materielle Welt und die Welt des Geistes nicht als getrennt betrachten. Das Bewusstsein, unsere Seele, ist ja auch Teil unseres Körpers. Leib und Seele sind in einer Weise verbunden, die wir uns (noch) nicht im Entferntesten vorstellen können.

. Erst vor kurzem hat wieder einer für Aufsehen gesorgt, indem er sogar Bäumen eine Leidensfähigkeit zuschreibt:  Peter Wohlleben in Das geheime Leben der Bäume. Prompt kamen Gegenreaktionen und sogar Gegen-Bücher. Ein kranker Baum sieht tatsächlich leidend aus. Empfindet er das wirklich oder interpretieren wir das nur in ihn hinein, weil wir unser eigenes Empfinden auf ihn übertragen? . In  Sofies Welt von Jostein Gaarder schreiben wir dem jungen Mädchen Sofie Amundsen auch automatisch ein Bewusstsein zu. Sie ist völlig real, bis wir nach mehr als dem halben Buch erfahren, dass alles ganz anders ist! Haben wir nicht sogar Gegenstände unseres Umfelds lieb gewonnen und tut es uns vielleicht leid, sie eines Tages wegschmeißen zu müssen. Haben wir nicht manchmal das Gefühl, wir täten diesen Gegenständen Unrecht, weil sie uns so lange Zeit gut gedient haben? Ist eine bestimmte Komplexität erforderlich, ab der materielle Strukturen so etwas wie eine Seele entwickeln? Wenn in nicht allzuferner Zukunft Computer die Intelligenz des Menschen übertreffen, werden sie sich ihrer Existenz bewusst sein? Auch wenn wir Schmerzen oder Wohltaten über unsere Nerven empfinden und Leiden oder Freude über unser Gehirn, muss das nicht bedeuten, dass nicht auch andere Strukturen Ähnliches hervorrufen können.

Und schon wieder gibt es auf ganz andere Art zwei Möglichkeiten:
  • Entweder sind die wahren Zusammenhänge so andersartig als alles, was wir uns je vorstellen können, dass wir sie nie vollständig begreifen werden,
  • oder die Entwicklung des Lebens hat gerade dieses Begreifen zum Ziel, um eine neue höhere Bewusstseinsebene zu erreichen. 

Ich halte es für extrem wahrscheinlich, dass eine allgegenwärtige geistige Welt existiert, unabhängig von Raum und Zeit, und wenn sich eine geeignete materielle Struktur bildet oder gebildet wird, zum Beispiel ein Mensch, entsteht eine Verbindung zwischen beiden. Als Zeitpunkt würde sich die Differenzierung der embryonalen Stammzellen in Nervenzellen anbieten, da vor allem Nervenzellen als "Interface" zur geistigen Welt geeignet erscheinen. Lebewesen ohne Nervenzellen hätten dann allerdings kein Bewusstsein. Man kann auch weiter gehen und allen Strukturen, die zu Wahrnehmung oder Aktionen fähig sind, eine Möglichkeit der geistigen Kontaktaufnahme zusprechen. Dann wären es nicht nur die Pflanzen, sondern sogar Maschinen wie Computer, oder ihr Auto, die ein Bewusstsein entwickeln könnten. Wissen können wir das nicht. Ich kann nicht mal wissen, ob Sie, lieber Leser, ein Bewusstsein haben, und Sie können's mir nicht beweisen.

Ein experimenteller Nachweis

Ebenso halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass die Menschheit in der Zukunft eine Versuchsanordnung ersinnen wird, die eine Kontaktaufnahme mit der Geistigen Welt ermöglicht, und die dafür einen empirischen Beweises erbringen wird. Alles was die Natur kann, kann vielleicht auch irgendwann experimentell genutzt und nachvollzogen werden. Wir werden's wahrscheinlich nicht mehr erleben, höchstens in einem unserer nächsten Leben, oder wir schauen vom Jenseits aus zu …

Manche vermuten die Geistige Welt auch in der geheimnisvollen Dunklen Energie oder Dunklen Materie, über die wir noch fast nichts wissen, die aber den überwiegenden Teil des Kosmos ausmachen soll. Eine gewagte Theorie. Allerdings führen möglicherweise die Bezeichnungen dafür in die Irre. Wahrscheinlich handelt es sich weder um Energie noch um Materie, sondern es ist etwas ganz anderes, warum nicht die Welt des Geistes?

Gut und Böse durch Geist oder Gehirn?

Was gut oder böse ist, bestimmt vor allem unsere Gesellschaft, und die ändert sich über die Jahrhunderte. So wurde die absichtliche Tötung eines anderen Menschen ohne Rechtfertigung wohl zu allen Zeiten als schlecht angesehen. Was sich ändert, ist die Einteilung, was als Rechtfertigung gilt. Heute wird gegenüber früheren Jahrhunderten außer der Notwehr wohl kaum ein Rechtfertigungsgrund übrig bleiben. Selbst das Töten im Krieg wird wohl von den meisten Menschen abgelehnt, außer vielleicht in der Defensive. Was jedoch noch problematischer ist, ist die Verantwortlichkeit für böse Handlungen, die Schuld. Geht man vom Dualismus aus, muss man sich Fragen, ob der Antrieb für böse Taten vom Gehirn ausgeht oder vom Geist. Die Psyche und unser Verhalten im Leben entstehen nämlich im Gehirn, sind also körperlich! Bewusstsein oder Seele sind etwas ganz anderes!
Hat eine Seele also Pech gehabt, weil sie in einem Körper
mit einem bösen Gehirn und einer bösen Psyche gefangen ist?

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass unser Gehirn tatsächlich Entscheidungen fällt, noch ehe sie uns bewusst werden. Als Konsequenz würde unser Geist für Handlungen bestraft, die unser Gehirn veranlasst! Eine Diskussion, die in unserem Strafrecht immer mal wieder auftaucht, aber nicht neu ist! So wie Einsteins theoretisch-mathematische Behauptungen seit 100 Jahren immer wieder praktisch bestätigt werden, hat Arthur Schopenhauer das schon lange vorher behauptet. Es ist wohl eine seiner bekanntesten Thesen: »Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will!« Zu dieser Erkenntnis kam er viel mehr als 100 Jahre bevor wir mit Magnetresonanztomographie (MRT) dem Gehirn beim Denken zuschauen konnten.

Außerdem haben alle dualistischen Gegensätze die Eigenschaft, ohne das jeweilige Pendant nicht existieren zu können, ohne positiven Pol kein negativer, ohne Frau kein Mann, ohne Böses kein Gutes. Ähnlich beschreibt es ganz unauffällig J. R. R. Tolkien in  Der Herr der Ringe: Als Frodo in den Minen von Moria bedauert, dass Bilbo Gollum nicht getötet hat, als er die Gelegenheit hatte, erwidert Gandalf sinngemäß, dass auch das Böse seine Rolle zu spielen hat in der Welt und bestimmend über das Schicksal von vielen sein kann, sowohl zum Guten wie zum Schlechten! Und tatsächlich: Ohne das (manchmal böse) Eingreifen Gollums hätte Frodo sein Ziel nicht erreicht. Wir neigen dazu, auch die geistige oder jenseitige Welt in gut und böse einzuteilen, in Gott und den  Teufel, aber das sind nur Symbole zur Orientierung. Die geistige Welt ist eins und das Ganze hat einen Sinn. Wir können ihn nur nicht sehen oder gar begreifen. Nicht einmal die Bibel versucht, ihn zu erklären. Sieht man den Sinn des Daseins auf Erden darin, ein ewiges Leben im Paradies zu erreichen, egal ob man es sich geistig oder körperlich vorstellt, so ist das noch lange kein Sinn an sich! 

Solche unerwarteten Folgen kleiner Änderungen oder sogar gut gemeinten Handelns in der Zukunft wurde in vielen Romanen und Spielfilmen aufgegriffen, von Butterfly Effect bis Zurück in die Zukunft. Der Flügelschlag eines Schmetterlings, der dazu beiträgt, dass weit entfernt ein Taifun auftritt, kann die Zukunft von Menschen ebenso gravierend beeinflussen wie ein Staubkorn in der Lotto-Trommel. Wissenschaftler befassen sich mit dem Schmetterlingseffekt, dem Domino-Effekt, dem Schneeballeffekt und Kettenreaktionen in der Chaos-Forschung, die eines der jüngsten Forschungsfelder bildet und noch unfertiger, unübersichtlicher, unanschaulicher und schwer verständlicher ist als die Ökologie. Wir dürfen nicht erwarten, dass wir beides in absehbarer Zeit oder überhaupt jemals wirklich verstehen. Die Physik hat sich mit ihrem Teilchenzoo auch längst von den schönen klaren physikalischen Gesetzen eines Newton und selbst von der immer noch kausalen Relativitätstheorie entfernt.

Menschwerdung, die Erkenntnis von Gut und Böse

Ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier graduell oder prinzipiell? Wo setzt man die Grenze? Dass Adam und Eva tatsächlich biologisch die ersten Menschen waren, ist sehr unwahrscheinlich. Nicht nur dass die Evolution inzwischen sehr gut erforscht und bewiesen ist, auch ist die Geschichte der beiden in der Bibel total unlogisch. An verschiedenen Stellen wird es als selbstverständlich beschrieben, dass es außer den Kindern der Stammeltern noch weitere Bevölkerung gab.

Aber auch wenn man in der Geschichte eine Legende oder einen menschengemachten Mythos sieht, ist sie nicht bedeutungslos, eher eine Allegorie: Den einzigen prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Tier sehe ich in der Einteilung des Verhaltens in Gut und Böse. Dem Löwen, der ein Beutetier tötet, kann man dies nicht vorwerfen. Es ist seine Natur. Auch die Frühmenschen werden keine Hemmungen gehabt haben, einen Konkurrenten zu töten, bis sie irgendwann die Erkennnis gewannen, dass es gutes und böses Verhalten gibt. Das heißt natürlich nicht, dass ab da alle gut waren. Nach einer bösen Tat hat man ja die Ausrede »Der Teufel hat mich verführt, ich kann nichts dafür!«. Setzt man diesen Moment der Erkenntnis von Gut und Böse mit dem Sündenfall am Baum der Erkenntnis gleich, muss man allerdings zu dem Schluss kommen, dass der vorangegangene Zustand, ohne schlechtes Gewissen, das Paradies war und die Erkenntnis die Vertreibung daraus! Auch irgendwie logisch. 

Die verhängnisvollste Auslegung des Sündenfalls stammt von der frühen Kirche. Die Kirchenväter nahmen für ihre Priester das Monopol der Sündenvergebung in Anspruch. Damit konnte man vor allem eines gewinnen: Macht über die Menschen! Wenn nun Leute die 10 Gebote hörten, gab es natürlich viele, die sagten: »Ich hab keinen umgebracht, nichts gestohlen, ...« also wozu brauche ich die Kirche? Deshalb ließen sich die frühen Theologen die Erbsünde und die Todsünden einfallen. Zum Sündenfall im Paradies wurde der erste Geschlechtsverkehr erklärt, folglich durfte man künftig beim Sex kein Vergnügen empfinden, sonst war es Sünde. Erfundene Lehren wie die Drohgeschichten des Augustinus von Hippo wirken nach bis in unsere heute aufgeklärte Zeit und haben das Verhältnis der Menschen zur Sexualität und auch zum eigentlich gütigen Gott der Christen über 2000 Jahre lang vergiftet.

Vernunft und Verstand

Wir Menschen bezeichnen uns gern als vernunftbegabte Wesen. Betrachtet man die Geschichte der letzten paar Jahrtausende, ist man geneigt, diese Behauptung zu verneinen. Der einzige Ausweg ist es, darauf zu vertrauen, dass das Drunter und Drüber der Menschheitsgeschichte einem höheren Zweck dient, den wir nicht verstehen. Das ist allerdings sehr unbefriedigend. So haben sich die Philosophen aller Zeiten immer bemüht, beim Nachdenken über unser Dasein die Vernunft als oberstes Prinzip einzuordnen, was aber immer nur bedingt gelang, weil der Mensch dafür offensichtlich nicht gemacht ist. Immanuel Kant setzte mit seinem Rationalismus und Empirismus sogar die Vernunft als höheres Erkenntnisprinzip ausdrücklich über den Verstand. Aber selbst wenn man mit seinem Verstand vernünftige Schlüsse zieht, kann man total falsch liegen. Auch Kant räumt ein, dass es Fragen gibt, die alles Vermögen der menschlichen Vernunft übersteigen (Vorrede zur 1. Auflage der Kritik der reinen Vernunft). 

Zweckorientiertes Verhalten ohne Bewusstsein?

Der Streit zwischen
  • Mystikern und Rationalisten,
  • Gläubigen und Atheisten,
  • Kreationisten und Evolutionisten
ist Jahrhunderte alt. Gibt es für die gegensätzlichen Thesen eine Synthese? Mittels Dialektik oder Logik? Ich behaupte: Nein! Die Lösung ist wahrscheinlich etwas, das wir uns überhaupt nicht vorstellen können, das wir noch nicht einmal angedacht haben. Eine Synthese versucht zum Beispiel Thomas Nagel in seinem Buch Geist und Kosmos, in dem er sowohl der Evolution als auch den physikalischen Gesetzen und Konstanten zweckorientierte Prinzipien zuschreibt, die für die Entstehung der Welt verantwortlich sind. In einem evolutionären Weltbild sind Geist und Bewusstsein überflüssig. 

