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Unknown Pleasures [Musikkassette] [US-Import] - Joy DivisionUnknown Pleasures [Musikkassette] [US-Import]
Joy Division

Hörkassette, 17. Oktober 1990
    

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Kundenmeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

"Überschätzt" erhält eine neue Bedeutung      3 von 5 Punkten
Das ist also Joy Divison, die kurzlebige Legende der Punkmusik; die vier jungen Musiker, die mit nur zwei Alben Weltruhm erlangten, und deren epilepsiekranker Sänger sich mit 23 Jahren erhängte. "Unknown Pleasures" gilt als Meilenstein. Beim ersten Mal hat es nicht "Klick" gemacht, beim zweiten Hören auch nicht; und bis heute nicht. Bis heute nehme ich es immer mal wieder mit den besten Absichten aus dem Schrank, ich höre es immer und immer wieder - und kann mir die Popularität von Album und Band dennoch nicht erklären.

Joy Division als Mitreiter der Punkbewegung zu bezeichnen, halte ich zuallererst einmal für falsch, denn mit der Rockmusik der Zeitgenossen wie Sex Pistols oder The Clash hat diese Musik gar nichts gemein: Unknown Pleasures besteht ausschliesslich aus düsteren Basslinien ohne eigene Melodie, und mit extrem heruntergeschraubtem Tempo ein Stil, der am ehesten mit den Goth-Industrialbands aus den 90ern vergleichen lässt.

Mein persönliches Problem hier ist einfach, dass das Album nicht die geringste Abwechslung bietet; von der ersten bis zur letzten Minute ist Unknown Pleasures ein einziger Klangteppich aus Basstönen, unterlegt mit ein wenig improvisierter Schlagzeugrhythmik, mit eigentlich nichtexistentem Wiedererkennungswert. Kompositorisch hat dieses Album nicht das Geringste zu bieten: Es gibt keine Refrains, die hängen bleiben, Melodien, bei denen man mitwippt die einzelnen Lieder tropfen einfach als düstere Fahrstuhlmusik ab und nach 40 Minuten ist das Album vorbei.

Wie alle Musiker, die freiwillig aus dem Leben gingen, geniesst auch der Sänger Ian Curtis Legendenstatus ich persönlich habe arge Zweifel, ob er alleine durch seine musikalischen Fähigkeiten zu ähnlichem Weltruhm gekommen wäre: Seine kraftlose Baritonstimme ist frei von jeder Emotion, die Spannbreite umfasst eine einzige Oktave; und dies erzeugt hier auch leider nicht die Kälte eines Skinny Puppy-Albums sondern fügt sich nahtlos in das bescheidene Tonrepertoire im Hintergrund ein. Die musikalische Armut ergänzt sich wunderbar mit der stimmlichen Armut und hinterlässt eher den Eindruck einer MySpace-Komposition.

"Unknown Pleasures" gilt als Deprimucke, aber ich glaube nichteinmal im tiefsten Jammertal meiner Adoleszenz wäre ich auf dieses Album hereingefallen. Statt echter Emotion gibt es Pathos, statt musikalischem Herzschmerz zähe Klangschleifen aus Bassgeplucker und statt einem Sänger der sich Angst und Hass von der Seele schreit, eine schmalbrüstige Geisterstimme ohne Variation oder Volumen.
"Unknown Pleasures" ist kein schlechtes Album im eigentlichen Sinne, aber es bietet ungefähr dasselbe Hörvergnügen wie das Summen der Heizung oder Regentropfen auf einem Blechdach: Man registriert es als ein nicht unangenehmes Beigeräusch, aber schon nach wenigen Minuten nimmt man es kaum mehr zur Kenntnis.


Der Urknall.      5 von 5 Punkten
Für mich der Urknall der Disrevolution: '89 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin, 16 Jahre nach meiner Geburt, 10 Jahre nach ihrem Erscheinen, 2 Wochen vor dem ersten Begrüßungsgeld, 1 Woche nach dem Beginn meiner ersten Liebe. Eine nacktes, schwarzes Stück Leinwand, in weißen Strichen aufgepinselt: Wut, Verzweiflung und so etwas wie Liebe. Nie wieder hat mich handgemachte Musik so bewegt. Bislang ungekannt war diese Kraft kumulierender Schatten. Ian Curtis' ungeschönter Barriton dröhnte in mein Ohr und ich wußte: das ist meine Seele. "Unknown Pleasures" war kein Punk, kein Pop, kein New Wave. Das war die Quelle all dessen. So leise und laut wie ein erstickter Schrei.

Depression in Perfektion      5 von 5 Punkten
Dieses Meisterwerk von einem Album ist nichts für Menschen, die immer fröhlich sind, die sich noch nie völlig verloren und einsam gefühlt haben, die noch nie enttäuscht von der ganzen Welt waren, die sich noch nie nach dem Sinn gefragt haben.
Alle anderen, die sich auf dieses Album einlassen (wollen), werden sich verstanden fühlen. Denn die Songs sind sehr düster. Alles, von Drums über Gitarren bis hin zur unglaublichen Stimme Ian Curtis', die mit den depressiven Texten einen Großteil des Sounds ausmacht, ist düster. Und trotzdem ist man überzeugt, dass