Mutation und Selektion funktionieren auch ohne Seele.
Da es Bewusstsein aber unbestritten gibt, muss es auch eine Ursache dafür geben.


Auch seine Erklärung ist letztlich unbefriedigend und endet an einem Punkt, den unser beschränktes Denkvermögen setzt und der nicht und niemals überschritten werden kann.

Ist unser Schicksal vorherbestimmt?

Mit "Schicksal" meine ich ausdrücklich nicht, dass unser Leben und Handeln vorherbestimmt ist. Denn auch und gerade dann hätte das Leben keinen Sinn. Mit der Frage, ob wir unserem Schicksal durch Willenskraft entgehen können, hat sich übrigens schon Johann Wolfgang von Goethe in seinem Drama Iphigenie auf Tauris auseinandergesetzt. Iphigenie entkommt ihrem Schicksal, allerdings mit Hilfe der Göttin Diana (Artemis). Es ergibt keinen Sinn, eine Vorherbestimmung aller Handlungen anzuehmen. Ein "Gott" jedoch, der sich außerhalb der Zeit befindet, kann Änderungen in der Zukunft durch Einflussnahme in der Gegenwart quasi in Echtzeit sehen und sein Handeln darauf einstellen. Petrus formuliert es in seinem zweiten Brief ähnlich: »...daß ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.«  (2. Petrus, 3. Kapitel, Vers 8). Das heißt nüchtern übersetzt nichts anderes als »Für die Geistige Welt spielen Raum und Zeit keine Rolle!«

Sind wir real?

Andererseits zeichnet sich immer mehr ab, dass die Welt, so wie wir sie wahrnehmen, überhaupt nicht existiert. Schon Einsteins Äquivalenz zwischen Masse und Energie ist eigentlich schockierend und der Teilchenzoo des Standardmodells bewegt sich seit langem fernab jeder Anschaulichkeit. Mit der wirklichen Realität hat das, was wir sehen, hören oder sonstwie wahrnehmen, nichts zu tun. Man kann auch weiter gehen und sagen: »Materie gibt es nicht, es gibt nur Geist«. Das Stoffliche ist eine Illusion. In einer Quanten-Welt wäre das Universum und auch wir nur eine Software auf einem Quanten-Computer, quasi Die Sims. Simulationen als Computerspiel Die Sims im Shop meiner Tochter Selbst die Zeit wäre nur ein Teil der Software. Weiß ein Sim, dass er nicht real ist, wenn wir ihn so programmieren, dass er denkt er wäre real?

Verschiedene Forschungsergebnisse weisen immer mehr in diese Richtung. Schon vor hundert Jahren zeigten uns die Physiker, allen voran Albert Einstein, Albert Einstein - Bücher Albert Einstein im Büchershop meiner Tochter dass unsere Materie zum größten Teil aus leerem Raum besteht, und die moderne Physik mit ihren Teilchenbeschleunigern führt uns immer mehr vor Augen, dass es so etwas wie feste Materie tatsächlich nicht gibt! Von den festen unteilbaren Atomen des Demokrit führt alles wieder hin zu Heraklit mit seinem "Alles ist im Fluss befindlich". In seinem relativ unbekannt gebliebenen Buch Der verborgene Plan: Simulation Erde beschreibt dies z.B.  Frank Köstler. Vielleicht ist die Vorstellung eines virtuellen Lebens in einer Matrix auch ein Aspekt des Postmaterialismus im weiteren Sinne. Das Ganze gipfelt dann in einer Theorie des theoretischen Physikers Leonard Susskind, er nannte sie  Holografisches Prinzip. Demnach wäre unsere dreidimensionale Welt nur eine holografieähnliche Projektion von Informationen aus "unserem Ereignishorizont" am Rand unseres Universums.

Wahrscheinlich sind wir und unsere Welt tatsächlich so etwas wie eine Simulation, geschaffen von einem Schöpfer mit Möglichkeiten, die wir uns nicht vorstellen können. In Literatur und Film wird das sowohl als Dokumentation als auch als Roman vielfach aufgegriffen. Als Beispiel hier nur der Spielfilm The 13th Floor – Bist du was du denkst? (Abwärts in die Zukunft) von 1999, angelehnt an den Science-Fiction-Roman Simulacron-3 von Daniel F. Galouye (1964) und natürlich die drei Teile des Science-Fiction-Films Matrix, Matrix Reloaded und Matrix Revolutions (1999 bis 2003). Die Wirklichkeit, unsere scheinbare Wirklichkeit, ist sicher viel komplexer. Eine wirkliche Erklärung, was dahinter steckt, und der Sinn des Ganzen, wird für uns wohl für alle Zeit unbegreifbar bleiben, zumindest in diesem Leben!

Eines darf man allerdings nicht vergessen: Ganz gleich, wie wir existieren, ob als Computersimulation oder handfeste Materie, wir sind real, das erleben wir bewusst jeden Tag. Auch wenn der französische Philosoph René Descartes noch nichts von technischen und elektronischen Simulationen wissen konnte, hatte er zweifellos recht: »Ich denke, also bin ich!« Wie, das ist eine andere Frage.

Gibt es einen Gott?

Fangen wir beim Atheismus an, mit der Behauptung, es gäbe keinen Gott und kein Jenseits. Die Folge wäre, dass es ganz egal ist, was wir tun. Da mit dem  Tod bei allen alles aus ist, ist es nicht mal von Belang, ob es uns in unserem Leben gut ging, oder ob wir gute oder schlechte Menschen waren! In hundert Jahren existiert die Welt ohne uns, genauso wie die Jahrmilliarden vor uns. Spätestens in tausend Jahren fragt keiner mehr nach uns und selbst die berühmtesten Persönlichkeiten sind in Jahrmillionen vergessen. Nach ein paar Milliarden Jahren wird die Sonne zum Roten Riesen und verschlingt selbst die letzten versteinerten Knochen von uns. Alles wäre dann einfach nur so da. Zufällig und ohne Sinn?

Ähnlich verhält es sich mit dem Nihilismus. Nehmen wir zum Beispiel die vielzitierte und vielleicht doch meist missverstandene Provokation von Friedrich Nietzsche, »Gott ist tot: Es existiert keine übergeordnete, ewige Instanz.«. Das kann leicht in der Feststellung gipfeln: »Das Leben hat keinen Sinn!« Ist das logisch oder wahrscheinlich?

Nach seiner Äußerung im Jahr 2010, dass »für die Entstehung des Universums kein Gott notwendig ist«, wird auch Stephen Hawking gerne in die Richtung nihilistischer Wahn gedrängt, was wohl grundfalsch ist. So einfach denkt er nicht, trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner Krankheit. Vielmehr stürzen sich die modernen Medien auf solche Äußerungen und reißen sie aus ihrem Zusammenhang, was zu einer unzulässigen Verallgemeinerung führt, aber die Auflagen erhöht. Seine atheistisch interpretierten Veröffentlichungen richten sich meiner Meinung nach vor allem gegen eine Verballhornung des Gottesbegriffs als volkstümlicher Übervater auf Wolke 7. Natürlich wäre ein Universum mit Leben ohne einen Schöpfer oder eine geistige Welt möglich. Aber dann hätten wir kein Bewusstsein. Die Menschen wären seelenlose Zombies und könnten ihre Welt zwar sehen, aber nicht bewusst wahrnehmen. Die Wahrnehmung bedarf des Geistes, und der ist mit Physik (noch) nicht zu erfassen. Jeder von uns kann jedoch sein eigenes Bewusstsein wahrnehmen, was einem persönlichen Beweis zumindest sehr nahe kommt. 

Was überhaupt nicht erwähnt wird, ist, dass der Ausspruch, ein Gott sei nicht notwendig, ursprünglich garnicht von Hawking stammt. Schon im frühen 19. Jahrhundert, als der französische Astronom Pierre-Simon Laplace dem General Napoleon Bonaparte sein astronomisches Weltbild erklärte, und Napoleon fragte, wo darin Gott zu finden sei, soll Laplace gesagt haben: »Einer solchen Hypothese habe ich nicht bedurft!« Zweifellos eine zu extreme Folge der Aufklärung.

Warum muss es so etwas wie einen Gott
oder zumindest eine Geistwelt geben?

Die Welt, und damit meine ich nicht nur unsere Erde, sondern den gesamten Kosmos und auch uns Lebewesen, ist ja ziemlich "aufwändig" beschaffen. Es gibt nicht nur die Materie, sondern vor allem auch die Naturgesetze. Und alles ist so eingerichtet, dass es nicht nur einfach so da ist, sondern dass es früher oder später so etwas wie Leben hervorbringt. Physiker nennen es die Feinabstimmung der Naturkonstanten, grundlegende Größen, die anscheinend im gesamten Kosmos gelten. Das ist nicht so selbstverständlich, wie wir es empfinden. Nehmen wir die Lichtgeschwindigkeit von 299 792 458 Meter/Sekunde, eine große Zahl und eine unvorstellbar hohe Geschwindigkeit. Im Gegensatz dazu zum Beispiel das Plancksche Wirkungsquantum, eine unvorstellbar kleine Zahl: 6,6 · 10 -34  (0,000000000000000000000000000000000662607) Js.

Auf diesen und weiteren Naturkonstanten baut das System der Natürlichen Einheiten auf, das eindeutig nicht menschengemacht und höchstwahrscheinlich nicht zufällig ist, im Gegensatz zum Kilogramm oder dem Meter, die Menschen festgelegt haben. Alle Natürlichen Einheiten und Naturgesetze wirken so zusammen, dass die Welt ist, wie sie ist. Wäre das Plancksche Wirkungsquantum nur an der 35. Stelle hinter dem Komma etwas anders, wäre unsere Welt und der geamte Kosmos überhaupt nicht möglich! Zufall? Wer hat diese Eigenschaften festgelegt? Und wozu? Für uns? Wozu der Aufwand? Ist die bloße Existenz einer solchen Welt schon ein Gottesbeweis?

Natürlich könnte ich jetzt sagen, da war so ein Gott, der hat sich gelangweilt, also hat er mal eben die Welt erschaffen, um zuzuschauen, was da alles so passiert. Durchaus möglich. Im Gegensatz dazu könnte ich sogar so weit gehen und behaupten, die Welt ist gar nicht da, das bilde ich mir nur ein, und wenn ich gestorben bin, hört die Welt auf zu existieren. Niemand könnte mir das Gegenteil beweisen. Und sollte ich mich für einen bestimmten Glauben entscheiden, zum Beispiel den christlichen, muss ich bedenken, dass ich damit behaupte, dass sich alle anders Glaubenden (Milliarden Menschen!) irren, wie vermessen! Selbst Nietzsche hat seine obige Aussage relativiert in »Gott ist eine viel zu extreme Hypothese!«.

Wir befinden uns in einer ähnlichen Lage wie Schrödingers Katze, wenn man das Gedankenexperiment des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger von 1935 umdreht und vereinfacht:

In diesem Experiment, das eigentlich als Modell für die Quantenmechanik dient, befindet sich eine Katze in einem licht-, schall- und sonstwie dichten Raum ohne Luftzufuhr. Auch ohne die erdachten technischen Einrichtungen von Erwin Schrödinger stirbt sie früher oder später je nachdem ob sie sich bewegt oder schläft an Sauerstoffmangel. Sie kann aber auch schon durch den Schock des Einsperrens gestorben sein. Wir wissen es nicht. Natürlich ist sie objektiv zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder tot oder lebendig. Versucht man dies jedoch festzustellen, muss man die Kiste öffnen, wodurch das Experiment beeinflusst wird. Entweder sie erholt sich durch die Sauerstoffzufuhr, oder sie stirbt vor lauter Schreck. In der Quantenmechanik wird nun behauptet, dass sich die Katze (das Elementarteilchen) in der Zeit bis zum Öffnen (bis zur Messung) in einem undefinierten Zustand zwischen Leben und Tod befindet, quasi in beiden Zuständen gleichzeitig. Erst zum Zeitpunkt der Messung "entscheidet" es sich für eine der beiden Möglichkeiten. Den Tierfreunden sei versichert, dass es keinen Sinn macht, das Experiment tatsächlich durchzuführen. Es ist eben nur ein Gedankenexperiment.

Zur Umkehrung muss man sich vorstellen, ein Mensch, z.B. ich, wäre in der dunklen Kiste und hätte keine andere Erinnerung, und ich hätte nie etwas anderes gesehen, gehört etc. Könnte ich mich fragen, ob es eine Welt "da draußen" gibt? Wenn sich bei mir in der Kiste eine kleine Kiste befände, könnte ich mir vielleicht vorstellen, dass es bei jeder Kiste ein Innen und Außen gibt. Da ich im Dunkeln nicht einmal mich selbst sehen kann, könnte ich mir trotzdem nicht vorstellen, dass da draußen ein anderer Mensch sitzt, der mit mir ein Experiment anstellt. Wäre es hell in der Kiste und wären vielleicht sogar mehrere Menschen darin, könnte ich mir schon vorstellen, dass "da draußen" auch andere Menschen sind. Die Vorstellungen bauen also immer auf Erfahrungen auf. Nun sitzen wir Schrödingers Menschen hier auf der Erde mit all unseren zivilisatorischen Errungenschaften und denken darüber nach, was sich außerhalb unserer Wahrnehmung befinden und abspielen könnte.

Die Frage ist:
Können wir uns etwas vorstellen, das sich so ganz außerhalb unserer Erfahrungswelt befindet und ganz anders ist, als alles was wir schon einmal gesehen haben?

Die Antwort ist nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick erscheint. Natürlich kann man durch Verknüpfung von Informationen neue Informationen erschaffen. Lassen sie sich nicht überprüfen, muss man dies objektiv Phantasie, Theorie oder eben Hypothese nennen, nach Überprüfung könnte man es als gesichertes Wissen ablegen. Die Trennung ist das Schwierigste. Der Streit, was als empirische Wissenschaft (Erfahrungswissenschaft) oder nicht-empirische Wissenschaft zu gelten hat, und in wie weit Erfahrungen Wahrheiten vermitteln können, ist Jahrtausende alt. Im Grunde kann nur die Mathematik "echte Beweise" liefern, rein empirisch erlangtes Wissen ist eigentlich kein Beweis im engeren Sinn. Die Physik liefert uns keine Wahrheiten. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat sich in seiner Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus logico-philosophicus) ausführlich damit befasst, in wie weit wir Wahrheiten überhaupt erkennen können.

Von der Wirklichkeit sehen wir bestenfalls verschwommene Schatten, die wir für die Wirklichkeit halten, wie die Menschen in Platon's Höhlengleichnis, das dieser schon über 3 Jahrhunderte vor Christus aufschrieb. In seiner Schriftenreihe Politeia lässt er es von seinem Lehrer  Sokrates erzählen. Damals glaubte man allerdings noch, dass man auf dem philosophischen Weg aus der Höhle der eingeschränkten sinnlichen Wahrnehmung der materiellen Welt zur Erkenntnis der geistigen Welt gelangen könnte. Diese Hoffnung haben wir heute wohl größtenteils aufgegeben, zumindest die Realisten. Wirklich verstehen werden wir die geistige Welt, und damit Gott, auch mit zukünftigen modernsten Methoden wohl nie. Im Gegenteil: Je weiter wir ins Allerkleinste vordringen, um so komplizierter und unanschaulicher werden die Verhältnisse. Wirklich verstehen kann das niemand mehr. Beim CERN in Genf entstehen letztlich nur noch mathematische Konstrukte und jede Entdeckung macht sie noch komplizierter. Würde die Entwicklung einer Lösung zustreben, müssten sich die Formeln vereinfachen.

In der Literatur des 20. Jahrhunderts kommt mir dazu das Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke in den Sinn: 
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf – Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.


Gottesvorstellungen

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, scheinbar gesicherte Informationen zu Spekulationen zu verknüpfen. Auch wenn wir nur glauben, die Welt zu verstehen, kann uns das helfen. Wir werden vielleicht zufriedener, und eine Schöpfung achtet man mehr als eine durch eine Kette von Zufällen über Jahrmilliarden entstandene Welt. Und die Spekulationen könnten ja eines Tages verifiziert und damit zu gesichertem Wissen werden. Je ähnlicher diese neu geschaffenen Informationen den vorhandenen sind, um so leichter. So stellten sich früher viele Menschen Gott einfach als einen gütigen alten Mann vor, der irgendwo da droben im Himmel "sitzt", genau so unerreichbar wie der König oder der Kaiser auf seinem Thron.

So steht es auch in der  Bibel Bücher - Die Bibel Die Bibel im Büchershop meiner Tochter (1. Mose, Vers 27): "Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde", was umgekehrt heißt, Gott sieht aus wie wir. Eine Vorstellung, die uns heute eher absurd erscheint. Rational denkende Menschen tendieren da schon eher zu dem Philosophen Ludwig Feuerbach, der schrieb "Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde." Das heißt nicht, dass es Gott nicht gibt, wir wissen nur nichts über die jenseitige Welt und schaffen uns Vorstellungen. Mit einem menschenähnlichen Gott lässt es sich eben leichter kommunizieren.

Wer Gottesdienste in der Kirche besucht, spricht es jedesmal: »...er sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters...«. Das heißt, Gott hat eine rechte Hand und Jesus "sitzt" neben ihm. Ist das wirklich unsere Gottesvorstellung? »Na ja, das ist halt symbolisch gemeint.« Oder fragen wir lieber nicht danach? Über die mystische Seite der Religion hören wir in den Kirchen fast nichts. Auch wir evangelischen "Protestanten" ruhen uns seit fast 500 Jahren auf der Reformation Martin Luthers aus und bekommen von unseren Pfarrern am Sonntag serviert, wie wir zu leben und uns zu verhalten haben. Die von Jesus vermittelten Verhaltensanweisungen wie "Liebe deinen Nächsten" sind natürlich gut und richtig, aber eigentlich ist das Philosophie und nicht Religion! Unsere Ethik und Moral in christlich geprägten Gesellschaften gehen eben zu einem großen Teil auf die Lehren Jesu zurück. Durch Jesus wurden die archaischen Gottesanweisungen im Alten Testament von Abraham bis Moses relativiert. Tieropfer und Menschenopfer zur Gottesverehrung wurden erst durch Jesus endgültig abgeschafft. In unserer Bibel stehen sie nach wie vor!

Im mystischen Teil heben die Kirchen vor allem die Vergebung von Schuld und Sünden durch Jesu Tod hervor, was sich schon in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende als Erfolgsmodell herausstellte. Nach dem Rezept: Rede den Leuten Schuld ein und versprich ihnen Erlösung davon, dann werden sie in Scharen kommen, sich beherrschen lassen und später Ablassbriefe kaufen. Das ist nichts anderes als Machtausübung, deren Nachwirkungen wir Kirchenmitglieder heute noch spüren. Der Ablasshandel wurde nur durch die (durchaus gemäßigtere) Kirchensteuer ersetzt.

Nachdem für die Erzeugung von Schuldgefühlen die Zehn Gebote nicht reichten, erklärte man andere, an sich selbstverständliche Dinge zu Todsünden. Sexuelle Aktivitäten ohne die Absicht zur Nachkommen-Zeugung zum Beispiel erklärte man kurzerhand zur Todsünde der Wollust. Alltägliche Schwächen, aber auch gute und schöne Dinge erzeugten plötzlich Schuldgefühle und Angst. Die Kirche versprach Erlösung und Vergebung. Buße, Selbstzüchtigung und Ablassbriefe wurden bei vielen Menschen zur Sucht, die Abhängigkeit erzeugte und ganze Familien ins Elend stürzte. Religiöser Wahn, genau so schädlich wie Trunksucht oder Drogenabhängigkeit. Der Jesus, den ich meine zu kennen, wäre entsetzt darüber, was in den 1500 Jahren nach ihm aus seiner Lehre gemacht wurde, von der Frühkirche bis ins Mittelalter. 

Ein gewisser Mangel an Mystik in unseren modernen Kirchen ist wohl auch der Grund für die neue Erstarkung alter Religionen. Vom Neu-Heidentum bis zum Buddhismus finden Menschen ihre mystischen Bedürfnisse und Sehnsüchte eher erfüllt als in den Kirchen. Vor diesem Hintergrund hat die grundsätzliche Diskussion über Ein-Gott-Glauben, Dreieinigkeit und Vielgötterei nach meiner Meinung überhaupt keinen Sinn. Sie ist gefangen in unserer menschlichen irdischen Vorstellungswelt und basiert nur auf theoretischen theologischen Konstrukten. Das metaphysische Gefühl bleibt dabei auf der Strecke.

Ein-Gott-Glaube, Monotheismus

Der Glaube an einen einzigen Gott ist natürlich keine Erfindung der Juden oder Christen. Schon in der 18. Dynastie des Alten Ägyptens (Neues Reich, um 1340 v. Chr) führten  Amenophis III., Echnaton und Nofretete den Glauben an einen Gott Aton (die Sonne, eine andere Form des Gottes Re) ein. Indem Echnaton Aton über alle anderen Götter stellte, machte er sich viele Feinde. In seinem Sonnengesang, auch Großer Sonnenhymnus oder Aton-Hymnus, verehrt er den Sonnengott Aton als Schöpfer und Erhalter der Welt und des Lebens. Sogar physikalisch gesehen hat er damit natürlich recht. Ohne die Sonne gäbe es das Leben auf der Erde nicht, und unser Planet wäre ein tiefgefrorener Eisball im Universum. So wie Echnaton seine Verehrung für den einen Gott in seinem Sonnenhymnus äußert, finden wir es ähnlich in späterer Zeit zum Beispiel im Psalm 104 unserer Bibel wieder oder im Sonnengesang des Franz von Assisi.

Nach meinem Gefühl ist die geistige Welt und damit Gott so universell, dass Überlegungen wie die Anzahl der Götter oder ihre Namen völlig irrelevant sind. Hier landen wir wieder bei der Bibel und den alten Griechen: »Wir alle sind Teile Gottes!«
Echnaton und Nofretete unter der Sonnenscheibe Aton

Gott in der Quantenwelt?

Je mehr Informationen zur Verfügung stehen, um so mehr kann man extrapolieren. So erinnern die Quanteneffekte heute viele an die Bits der Computerwelt. Da die Wechselwirkungen der quantenmechanischen Zustände außerhalb von Raum und Zeit stattfinden, könnte man unsere Welt mit ihren Elementarteilchen als den perfekten Computer betrachten. Sie haben richtig gelesen: Dieser Computer wäre nicht unheimlich schnell, Geschwindigkeit bedarf der Zeit, nein, alles geschähe ... (hier müsste ein Wort hin, das nicht mit der Zeit zusammenhängt, selbst augenblicklich oder gleichzeitig wären falsch!). Leider lässt sich das bis jetzt (noch) nicht praktisch nutzen. Selbst Anton Zeilingers Experiment der Quantenteleportation, dessen Name so vielversprechend klingt, ist noch sehr weit davon entfernt, praktische Anwendungen zu bauen und von einem Einblick in die komplexen quantenmechanischen Vorgänge des "Jenseits" sind wir noch viele "Quantensprünge" entfernt. Die  Kelten und ihre Druiden nannten das Jenseits Anderswelt. Wahrscheinlich ist diese jenseitige Welt so total anders, dass wir sie uns auch mit den phantasievollsten Gedanken und Träumen nicht annähernd vorstellen können.

Bis zur Entwicklung von Quantentheorie, Quantenmechanik und Quantenphysik, die mit Physikern wie Max Planck, Niels Bohr und Werner Heisenberg verbunden sind, galt die Lichtgeschwindigkeit als absolute Obergrenze für alle Ursache-Wirkung-Effekte. Im Grunde gilt das heute noch, wenn man berücksichtigt, dass Quanteneffekte außerhalb der Zeit stattfinden und deshalb das Wort Geschwindigkeit dafür überhaupt nicht angewandt werden kann. Der dänische Physiker Niels Bohr (1885 bis 1962) soll einmal gesagt haben: »Wer über die Quantentheorie nicht entsetzt ist, der hat sie nicht verstanden.« Ich maße mir natürlich nicht an, sie zu verstehen, bin aber trotzdem entsetzt!

Vielleicht waren die Nachfolger des Pythagoras, der in allem Zahlen entdeckte, und im Verhältnis der Zahlen die Harmonie und Ästhetik der Welt sah, genauso entsetzt, als sie die Irrationalen Zahlen fanden und Euklid sogar ihre Existenz beweisen konnte. Die Irrationalen Zahlen sind natürlich nicht irrational im Sinne von "unvernünftig" oder "mystisch", aber sie passten nicht ins harmonische Weltbild der Pythagoräer. Heute haben wir uns an sie gewöhnt und √2 oder π bringen unser Weltbild nicht mehr durcheinander. Das Wurzelzeichen wurde übrigens erst 2000 Jahre nach Pythagoras erfunden, was die großartigen Leistungen der Alten Griechen verdeutlicht. Nach der Zeitenwende geriet vieles davon in Vergessenheit. Erst nach dem Ende des Mittelalters, in dem die Kirche den Menschen das Denken verbot, wurde es in der Renaissance wiederentdeckt und musste erst einen jahrhundertelangen Kampf gegen die Kirche ausfechten, bevor es sich langsam wieder durchsetzen konnte und schließlich die Grundlage unserer heutigen modernen Welt bildete.

Die seltsamen Effekte der Quantenmechanik rufen natürlich auch die Esoteriker und Mystiker auf den Plan. Sie haben über die rätselhafte Quantenfeldtheorie hinweg eine Quanten-Mystik entwickelt, welche die seltsamsten Blüten hervorbringt. Dabei wird ausgenutzt, dass dieses Gebiet der Physik so wenig anschaulich und selbst für Physiker noch sehr rätselhaft ist. Je nach Einstellung wird der Begriff Quantenmystik ehrfürchtig ausgesprochen, in Anführungszeichen lächerlich gemacht oder abwertend in die Schublade "verrückt" gelegt. Es ist zwar vieles möglich, vielleicht ist das der Weg zur geistigen Welt, zu Gott, vielleicht aber auch nicht. Ich tendiere eher zu Letzterem. Das Geistige ist wahrscheinlich noch viel andersartiger, als wir es uns heute auch nur im Entferntesten vorstellen können.

Das Bemerkenswerteste ist, dass ausgerechnet die Physik, der man ja immer Gottesferne nachsagt, in der Quantenmechanik den Beweis liefert, dass es eine Welt jenseits von Raum und Zeit und von Kausalität gibt. Wenn es einen Gott gibt, dann ist er irgendwo dort in dieser Welt zu suchen. 

Max Planck 1901
Max Planck 1901
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Niels Bohr 1922
Niels Bohr 1922
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Werner Heisenberg 1933
Werner Heisenberg 1933
Foto: Deutsches Bundesarchiv,
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Albert Einstein 1921
Albert Einstein 1921
Foto: Ferdinand Schmutzer,
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Kommunikation mit Gott

Zu allen Zeiten versuchten die Menschen mit den Göttern oder der geistigen Welt in Verbindung zu treten. Die Kontaktaufnahme ist jedoch immer nur subjektiv wahrnehmbar. In unserer heutigen rationalen und kritischen Zeit vermutet man dabei natürlich sofort entweder Betrug oder zumindest Selbsttäuschung aufgrund von Wunschdenken. Als Gegenargument werden oft MRT-Untersuchungen des Gehirns angeführt, die bei gläubigen Menschen andere Aktivitäten im Gehirn anzeigen, wenn sie sich mit transzendenten Themen befassen, als bei nicht gläubigen. Selbst mit halluzinogenen Drogen wird dabei experimentiert! Andere Gehirnaktivitäten sind eben kein Beweis für eine Kontaktaufnahme mit Gott oder Transzendenz, sondern eben nur der subjektive Unterschied im Denken der Personen. Die Druiden der Kelten, die Priesterinnen der Germanen, die betenden Christen genauso wie die Priester der Maya oder der meditierende  Buddha, ob in Trance durch stundenlangen ekstatischen Tanz oder durch Drogen, objektive Beweise wird es nicht geben, es sei denn Gott spricht wieder mit uns wie im Alten Testament. Selbst die Nasca-Linien (Nazca-Linien) und Geoglyphen waren ein Versuch, mit den Göttern im "Himmel" in Kontakt zu treten. Eine Antwort scheint es nicht gegeben zu haben, denn die Nazca-Kultur erlosch.

Alle suchten sie am Himmel, denn dort gibt es die wunderlichsten Erscheinungen von der Sonnenfinsternis bis zum Gewittersturm. Und da die Götter so hoch oben sind, muss man irgendwie auf sich aufmerksam machen. Durch Tieropfer oder gar Menschenopfer zum Beispiel. Ein Teil der Körper wurde fast immer verbrannt. Auch in unserer christlichen Bibel, im Alten Testament, erteilt Mose die entsprechenden Anweisungen dazu. Das Fett der Tiere sollte am Altar verbrannt werden. Der aufsteigende Rauch sollte die Götter im Himmel aufmerksam machen. Die Nasca-Geoglyphen mussten große Figuren darstellen, damit sie den hoch oben wohnenden Göttern auffielen. 

Von dieser Vorstellung, Gott wohne hoch oben, kommen wir immer mehr ab. Im Englischen gibt es sogar zwei verschiedene Wörter für den Himmel über uns und den Himmel des Jenseits. Das Geistwesen Gott suchen wir überall und nirgends, auf jeden Fall allgegenwärtig, unabhängig von Raum und Zeit. Vielleicht finden es ja irgendwann die Elementarteilchen-Physiker im Allerkleinsten. Vielleicht ist es das Ziel der Evolution und des ganzen Universums, eines Tages so weit zu kommen, um objektive Kommunikation mit unserem Schöpfer aufzunehmen. Wer weiß? Meine Generation wird es nicht mehr erleben. So weit sind wir noch lange nicht!

Greift eine Höhere Macht in unser Leben ein?

Kamen Sie sich nicht auch schon manchmal vor wie ferngesteuert? Sowohl negative als auch positive Ereignisse häufen sich manchmal eine bestimmte Zeit lang, ohne dass wir das beeinflussen können. Hakan Nesser hat diesen Effekt in seinem Roman Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod einmal als "Verdichtungen im Handlungsstrom" und als "Wogen in der Zeit" bezeichnet. Man kann solche Häufungen natürlich als psychologischen Effekt oder als selektive Wahrnehmung ansehen. Ich glaube jedoch, "subjektiv erlebte objektive Hinweise" (sehr persönlicher Art) für das Eingreifen oder den Einfluss auf unser Leben von "Außen", also außerhalb von Physik, Kausalität und Zufall zu haben. Nicht so deutlich und viel diffiziler als zu biblischen Zeiten, als "Gott" noch zu den Menschen sprach. Und objektive Beweise gibt es natürlich nicht!

Ebenso verhält es sich mit völlig unabhängigen Ereignissen, die irgendwie zusammenzuhängen scheinen, was Köstler als Synchronizität bezeichnet, erwähnt z.B. von Jo Nesbo in Die Larve. Auch C.G. Jung und W. Pauli haben sich mit diesen "sinnvollen Zufällen" befasst und haben sie als [nachträgliche] Korrelationen durch Zusammentreten in einem Sinnmuster erklärt. Manche Parapsychologen versuchen, die Synchronizität mit an sich physikalischen Effekten und Theorien zu erklären, wie der schwachen Quantentheorie, auch Verallgemeinerte Quantentheorie VQT. So weit ich das überhaupt verstehen kann, klingt das doch schon sehr weit hergeholt und esoterisch. Statistische Korrelationen von Verschränkungs-Effekten sind eben genausowenig beweiskräftig wie nachträgliche Sinngebung von Zufallselementen. Oder eben die Einflussnahme einer lenkenden geistigen Macht.

Greift Gott oder eine andere höhere Macht zum Guten oder Bösen ein? Im Mittelalter war die Frage leicht zu beantworten: Gott zum Guten und Satan zum Bösen, und beide stehen im Widerstreit. Durch die Erbsünde wurden die Menschen schwach und anfällig gegen das Böse, Jesus hat uns gerettet, aber trotzdem sollten wir alle schön brav sein. Egal ob Kriege oder persönliche Schicksalsschläge, auf die Frage "Warum hat Gott das nicht verhindert?" hört man oft Sätze wie "Gottes Wege sind unergründlich." oder "Es wird sich schon alles fügen, im Jenseits ergibt alles einen Sinn." Das mag durchaus sein, aber diese Schicksale bleiben unergründlich, unbefriedigend und rätselhaft. An dem Punkt ist man versucht, doch wieder alles dem ungelenkten Zufall zuzuschreiben. Die Belastung durch die sogenannte Erbsünde würden weltlichere Philosophen vielleicht als Krankheit der Gesellschaft bezeichnen, oder etwas gelehrter als soziale Pathologie.

Vielleicht sollten wir die oft gestellte Frage "Ob es das Schicksal heute gut mit uns meint?" etwas wörtlicher nehmen. Redewendungen haben oft eine unbewusste tiefe Bedeutung. Jedoch wird eine lenkende Macht wohl eher das Große Ganze im Auge haben und weniger auf das Wohlergehen eines Einzelnen rücksicht nehmen. 

Vielleicht geschieht das Eingreifen auch, um das Leben interessanter zu machen. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass das ewige Leben im Paradies doch mit der Zeit langweilig werden müsste. Selbst wenn wir die Entwicklung auf der Erde und im Kosmos von dort beobachten könnten, ist ein ewiges Leben einfach nicht vorstellbar. Die Lösung ist ein Dasein außerhalb der Zeit, obwohl wir uns das auch nicht vorstellen können. Da Langeweile schon im Begriff die Zeit (Weile) enthält gäbe es sie dann nicht. Nun, wir werden alle erleben wie es weitergeht. Keiner wird vergessen.

Schicksal oder Zufall? Extrembeispiel!

Wie wenig wir darüber wissen, wie sich ein Mensch und sein Verhalten auf den langfristigen Verlauf der Geschichte auswirkt, möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen: Fragt man jemand, was er tun würde, wenn er in der Zeit zurückreisen und dort etwas ändern könnte, denken bestimmt viele daran, Adolf Hitler Adolf Hitler - Bücher Adolf Hitler im Büchershop meiner Tochter vor der Machtübernahme zu töten. Zweifellos würden sie damit vordergründig Millionen von Menschen das Leben retten, die im Zweiten Weltkrieg und in den  Konzentrationslagern umkamen, das will ich nicht anzweifeln. Denkt man jedoch unvoreingenommen weiter, kann man ohne Weiteres auch zu einem anderen Urteil kommen: Das Denken zwischen den Weltkriegen war in vielen Bereichen noch militärisch, auch im zivilen Leben. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche Deutschlands EKD, Renke Brahms, warnte erst im Jahr 2013 wieder vor einer Eigendynamik des militärischen Denkens. Die Schmach des verlorenen Ersten Weltkrieges mit den ungelösten weltpolitischen Folgen bis zur Dolchstoßlegende saß lange Zeit tief in den Köpfen. Erst durch den Zweiten Weltkrieg wurde den Menschen die Sinnlosigkeit und Abscheuligkeit des Krieges in die Köpfe gebrannt. Vorher war der Krieg immer noch wie nach dem preußischen General Carl von Clausewitz »Die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln«.

Hätte es Hitler nicht gegeben, wäre dieses Denken länger erhalten geblieben und in die Zeit der Atomwaffen gelangt, in der die Menschheit erstmals die Möglichkeit bekam, sich selbst vollständig zu vernichten. Selbst mit den Schrecken des letzten Weltkriegs vor Augen, stand die Welt schon ein paarmal am Rand einer solchen Katastrophe. Was wäre geschehen, hätte der Zweite Weltkrieg 20 Jahre später stattgefunden? Möglicherweise gäbe es die Menschheit jetzt nicht mehr! Natürlich wäre es falsch, Hitler jetzt als den Retter der Menschheit zu betrachten! Vieleicht war er in diesem Szenario einfach der Böse, der seine Aufgabe zu erfüllen hat in der Welt. Ist es nicht auffällig, wie er mehrere Anschläge wie durch ein Wunder überlebt hat? War es Schicksal oder sogar ein Eingreifen einer "höheren Macht"? Er nannte es "Vorsehung"! Vielleicht hat er überleben müssen, damit die Menschheit weiterbesteht. Vielleicht war dies einfach seine Aufgabe im Leben. 

Damit möchte ich die Verbrechen der Nazis nicht kleinreden oder die Taten Hitlers entschuldigen oder gar rechtfertigen. Böses bleibt böse, auch wenn es irgendwann vielleicht Gutes bewirkt, aber das Denkmodell ist logisch. Die Vorwerfbarkeit von Verbrechen gerät auch in unserem Strafrecht immer wieder in Konflikt mit Erkenntnissen von Psychologen und Psychiatern, und stößt auf die Theorie, dass es Freien Willen überhaupt nicht gibt, er wäre nur eine Illusion. Schützen müssen wir uns trotzdem vor dem Bösen, zum Beispiel indem wir Straftäter einsperren, das ist eben unsere Aufgabe in diesem Spiel. Eine Folge aus obigen Erkenntnissen war bei uns die Abschaffung der Zuchthausstrafe mit der Großen Strafrechtsreform von 1969, in der DDR sogar schon ein Jahr früher. Aus christlicher Sicht überließ Gott den Menschen mit Adam und Eva die Entscheidung, ob sie den Apfel vom Baum der Erkenninis essen oder nicht. Freier Wille als Wunschtraum und Schöpfungs-Legende?
 

Werden unsere Taten in einem "großen Buch" aufgeschrieben oder gespeichert?

Die Informationen und unser Dasein in der Quantenwelt oder einer andersartigen geistigen Welt außerhalb von Raum und Zeit können auch durch die größte denkbare Explosion nicht zerstört werden. Das wäre so abwegig, als hätten wir die Befürchtung, durch ein Feuer in einem Film könnte die Leinwand oder das Kino zerstört werden. Deshalb übersteht unser "Leben" in diesem "Jenseits" sogar den Untergang der Welt, weil es außerhalb aller Ereignisse in diesem Kosmos, außerhalb unserer Zeit existiert, zu welchem Zweck auch immer. Alles wird gespeichert, nichts geht verloren, nicht mal in einem Schwarzen Loch.

So wie in A.I. - Künstliche Intelligenz von Brian Aldiss, Steven Spielberg und Stanley Kubrick, in dem David gesagt bekommt: »... dass in der inneren Struktur der Raumzeit selbst, Informationen über alle Ereignisse gespeichert sind, die sich jemals in der Vergangenheit zugetragen haben.« Auch Geschöpfe wie der künstliche David in dem Film oder  Pinocchio in dem alten Märchen könnten ein Bewusstsein und eine Seele haben. Wissen werden wir das nie.
Haley Joel Osment als David in A.I. - Künstliche Intelligenz
Der zwölfjährige Haley Joel Osment
als David in A.I. - Künstliche Intelligenz
Viele haben es ähnlich ausgedrückt, Matthias W. Seidel aus Schönwald im Fichtelgebirge geht sogar so weit, diesen Informationen eine Rückkopplung auf unser gegenwärtiges Leben zuzugestehen, wie in seinem Fichtelgebirgskrimi Zeitelmoos: »Die Gesamtheit all unserer Handlungen und Taten, die guten wie die schlechten, finden sich in den Ereignissen, die uns widerfahren. Wir alle sind durchtränkt davon«, oder die Informationen möglicherweise sogar auszulesen, wie in Epprechtstein: »Ich meine, dass jedes außergewöhnliche Ereignis seiner Umgebung einen Stempel aufdrückt. Ähnlich wie ein Fingerabdruck. Oder nein, mehr noch: Dass das Ereignis selbst sich wie ein Hologramm in die Materie einbrennt. In jedes einzelne Atom. Es braucht nur eines Mediums, um die ganze Wahrheit zugänglich zu machen«.
Ich denke, das Prinzip ist richtig, aber Formulierungen wie "jedes einzelne Atom" oder Wörter wie "Umgebung" oder "Materie" gehören hier nicht her. Alle Begriffe, die Raum und Zeit betreffen, sind für die geistige Welt nicht anwendbar. Für diese gibt es keine menschliche Sprache, weil wir sie uns nicht vorstellen können. Die Ereignisse brauchen überhaupt nicht gespeichert zu werden, denn von außerhalb der Zeit und des Raumes gesehen, sind sie allgegenwärtig, egal wo und wann, vergangen oder bevorstehend, alles ist für "Gott" eins. 
Hinduismus - Gott Ganesha
Die hinduistische
Gottheit Ganesha
Foto: Erwin Purucker
von Reise-Andenken
aus  Indien
Jesus Christus auf dem Turiner Grabtuch
Jesus Christus auf
dem Turiner Grabtuch
Foto: Gemeinfrei nach Wikipedia
Buddha Siddhartha Gautama
Buddha Siddhartha Gautama
Foto: Erwin Purucker
in  Sri Lanka

Die Götter der Völker

Woher kommen dann aber die vielen Götter?
Völlig unabhängig voneinander haben sich die verschiedenen Kulturen
vor tausenden von Jahren Götter erschaffen.

Als vor vielen Tausenden von Jahren die Menschen begannen, über sich selbst und den Sinn ihes Daseins nachzudenken, entstand der unbefriedigende Zustand, dass man mit seinem Denken schnell an unüberwindliche Grenzen stößt, wenn man sich mit solch grundsätzlichen Dingen wie das Leben vor oder nach dem Tod befasst, oder auch nur mit dem Leben an sich. Einige füllten diesen leeren Raum mit Phantasie. Durch das Bedürfnis nach Erklärungen verbreiteten sich die besten Geschichten und wurden zu Mythen, zu Glauben, von den Naturreligionen über die Götterwelt der alten Griechen und Römer bis zum alten Testament. Allen Völkern ist jedoch eines gemeinsam: Dieses Gefühl, dass da etwas fehlt, dass da etwas ist, was wir nicht wissen (können? dürfen?). Und sie füllten es mit Mythen, mit Religion. 

Dass die Vorstellung der jenseitigen Welt und der Götter
in den Völkern und Zeitaltern völlig verschieden ist,
halte ich für einen Beweis, dass unser Denken keinerlei Zugang
zu echten Informationen über dieses Jenseits hat,
sonst wären überall die gleichen Gottesvorstellungen entstanden.

Ist Jesus ein Gott?

Jesus gehört eigentlich, wie z.B. Buddha Siddhartha Gautama, nicht zu den Göttern. Sie waren ja Menschen und gehören daher eher zu den Urhebern dieser Mythen. Jesus ist meiner Meinung nach nicht mehr und nicht weniger ein Gott oder ein Gottessohn wie wir alle. Wenn er von "seinem" Vater im Himmel spricht, meint er damit auch "unseren" Vater im Himmel. Deshalb beten wir ja auch das Vaterunser. Er selbst hat sich nie als Gott bezeichnet. Zum "Gott" hat ihn erst die Kirche gemacht mit ihrem Dogma der Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit oder Trinität, die sich erst im 4. Jahrhundert in den Jahren nach dem Konzil von Nicäa durchsetzte, also eindeutig menschengemacht ist. Die Gegner der Dreieinigkeit und damit vor allem die Lehre der Arianer, konnten sich nie gegen die konventionelle katholische Kirche durchsetzen. Ihre Vertreter wurden verfolgt und bekämpft.

Jesus sagt es in diesem Zusammenhang übrigens selbst:
Als er im Winter in Jerusalem zur Tempelweihe in der Halle Salomos umherging, warfen ihm die Juden Gotteslästerung vor, weil er sich als Gott bezeichnet hätte. Er weist sie darauf hin, dass schon in den alten Schriften steht: "Ich habe gesagt, ihr seid Götter" (Evangelium des Johannes 10, Vers 34).
Damit sagt er ganz eindeutig, dass er nicht mehr Gott oder Gottes Sohn ist, als wir alle!
Er bezieht sich dabei wahrscheinlich auf Asaf (Assaph), der schon 1000 Jahre früher schrieb "Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten" (82. Psalm, Vers 6). In der griechischen Mythologie gibt es eine noch ältere Überlieferung: Von der mythischen Gestalt Hermes Trismegistos, einer Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes mit dem ägyptischen Gott Thot, soll der Ausspruch kommen "Wisst ihr nicht, dass ihr Götter seid?".

Als gebildeter Mensch, der zumindest teilweise im damals fortschrittlichen  Ägypten aufwuchs, kannte Jesus sicher die Schriften der alten  Griechen und natürlich die Psalmen im Tanach (Tenach), der hebräischen Bibel. Auch die Gleichnisse sind keine Erfindung Jesu. Schon Sokrates und Platon nutzten dieses rhetorische Mittel zur Erklärung und Veranschaulichung, zum Beispiel im Sonnengleichnis, Liniengleichnis und dem bekannten Höhlengleichnis. Aristoteles setzte die Tradition fort, was schließlich zu einer Rhetorik mit Gleichnissen und Parabeln führte.

Viele Aussagen Jesu klingen auch ähnlich den buddhistischen Weisheiten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Jesus auch Siddhartha Gautamas, des Buddhas, Lehren kannte, der schon 500 Jahre vor Christus lebte. Vielleicht konnte er in Ägypten in der Bibliothek von Alexandria schmökern. Wann sie zerstört wurde, weiß man nicht und der junge Jesus taucht in der Bibel nur als Kleinkind und einmal mit zwölf Jahren auf. Bei der nächsten Erwähnung in Kapernaum (Kafarnaum) am  See Genezareth war er schon Ende Zwanzig. Auch Parallelen zwischen Jesus und Sokrates kann man finden. Das Wissen über die griechischen Philosophen war vor allem in Ägypten verbreitet, dort hat Jesus es kennengelernt, nicht in Israel. Und so wie Sokrates trotz provokanter aber eigentlich harmloser Fragen und Thesen zum Selbstmord mit dem Schierlingsbecher gezwungen wurde, hat man ihn gekreuzigt. Irgendwie waren sie beide tragische friedliche Freiheitskämpfer mit dem Wort.

Die Verklärung Christi von Raphael (Transfiguration)
Kunstdrucke und gerahmte Bilder von
Raphael erhalten Sie  hier!
Die Dreieinigkeit und mit ihr die Gottwerdung Jesu sind wohl einer der empfindlichsten Ansatzpunkte für Kirchenkritiker, nicht nur Atheisten, sondern auch gläubige Christen und sogar studierte Theologen. Neben der Auffassung, Jesus sei als Sohn Gottes von vornherein göttlich (zumindest göttlicher als alle anderen Menschen), entstanden viele Bibelauslegungen darüber, wann und wo Jesus zum Gott wurde. Alle wirken auf mich mehr oder weniger legendenhaft. Höhepunkt der Gottwerdung ist schließlich die Himmelfahrt, über welche die kritischen Meinungen von bewusster Lüge über die Raumfahrt eines Außerirdischen bis zum religiösen Wahn reichen. Viele apokryphen Evangelien enden auch schon mit der Kreuzigung.

Oft wird als Ort und Zeitpunkt die Verklärung Jesu auf einem Berg genannt. Bei Lukas, Kapitel 9, Vers 29 heißt es, dass sich das Gesicht Jesu veränderte, während er betete, und dass sein Kleid weiß wurde und glänzte. In außerbiblischen Überlieferungen wird das Geschehen auf den Berg Tabor im heutigen  Israel verlegt.

Diese sogenannte Apotheose, also die Erhebung eines Menschen zu einem Gott, eine Art Metamorphose, inspirierte auch viele Maler. Nicht nur Jesus, sondern auch Maria, andere Heilige und sogar Kriegshelden wurden dargestellt, wie sie mit einem überirdischen Licht leuchten. Für Maler natürlich eine Herausforderung und eine gute Möglichkeit, eindrucksvolle Bilder zu schaffen. Am bekanntesten ist wohl das Gemälde von Raphael: Die Verklaerung Christi. Man nennt den Vorgang auch Transfiguration. Sobald etwas einen griffigen, gelehrt klingenden Namen hat, wirkt es schon viel glaubhafter, ja selbstverständlicher. So haben Theologen schon immer die Welt erklärt. Man braucht etwas nur einen wissenschaftlich klingenden Namen geben und schon wird es Teil einer selbstverständlichen Wirklichkeit. 

Was wir persönlich glauben, ob Kirchenmitglied oder nicht, bleibt in unserer freiheitlichen Welt uns selbst überlassen. Wir brauchen keine Angst mehr zu haben, dass uns ein Inquisitor einkerkert und auf dem Scheiterhaufen verbrennen lässt.

Sind wir alle Teile Gottes?

Jesus sagt das ganz eindeutig: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch!" (Evangelium des Lukas 17, Vers 21). In neueren Übersetzungen heißt es auch "das Reich Gottes ist mitten unter euch" oder "Gott wohnt in jedem Menschen". Der Levit Asaf, der Chorleiter unter König David, weitere 500 Jahre früher, sagt ähnliches: »... Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten. ...« (Psalm 82,6). Und über 2000 Jahre später, im 12. Jahrhundert nach Christus sprach Hildegard von Bingen von der »Göttlichen Liebe in uns selbst«. Daraus folgt: Dass die Seele (ich, wir) nach dem Tod des Körpers oder am Jüngsten Tag in die Hölle oder gen Himmel wandert, ist eine Erfinung der frühen Kirche. Sie braucht nicht zu wandern.
Unser Geist, unser Bewusstsein, also wir selbst an sich, waren immer Teil der geistigen Welt, sind es in jedem Augenblick und werden es immer sein, völlig unabhängig von Leben und Sterben, Raum und Zeit, gut oder schlecht, gläubig oder ungläubig!

Es gibt viele weitere Beispiele: Der griechische Philosoph  Platon Bücher über Platon spricht vom "Bewusstsein der Welt" und nach der Pistis Sophia soll auch Jesus nach seiner Auferstehung zu den Jüngern von einer Art "universalem Bewusstsein" gesprochen haben. Ein weiterer griechischer Philosoph,  Demokrit, soll einige Jahrzehnte vor Platon gesagt haben: "Da flehen die Menschen die Götter an und wissen nicht, dass sie die in sich selber tragen". In anderen Übersetzungen bezieht sich der Satz nur auf die persönliche Gesundheit: "Da flehen die Menschen Götter an um Gesundheit, und wissen nicht, dass sie die Macht darüber selbst besitzen." Der schweizer Psychiater C. G. Jung wird oft damit in Verbindung gebracht, als er vom "kollektiven Bewusstsein" sprach. Er hat es aber, glaube ich, eher weltlich gemeint und nicht metaphysisch.

Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Menschen und Göttern? Wenn wir so etwas wie eine Software sind, stelle ich mir Gott als eine Art allumfassendes Bewusstsein vor. Die Lebewesen, ihr Geist und ihr Bewusstsein sind dann so etwas wie vorübergehende Abtrennungen davon. Ein Programmierer würde dies Prozedur oder Funktion nennen. Prozeduren haben normalerweise auch keinen Zugang zu den Variablen des Hauptprogramms, außer dies ist ausdrücklich vorgesehen. Sollte es doch Menschen geben, die etwas Zugang zum Jenseits haben, vom Schamanen bis zum Wahrsager - woran ich nicht so recht glauben kann - dann handelt es sich vielleicht um Programmierfehler. Nach unserem Tod gehen wir wieder ein in dieses allumfassende Bewusstsein, von dem wir immer ein Teil blieben. Letztlich sind wir also ein Teil Gottes. Es gibt keine Trennung zwischen Göttern und Menschen.

Auch kann man darin Parallelen zum Pantheismus sehen, der jedoch von verschiedenen Menschen und in verschiedenen Epochen sehr verschieden interpretiert wird. Während Baruch Spinoza Gott und Natur als äquivalent betrachtete, sahen andere Parallelen zwischen Pantheismus und Atheismus. Viele Philosophen des Platonismus machten sich ganz ähnliche Gedanken über etwas, das Platon vor 2500 Jahren "Das Eine" nannte und damit ein höchstes Prinzip meinte. In der Metaphysik der Neuplatoniker im römischen Reich spielte dieses unum eine Hauptrolle. 

Gottesbeweise

Vor tausend Jahren glaubte der Scholastiker Anselm von Canterbury durch eine Meditation über das Wesen Gottes den ontologischen Gottesbeweis gefunden zu haben, indem er behauptete, Gott sei das größte Denkbare. Wenn man also denkt, »Was ist größer als das Universum und was ist so groß, dass nichts Größeres gedacht werden kann?« kommt man automatisch auf Gott... Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, vor allem, seit wir wissen, dass der Raum an sich endlich ist und ein "Darüberhinaus" nicht möglich, da es außerhalb unseres Raumes nichts gibt, auch keinen Raum, nicht mal einen leeren. Höchstens vielleicht einen ganz anderen oder bestenfalls eine Welt des Geistes.

Viele haben sich an Gottesbeweisen versucht, viele haben andere widerlegt, von den fünf Wegen Thomas von Aquin's bis zum Gegenbeweis Ludwig Feuerbachs. Und trotzdem wissen wir heute nicht mehr über Gott als die alten Griechen! Die Vielfalt der Ergebnisse, die große Denker in vielen Jahrtausenden hervorbrachten, und die Vielfalt der Glaubensrichtungen in unserer Zeit lässt in Verallgemeinerung Immanuel Kant's Unbeweisbarkeit der transzendentalen Ideen nur einen Schluss zu: 

»Wir wissen es nicht!«

Leid durch Religion!

Da wir es nicht besser wissen können, sollten wir uns nicht für eine zu spezielle Form der Gottesvorstellung entscheiden, denn für eine solche Entscheidung fehlen uns die Informationen.
Die Entscheidungen bestimmter Völker für eine bestimmte Gottesvorstellung hat der
Menschheit in den letzten Jahrtausenden nichts wie Kriege, Tod und Leid gebracht!
  • Die Ketzerverfolgungen der Inquisition erfolgten ganz offen im Namen der Kirche und übertrafen die grausamen Menschenopfer der Naturreligionen um ein Vielfaches.
  • Das Verbot der ärztlichen Kunst, weil Krankheiten ja gottgewollt sind, brachte im Mittelalter millionenfaches Leid und Tod.
  • Der Dreißigjährige Krieg, die Kreuzzüge und andere religiös motivierte kriegerische Auseinandersetzungen forderten jahrtausendelang zahllose Tote. Auch wenn in Kriegen die Religion oft nur von Machtinteressen missbraucht wurde und wird, ist sie doch ein bewährtes Mittel, ganz normale vernünftige Menschen aufeinanderzuhetzen, um sich gegenseitig umzubringen.
  • In den Gewaltorgien der Konquistadoren in Mittel- und Südamerika wurden Nichtchristen wie Vieh im Namen Gottes abgeschlachtet.
  • Der Ablasshandel erreichte im Mittelalter Suchtcharakter, wodurch Familienväter ihr Hab und Gut zur Vergebung ihrer Sünden hergaben oder Eltern vor lauter Beten und Wallfahrten die Familienpflichten vergaßen. Verelendungen, Hunger und Krankheit waren die Folgen. Dem Ablasshandel verdanken wir zwar heute viele Kunstdenkmäler und Kirchenbauten, aber zu welchem Preis?
  • Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen bis zum israelisch-arabischen Konflikt und dem Dschihad unserer Tage. Auch aufkeimender christlicher Fundamentalismus, vor allem in den USA, kann der Vorbote neuen Unheils sein.

Kampf der Kulturen nach Samuel Huntington
Vermischung von religiöser und weltlicher Einteilung der Kulturräume
Abb.: Frei nach Wikipedia, Creative Commons
Schaut man auf die Geschichte der letzten Jahrtausende, gewinnt man den Eindruck, dass die Menschen sich geradezu Abgrenzungen suchen, um sich dann gegenseitig zu bekriegen. Mal sind es die Staatsgrenzen, mal Ideologien oder Gesellschaftskonflikte, oder mal eben Religionen. Betrachtet man das 20. Jahrhundert, finden wir erst die Weltkriege um Staatsgrenzen und Macht, dann den folgenden Kalten Krieg um Ideologien. Nachdem diese Kriegsgründe durch die Globalisierung mehr oder weniger in den Hintergrund traten, musste der Kampf der Kulturen herhalten. Und Samuel Huntington definiert die "Kulturen" vor allem wieder über die verschiedenen Religionen, vermischt dann anschließend aber Gesellschaftsformen, Lebensweisen, Traditionen, Glaubensgemeinschaften und Gegensätze zwischen arm und reich zu einem für die westliche Welt eher pessimistischen Ausblick. Muss das sein? Anfang des 21. Jahrhunderts zeichnet sich ab, dass Globalisierung und Multi-Kulti auch in unserer vernetzten Welt wahrscheinlich scheitern werden. Die Menschen wehren sich dagegen und scheinen Abgrenzungen zu suchen. An einer Lösung werden sich noch viele Philosophen und Politiker die Zähne ausbeißen.

Die Schöpfung

Das alles erklärt natürlich auch nicht den Beginn, die Schöpfung. Man kann den Schöpfungsakt vor ein paar tausend Jahren ansiedeln bei Adam und Eva oder vor Jahrmilliarden beim Urknall, oder vielleicht sogar "davor". Führt man die Existenz dieser aufwändigen Welt als Beweis für einen Schöpfer an, weil so etwas kompliziertes und aufwändiges ja nicht von selbst entstehen kann, wie der Kreationismus es tut, muss man folgerichtig auch fragen: Wer hat dann Gott geschaffen? Wenn die Existenz allein der Beweis für einen Schöpfer ist, dann darf man an dieser Stelle nicht aufhören und sagen, für den Schöpfer gelte das nicht! Das führt absolut zu nichts. Wenn es so etwas wie einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, dann hat er uns so geschaffen, dass wir unsere wahre Natur und unseren Ursprung nicht erkennen können, und das absolut. Wir werden das so wenig ändern, wie wir die Naturgesetze ändern können. Alle Informationen, die uns zu irgendeinem Schöpferbild führen, werden immer nur Spekulationen und Phantasie bleiben, oder eben Glauben. Die Schöpfungsgeschichte auf die Spitze trieb der irische Theologe James Usher (Ussher) im 17. Jahrhundert, als er mittels Generationenfolgen im Alten Testament der Bibel den Schöpfungszeitpunkt auf den 23. Oktober 4004 vor Christus, 9.00 Uhr vormittags, datierte.

Wenn es einen Schöpfer gibt, befindet er sich außerhalb von Raum und Zeit. Man kann keine Welt erschaffen, wenn man selbst Teil dieser Welt ist und Ewigkeit ist sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft noch weniger vorstellbar. Die einzige Lösung ist eine Welt ohne Zeit und ohne Raum. Nur was dort ist, können wir Gott, unseren Schöpfer, nennen.

Nimmt man die christliche (kirchliche) Vorstellung von einer Schöpfung, könnte man durchaus von den Eigenschaften dieser Welt auf ihren Schöpfer zurückschließen. Er sagt ja in der Schöpfungsgeschichte wiederholt »Und siehe, es war sehr gut«. Betrachtet man dann den Zustand der Welt in der Gegenwart oder in der Geschichte der letzten Jahrtausende, mit nichts als Kriegen, Leid und Tod, käme man zwangsläufig auf keinen guten Gott, ein Stümper, oder sogar bösartig! Und es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass sich die Welt und die Menschen zum besseren entwickeln werden, dazu braucht man nur die täglichen Nachrichten zu hören.

Man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, wenn Gottes Schöpfung so fehlerhaft ist, dann sieht's im Himmel auch nicht besser aus! Lauter Fehler, Unvollkommenheit und Schmerz. Vielleicht ist er auch nur ein schlechter Programmierer und wir sind ein neu herausgekommenes Computerspiel, dass erst viele Patches braucht, bis es gut läuft, eine Beta-Version. Betrachtet man jedoch die Perfektion der physikalischen Gesetze und Konstanten, kann das wiederum eigentlich nicht sein.

Die Folgerung daraus ist erschreckend: Die Unvollkommenheit ist beabsichtigt! Wäre das Leben fehlerfrei, gäbe es keine Mutation und Selektion und dadurch keine Evolution. Es gäbe uns nicht. Leid und Schmerz sind offenbar erforderlich! Vielleicht dient unsere Freude und Leid, Leben und Sterben einem Gott oder der geistigen Welt zur Unterhaltung, wie wenn wir einen dramatischen Film oder einen Krimi schauen. Das Ziel wären dann nicht paradiesische Zustände, all unsere Friedensgebete wären sinnlos.

In einer fehlerfreien, friedlichen und perfekten Welt wäre das Leben eben langweilig und uninteressant, wie in einem Roman, in dem nichts passiert, eine So-Da-Welt. Nur durch die Gegensätze, gut - böse, richtig - falsch, entsteht unsere bunte abwechslungsreiche Welt und ein Fortschritt, wo auch immer der hinführt, er ist beabsichtigt. Die Weltkriege sind letztenendes nur eine neue Art der Selektion. Offenbar sind auch sie erforderlich, nur wofür? Für die geistige Welt? Vielleicht giert sie aus irgendeinem Grund nach Ereignissen. Hat das Ganze ein Ziel, einen Sinn? Ich halte es für wahrscheinlich. Wozu sonst der Aufwand? 

Die einzig sichere Zusammenfassung ist meiner Meinung nach:
Alleine die Tatsache, dass es uns gibt,
ist der Beweis, dass unser Dasein nicht sinnlos ist,
wozu sonst der Aufwand?!

Die Pascalsche Wette

Blaise Pascal, den wir aus der Schule in Verbindung mit dem Druck am Grunde von verschieden geformten Wasserbehältern kennen, ersann ein Gedankenspiel aus zwei Fragen und den möglichen Antworten:
  • Soll ich an Gott glauben?
  • Gibt es einen Gott?
Darauf gibt es vier mögliche Kombinationen von Antworten:
Meine Entscheidung Tatsächliche Wahrheit Folgen    Gut    Neutral Schlecht
Ich glaube an Gott Es gibt Gott Viel gewonnen (Paradies o.ä.) X    
Ich glaube an Gott Es gibt Gott nicht Nichts gewonnen, nichts verloren   X  
Ich glaube nicht an Gott Es gibt Gott nicht Nichts gewonnen, nichts verloren   X  
Ich glaube nicht an Gott Es gibt Gott Alles verloren (ewige Verdammnis)     X
Daraus folgt, dass es auf jeden Fall günstiger ist, an Gott zu glauben,
da man damit die ewige Verdammnis auf jeden Fall vermeidet
und keine gravierenden Nachteile hat - Opportunismus pur.

Die Nachteile des Glaubens (evtl. weniger Lebensfreude, ideologische Bindung an Dogmen etc.)
werden in diesem Zusammenhang auch als Opportunitätskosten bezeichnet! 
Friedrich Nietzsche hat die Pascalsche Wette übrigens als taktisches Kalkül und vorbeugendes Glauben lächerlich gemacht und verschmäht.

Religion als nützliche Illusion

Ein weiterer hat versucht, sich dem Glauben mit den Gesetzen der Logik zu nähern: Der Psychologe Jesse Bering stellt in seinem Buch "Die Erfindung Gottes: Wie die Evolution den Glauben schuf" unter anderem die Behauptung auf, die Religion wäre als nützliche Illusion im Zuge der Evolution entstanden. Nach seiner Überzeugung steckt die "Anfälligkeit für einen Glauben an das Übernatürliche" schon in unseren Genen. In der Evolution setzt sich nur durch, was im Wettbewerb von Mutation und Selektion Vorteile bringt. Wo liegt der evolutionäre Vorteil der Religion? Ein gemeinsamer Glaube und vielleicht ein zentrales Heiligtum stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, viel mehr als eine (oft wechselnde) Obrigkeit in Form eines Königs oder Anführers. Und der Bau großer gemeinsamer Heiligtümer zwingt zur Zusammenarbeit, von den Steinkreisen des Nordens über die Pyramiden bis zur Kirche eines Dorfes. Zusammenarbeit erfordert intelligente Kommunikation. Auf diesem Weg könnte Religiosität die Grundlage unseres modernen Lebens geworden sein. Einmal angestoßen, greift die Bewegung um sich: Wer nicht glaubt, gehört nicht dazu. Und es ist von Vorteil, dazuzugehören. Die Tatsache des großen Erfolges lässt jedoch keine Aussage über den Wahrheitsgehalt der Inhalte zu.

Gottvertrauen

Das Gegenteil drückt ein Liedtext aus, den Jochen Klepper 1938 in das Kirchenlied Ja, ich will euch tragen schrieb: »Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?« Daraus spricht Gottvertrauen. Schaut man sich die Zustände auf der Welt an, könnte man auch sagen: »Er versagt ständig, obwohl gebetet wird, in der Geschichte, der Gegenwart und wahrscheinlich auch in Zukunft!« Natürlich kann man darauf vertrauen, dass menschliches Leid im irdischen Leben vielleicht mit Glück im Jenseits vergolten wird, aber hat es den als Hexen und Ketzer verurteilten geholfen, wenn sie beteten? Den leidenden Menschen im Krieg, die für Frieden und die Rückkehr der Soldaten beteten? Wem es hilft, der bete! Ob die Gebete erhört werden oder das ganze letztlich nur Psychologie ist, wer weiß es! Jochen Klepper scheint es nicht geholfen zu haben. Im Jahr 1942 nahm er sich zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter selbst das Leben. 

Schlussfolgerung: Gottvertrauen ja, im Hinblick auf die geistige Welt, aber nicht darauf, dass Gott auf der Erde paradiesische Zustände, Friede und Freude herstellt. Dort wo Tod und Leid einen Sinn verfolgen, den wir nicht verstehen, wird Beten nichts nützen, weil das, was wir als "böse" empfinden, letztlich Teil der Evolution ist, natürliche Selektion eben. Ob sich die Menschheit jemals darüber erheben kann ist sehr fraglich. Alle Versuche, ob über Humanismus, Kommunismus oder Religionen muss man über die Jahrhunderte als gescheitert ansehen, und es ist nichts in Sicht, was das ändern könnte.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Natürlich erleben wir nach dem Tod kein biologisches Leben, weder auf Erden noch im Paradies oder gar in der Hölle. Die Lösung und damit auch den Trost finde ich in einem anderen Satz: »Zeit und damit Vergänglichkeit gilt nur in unserer materiellen Welt, in diesem Kosmos. Die geistige Welt existiert außerhalb von Raum und Zeit. Und nach dem Tod des irdischen Körpers bleibt die Seele, bleibe ich, Teil dieser geistigen zeitlosen Welt, so wie es immer war, auch jetzt in diesem Moment.« Unser Gehirn kann sich ein Dasein ohne Zeit nicht vorstellen, aber wir können darauf vertrauen, dass alles einen Sinn hat. Wozu sonst der Aufwand? Die Drohung, dass bösen Menschen der Tod droht und gute in den Himmel kommen ist eine Erfindung der Religionsgemeinschaften, allen voran der frühen Kirche. Angst erleichtert Machtausübung! Trotzdem können Religionen auch einen Sinn haben, wenn sie den Menschen Trost und Zuversicht spenden und helfen, so wie es Jesus tat. In dem Sinn sind auch die Kirchen heute auf einem besseren Weg als vor tausend Jahren. Aber auch wer im weltlichen Leben Atheist war, ist Teil der geistigen Welt und wird es immer bleiben.

Urvertrauen

Man muss den Kirchen vorwerfen, Angst vor dem Leben nach dem (irdischen) Tod geschürt zu haben, völlig überzeichnet im Inferno aus Dante's Göttlicher Komödie. Auf euch Sünder wartet das Fegefeuer und die Hölle, nur die Kirche kann euch erlösen. Das ist Machtmissbrauch, dem erst Martin Luther entgegentrat. Ein Wunder, dass er nicht umgebracht wurde. Mit seiner These, dass Gott grundsätzlich gnädig ist, hat er dem Ablasshandel ein Ende gesetzt und damit nebenbei auch die Finanzierung großer Kirchenbauten ins Wanken gebracht.

Die Angst vor dem Tod ist schädlich und hat vielfach Leid und Tod verursacht, gut beschrieben in dem Satz »And the soul afraid of dying that never learns to live! (Die Seele, die Angst hat zu sterben, lernt niemals zu leben!)« aus Amanda McBroom's Lied The Rose von 1979, unvergesslich gesungen von Bette Midler im gleichnamigen Spielfilm. Die Lösung ist ein Urvertrauen, dass nach dem Tod unseres Körpers auch alle Schmerzen und Angst verschwinden, sie werden ja in unserem Körper, in unserem Gehirn, erzeugt, und das beeinflusst uns dann nicht mehr. Keine Furcht, kein Schmerz, kein Fegefeuer und keine Hölle. Noch ein Lied fällt mir dazu ein: »Von guten Mächten wunderbar geborgen ... « dichtete Dietrich Bonhoeffer 1944 in einem Gefängnis der Gestapo. Er hatte offenbar das unerschütterliche Urvertrauen, um bis zuletzt als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zu argumentieren. Am 9. April 1945 wurde er dafür im  KZ Flossenbürg hingerichtet.

Wie fast alles kann dieses Urvertrauen, mit dem man Leid und Schmerzen hinter sich lassen kann, auch überzeichnet und missbraucht werden. Es ist eben auch gefährlich, wenn Menschen diesen Körper und dieses irdische Leben nur noch als psychischen Kerker, als Seelengefängnis, empfinden. Ein Kerker der Verbitterung kann zu Depression und Selbstzerstörung führen. Wir sollten auch darauf vertrauen, dass dieses Leben einen Sinn hat, auch wenn wir nicht sicher sein können, welcher das ist. Urvertrauen als Quell der Kraft, nicht als Ausweg zur Flucht nach dem Motto: »Egal, mir kann ja nichts passieren!«


Das Reich Gottes

Wer in die Kirche geht, betet es in jedem Gottesdienst: »Dein Reich komme...«. Wie bei so vielem, an das wir uns gewöhnt haben, wie auch die "Dreieinigkeit" im Glaubensbekenntnis, denken wir nicht viel darüber nach. Schon in den Jahrzehnten nach Jesus' Tod am Kreuz erwarteten die Menschen jeden Moment das Kommen des Jüngsten Tages und die Errichtung des Reiches Gottes. Egal ob mit Jüngstem Gericht oder ohne, ist es die Sehnsucht nach dem Ende des irdischen "Jammertals", Wunschdenken eben. Nach herkömmlichem Denken würde es auf der Erde errichtet und wäre wohl eher eine Diktatur Gottes und im Alten Testament ist diese Prophezeiung vor allem auch gegen andersgläubige Völker gerichtet.

Über den Zeitrahmen sagt Jesus zum Beispiel im Markus-Evangelium: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe...«. Auch wenn er bei Matthäus und Markus sagt: »Tag und Stunde weiß niemand ... allein der Vater.«, und "nahe" sehr relativ sein kann, und muss man konsequent feststellen, dass diese Aussage einfach falsch ist. Viele, wie zum Beispiel die Zeugen Jehovas, warten auch jetzt im 21. Jahrhundert unmittelbar auf die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden! "Nahe" ist eindeutig etwas anderes. Für mich ist das Reich Gottes nicht von dieser Welt, kann es nicht sein. Viel mehr suche ich es in der jenseitigen geistigen Welt, jenseits von Raum und Zeit.

Was sollen wir glauben?

Bei der Frage, welche Glaubensinhalte ich für mich annehmen soll, fallen mir vor allem zwei Fragestellungen ein:
  1. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Behauptung
    der objektiven Wahrheit entspricht?
  2. Tut es mir gut und tut es der Menschheit gut,
    daran zu glauben?
Selbst wenn die erste Frage mit »unwahrscheinlich« beantwortet werden muss, mag es für manchen, für ein Volk oder für die Menschheit an sich durchaus Sinn machen, durch ein »Ja« auf die zweite Frage die Glaubensinhalte anzunehmen.

Wen es zufrieden stellt, die Antwort auf die Frage »Glauben oder nicht glauben?« einfach mit »ja« oder »nein« zu beantworten, der möge das tun. Aber die Zeiten in denen selbständiges Denken über die Religion verboten und sogar lebensgefährlich war, sollten endgültig vorbei sein! Zu den einzelnen Inhalten muss auch ein »Eher unwahrscheinlich«, »Das halte ich für möglich.«, »Das halte ich für gut.« oder »Das halte ich für unwahr und schädlich.« erlaubt sein.

Wenn ein Glaube den Einzelnen in seinem Wissensdurst (Glaubensdurst!) befriedigt oder zu einer besseren und friedlicheren Welt führt, hat dieser auch seinen Sinn, jedoch haben viele Religionen tausend- und millionenfache Qual, Gewalt und Tod verursacht oder hemmen Menschen in Ihrer persönlichen Entfaltung, statt sie zu fördern. Würden die Menschen nach den Grundsätzen von Jesus Jesus Christus - Bücher Jesus als Mensch im Büchershop meiner Tochter leben, hätten wir eine bessere Welt. Ganz gleich, ob es einen Gott oder ein Jenseits gibt oder nicht, würden uns seine Lehren gut tun. Leider entfernen sich Religionsgemeinschaften meist von ihren Wurzeln, die christlichen Kirchen nicht ausgenommen. Wie unsere Welt heute aussähe, hätte es Jesus, Mohammed oder Buddha Siddhartha Gautama nicht gegeben, kann niemand sagen.

Die Ungerechtigkeits-Frage

Man kann die Forderung nach Gerechtigkeit hinausschreien oder sich damit abfinden. Man kann sie andeuten, darüber nachdenken und diskutieren. Sehr feinsinnig dargestellt hat sie zum Beispiel der US-amerikanische realistische Maler Andrew Wyeth in seinem Bild Christinas Welt (Christina's World) im Jahr 1948. Fast minimalistisch zeigt es eine Frau in einer Agrarlandschaft vor einem Haus mit einer Scheune. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man an der Haltung der Frau, dass die Bewegung nur von den Armen auszugehen scheint. Die Erklärung ist so einfach wie bedrückend: Bei der Frau handelt es sich um Anna Christina Olson, die sich wegen einer Polio (Kinderlähmung) oder der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit nur noch mit den Armen kriechend fortbewegen konnte. Ihre Fragen liegen nahe: »Womit habe ich das vedient?«, »Warum ich?«.
Ungerechtigkeit und Unglück, gottgewollt oder Naturgesetz?
Abb.: Kunstdrucke und Poster nach Bildern von Andrew Wyeth,
gerahmt und ungerahmt bei

Letztenendes ist die Vorstellung, dass wir im Jenseits (in der Quantenwelt) alle eins sind, auch eine Lösung für die Frage nach Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit. Das Reh, das von einem Luchs getötet wird, kann und darf sich nicht darüber beschweren. Und wir Menschen sind zweifellos Teil dieser Natur, ob es uns passt oder nicht. Natürlich ist es ungerecht, wenn ein guter Mensch leidet und der gemeinste Kriminelle glücklich lebt, der eine hundert Jahre ein erfülltes Leben genießt und der andere schon als Baby stirbt. Aber unser irdisches Leben ist nur der berühmte Wimpernschlag in der Erdgeschichte. Wenn wir in Wirklichkeit alle eins sind, ist das egal. Vielleicht meinte das Jesus, als er sagte: »Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan« (Matthäus 25, Vers 40). Das gilt nicht nur für "Gutes tun" sondern bestimmt auch in dem Sinn: »Was ihr einem anderen angetan habt...«. Für mich war Jesus einfach einer der großen Philosophen.

Wiedergeburt (Reinkarnation, Palingenese)

Diese Betrachtungsweise schließt auch den Glauben an die Wiedergeburt ein. Ganz gleich, ob es im Jenseits eine Unterscheidung zwischen ich und du gibt, sind Reinkarnationen durchaus möglich und logisch denkbar. Da unser Ich, unsere Seele ihren Ursprung außerhalb von Raum und Zeit hat, sind sogar zeitliche Überschneidungen denkbar. Ich könnte also durchaus mir selbst in einem anderen Leben begegnen! Auch damit ist Gerechtigkeit möglich, indem jemand mit einem unglücklichen oder kurzen Leben zum Ausgleich als nächstes mit einem erfüllten Leben "belohnt" wird. Es wäre sogar vorstellbar, dass es nur ein einziges Bewusstsein gibt, und dieses alle Menschenleben nacheinander oder parallel durchlebt. Was ich irgendjemandem antue, würde ich mir also letzendlich selbst antun.

Beweisen lässt sich davon absolut nichts, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird.
Weder Rückführungen in frühere Leben noch dadurch gefundene Brunnen oder Gegenstände aus früheren Leben halten einer objektiven Überprüfung stand. Sogenannte Beweise enthalten oft Selbstverständlichkeiten, und dass sich die Esoterik so großer Beliebtheit erfreut, liegt sicher daran, dass die Menschen es glauben wollen, weil eine Erklärung, so unsinnig sie auch ist, die Leere in uns füllt, die das Nicht-Wissen hinterlässt, und der psychologische Effekt der Selektiven Wahrnehmung erleichtert die Flucht in die Esoterik.

Evolution - Oder doch Schöpfung?


Als Charles Darwin 1859 seine Theorie der Selektion und Mutation vorstellte, klangen die dargestellten Zusammenhänge sehr logisch und viele glaubten schon, die Forschung auf diesem Gebiet sei an einem Ziel angekommen. Obwohl auch heute noch religiöse Fundamentalisten das Alter der Erde auf nur 6000 Jahre beziffern, und behaupten, Gott habe eben die Millionen Jahre alten versteinerten Skelette von Dinosauriern so miterschaffen, dass sie uns so alt erscheinen, ist die Evolutionstheorie doch allgemein anerkannt.

Im Lauf der Zeit fanden sich jedoch Merkwürdigkeiten, die nicht erklärt werden konnten oder die zumindest eine gewisse Anpassung der Theorie erforderlich machten. So schien die Entwicklung vom gemeinsamen Vorfahren von Affe und Mensch zu den heutigen Lebensformen nicht allmählich vonstatten gegangen zu sein, wie man es nach der Theorie erwartet hätte, sondern in plötzlichen Sprüngen, die verschiedene Teile des Körpers gleichzeitig erfassten. Die Frage nach den missing links beunruhigte die Forscher. 

In den plötzlichen Sprüngen der evolutorischen Entwicklung sahen viele doch das Wirken einer höheren Macht, die einen Gott, die anderen Außerirdische. Auch heute versucht man sich in Erklärungen für dieses Phänomen, aber eine richtig schlüssige Lösung habe ich noch nicht gehört. Als Beispiel möchte ich anführen, dass die Menschen zur Zeit der neolithischen Revolution schon ein Gehirn besaßen, das weitgehend dem unseren entspricht. Unser Gehirn hat sich in den letzten 10 000 Jahren tatsächlich kaum verändert. Aber wozu hat der Mensch vor 10 000 Jahren ein Gehirn entwickelt, das herausfinden kann, wie man zum Mond fliegt oder wie man einen Teilchenbeschleuniger baut? Solche Fähigkeiten boten damals keinen Vorteil und hätten nach der Theorie von Mutation und Selektion wieder verschwinden müssen. Unser hoch entwickeltes Gehirn verbraucht bis zu 20% unserer Energie, was damals ein gravierender Nachteil war, unnützer Ballast. Für die damaligen Probleme der Menschen war das Gehirn total überdimensioniert! Eine vorausschauende Erhaltung von eher belastenden Mutationen kennt die Evolution nicht.

Die Schöpfungsgeschichte der Bibel, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde, darf man keinesfalls wörtlich nehmen, das wäre christlicher Fundamentalismus, und der liegt nahe am religiösen Wahn, der den Menschen jahrtausendelang Kriege, Leid und Tod gebracht hat.

Religionen, Glaube, Denken und Wissen heute


Bin ich ein Ketzer?
Erfordert es auch in der heutigen Zeit noch Mut, als Kirchenmitglied von den Kirchen eine
Liberalisierung des Gottesbildes
zu fordern? Ein Glaubensbekenntnis, das man nicht nur so in jedem Gottesdienst vor sich hin sagt, weil es alle so machen, sondern das auch Raum lässt für persönliche Gottesvorstellungen denkender junger Menschen, mit Dreieinigkeit oder ohne. Warum ist in unserer Kirche kein Raum für Leute, die in Jesus nicht einen Gott, sondern einen großen Menschen und Philosophen sehen?
Auch wenn heute einem Kirchenkritiker nicht gleich die Exkommunikation droht, oder zumindest ein Ausschluss aus der Kirche nicht mehr die drastischen Folgen wie im Mittelalter hat, können solche Argumente und Äußerungen schnell zu sozialer Isolation oder sogar Angriffen führen. Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden hat Rosa Luxemburg in einem ganz anderem Zusammenhang gesagt. Aber diese universelle Aussage der freien Meinungsäußerung, festgehalten auch in unserem deutschen Grundgesetz, Artikel 5, sollte auch und gerade für die persönlichen Glaubensgrundsätze gelten, auch für kritisch denkende Christen wie Lothar König, Dr. Manfred Lütz und viele andere in Vergangenheit und Zukunft.

Konservatives Festhalten an alten überkommenen Grundsätzen hat die Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften seit dem Ende des Mittelalters gegenüber Humanismus und Aufklärung in eine defensive Lage gebracht, in der sie in jahrhundertelangen Rückzugsgefechten immer wieder die aussichtslose Verteidigung von Dogmen aufgeben mussten. Heute verstecken sich die Kirchen hinter Jesu Anweisungen der Nächstenliebe und des Gutmenschtums, zweifellos gut und richtig, aber was die mystische Seite der Religion betrifft, verharren sie noch immer bei alten (zweckorientiert menschengemachten) Vorstellungen der ersten Jahrhunderte nach Christus. Die evangelische Kirche ist stolz auf die Reformation Martin Luthers und übersieht dabei, dass auch sie längst wieder Reformationsbedarf hat. Seit 500 Jahren ruht sie sich auf den Thesen Luthers aus, statt diese als den Anfang von Erneuerungen zu begreifen. Statt dessen jahrhundertelange Stagnation und Abwehrhaltung, ein permanentes Rückzugsgefecht vor Aufklärung, Humanismus, Menschenrechten und freiheitlichem Denken.

Aber Menschen, die in einer Religionsgemeinschaft sehr aktiv sind, bewegen sich fast nur in Kreisen mit der gleichen Überzeugung. In einem Gottesdienst gibt es keine Diskussionen, in Bibelstunden und beim Kirchenchor auch nicht. Mit Kritikern befasst man sich besser nicht, das sind alles Ignoranten. Die Folge ist, dass diejenigen in einer, neudeutsch, Meinungsblase leben und nur die eigene Propaganda konsumieren. Diesen Effekt gibt es auf allen Gebieten, nicht nur bei Religionen, man findet ihn in allen Bereichen unserer Gesellschaft, und besonders durch das Internet wird dieses Verhalten bis zum Exzess gesteigert, von der sogenannten Lügenpresse bis zu den Fake News, Hoaxes und  Verschwörungstheorien.

»Wissen macht die Menschen blind und irre. Es kann ihr Herz verschlingen und sie in eine Bestie verwandeln.«
Heute nur ein reißerisches Filmzitat (aus Pakt der Wölfe ), bedeutete der Satz im Mittelalter und bis in die Neuzeit bittere Realität. Wer sich zu viele Gedanken machte und diese auch noch äußerte, lief Gefahr, auf dem Scheiterhaufen zu enden. Auch weltliche Herrscher handelten nach der Maxime: Keine Bildung für das gemeine Volk! Wer nachdenkt, lässt sich nicht beherrschen. Selbst nach Jahrhunderten Aufklärung und Humanismus haben solche Überzeugungen in manchen Ecken der Erde überlebt. Wie könnte es sonst sein, dass fundamentalistische Moslems Schulen zerstören, nur weil sie Mädchen aufnahmen, oder Mädchen töten, weil sie zur Schule gingen. Überraschend ist in diesem Zusammenhang der Trend zu christlichem Fundamentalismus in den USA. Die feste Gemeinschaft gibt den Menschen anscheinend Halt in Zeiten der Verunsicherung zwischen Glauben und Wissen. Aber religiöser Fundamentalismus, der gesicherte Erkenntnisse und Erfahrungen ignoriert, ist immer gefährlich, zu allen Zeiten und aus jeder Richtung! 

Vielen wurde freies Denken zum Verhängnis: Bei Galileo Galilei ging's noch einigermaßen human aus, Jesus kostete es das (irdische) Leben und auch Sokrates verpasste man den Schierlingsbecher. Alles Menschen, die niemendem etwas zuleide getan haben! Kann man tatsächlich nur wirklich frei sein, wenn man nichts zu verlieren hat? Wie Jesus, der nicht einmal davor zurückschreckte, sein Leben zu verlieren, nur weil er unbequeme Reden führte? Vielleicht meinte das auch Janis Joplin, als sie sang Freedom's just another word for nothing left to lose (Freiheit ist nur ein anderes Wort für »nichts zu verlieren haben« in Me and Bobby McGee). Der Erfolg führte sie in ein ganz anderes Leben, mit dem sie nicht zurecht kam und das sie deshalb schon 1970 im Alter von 27 Jahren verließ. Aber lasst uns nicht verzweifeln: Wenn man davon überzeugt ist, dass unser Leben nicht sinnlos ist, dann ist es auch nicht sinnlos, am Leben zu hängen, und wir sollten neugierig darauf sein, welche Aufgaben unser z noch für uns bereithält. Wenn wir diese Aufgaben in diesem Leben nicht erledigen, dann müssen wir das vielleicht in einem nächsten!

Zusammenfassung

  • Dass es keine geistige Welt gibt, die man im weiteren Sinn auch "Gott" nennen könnte, ist das Unwahrscheinlichste überhaupt.
  • Da sich diese Welt außerhalb unserer Wahrnehmung, außerhalb unserer Welt und außerhalb von Raum und Zeit befindet, ist es objektiv unsinnig, sich für eine bestimmte Religion oder eine bestimmte Gottesvorstellung zu entscheiden, und zu meinen, man selbst wäre im Gegensatz zu anderen im Besitz der absoluten Wahrheit.
  • Obwohl ich selbst ähnliches erlebt habe (oder erlebt zu haben glaube), fällt mir keine Möglichkeit ein, sogenannte Gotteserfahrungen von psychologischen Effekten, Wunschvorstellungen oder selektiver Wahrnehmung zu unterscheiden, Ihnen?
  • Entscheidet man sich trotzdem für eine Religion, ist dies sinnvoll, wenn uns, ganzen Bevölkerungsgruppen oder den Menschen an sich diese Entscheidung subjektiv und objektiv gut tut und uns hilft dieses Leben zu bewältigen. In der Vergangenheit überwog leider das Gegenteil.
  • Für eine bestimmte Gottesvorstellung sein Leben zu opfern, zu töten oder gar Kriege zu führen, ist völlig absurd. Es wäre zum Lachen, wäre es nicht so traurig und tragisch.
  • Da unser Bewusstsein, unser Geist, unsere Seele, Teil der geistigen Welt ist, bleibt es auch bestehen, wenn der materielle Körper stirbt, keines geht verloren. In welcher Form weiß niemand, und wird wahrscheinlich auch nie jemand sicher wissen.

Mag sein, dass Sie jetzt sagen: »Das ist ja alles nichts Halbes und nichts Ganzes. Entscheide dich doch mal für eine Seite!« Dem halte ich dagegen: »Das ist genau das Falsche! Das ist Polarisation aufgrund nicht vorhandener objektiver Informationen, und die hat die Menschheit in den letzten 2000 Jahren immer wieder in Krieg und Verderben geführt!« Betrachten wir mal zwei Extreme:
König David:
»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser...«
Richard Dawkins:
»Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.«
Es gibt keinerlei objektive Informationen, die es uns ermöglichen würden, uns sicher für die eine oder andere Meinung zu entscheiden. Deshalb ist etwas ganz anderes wichtig, und ich weiß, dass ich mich inzwischen wiederhole: Ganz gleich, wofür wir uns entscheiden, die Hauptsache ist, dass wir die Einstellung finden, die uns hilft, dieses Leben möglichst sinnvoll und einigermaßen glücklich zu durchleben. Für uns selbst und für die Menschheit. Nur darauf kommt es an! Was danach kommt, werden wir noch früh genug erfahren. Und entgehen können wir dem sowieso nicht. In die Hölle werden wir nicht kommen. Der Teufel und sein heißes Reich wurden von Menschen erdacht. Die Hölle um den Menschen Angst zu machen und sie zu beherrschen und Satan als Ausrede für unsere abgründigen Gedanken, Worte und Werke. Es ist eben leichter zu sagen »Satan hat mich verführt.«, als »Ich selbst habe es so gewollt.«. 

Aber auch noch so gut gemeinte Ratschläge müssen wir immer wieder überdenken und in Frage stellen. Nehmen wir zum Beispiel die Worte Jesu, dass wir die Armen speisen sollen. Das ist doch sowas von gut, besser geht's doch garnicht, oder? Betrachtet man aber die weltliche und kirchliche Entwicklungshilfe der letzten fünfzig Jahre nach diesem Prinzip vor dem Hintergrund des Zustandes der Welt, kann man sie nur als gescheitert bezeichnen! Jesu Anweisung war zu seiner Zeit gut und richtig. Da gab es weder Überbevölkerung noch Bevölkerungsexplosion. In einer Zeit, in der die Weltbevölerung jedes Jahr um 70 Millionen (!) zunimmt, können wir auf lange Sicht möglicherweise den Hunger mit Kondomen besser bekämpfen als mit Essen. Das mag provozierend klingen, aber so müssen wir alle alten Lehren ständig überprüfen und unserer veränderten Welt anpassen, alles andere ist naiv und dient bestenfalls dazu, unser Gewissen zu beruhigen. Weil es uns ja angeblich allen so gut geht! Wenn wir der Welt helfen wollen, ist Pragmatismus gefragt statt gut gemeintem Gutmenschtum, das auf lange Sicht in die Katastrophe führt.

Ratschlag

Lasst uns Sims alle konstruktiv daran arbeiten, den Quantenspeicher und unsere Heimat jenseits von Raum und Zeit mit interessanten Dingen zu füllen! Wem es gut tut oder wer darin Trost findet, an einen ganz bestimmten Gott mit ganz bestimmten Eigenschaften zu glauben, der möge es tun. Ich glaube, wir können nicht wissen, wie dieser Gott und die geistige Welt aussehen. Wichtig ist, dass unsere Einstellung uns, der Welt und der Gesellschaft gut tut.

Ein aggressiver und destruktiver Glaube ist abzulehnen, da seine Anhänger ihre Überzeugungen auch nicht verifizieren können. Damit meine ich nicht nur die Selbstmordattentäter der Islamisten, sondern auch die Inquisition der Kirche oder die Hexenverfolgungen der Christen und jede Gewalt, die sich auf irgend eine Form von Religion oder Glauben gründet.

Auf friedliche Art können wir es halten wie in einem Liedertext von Boyzone:
»No matter what they teach us,
what we believe is true!«
»Ganz gleich was sie uns lehren,
was wir glauben ist wahr!«

Und auf die Frage von Peggy Lee »Is That All There Is?«,
inspiriert von der Erzählung "Enttäuschung" von Thomas Mann,
gibt es nur eine Antwort:

Irgend etwas muss es geben, das von uns bleibt, und
wofür wir leben, sonst hätte alles keinen Sinn!
Wozu dann der Aufwand?
Bitte beachten Sie: © 2010 von Erwin Purucker





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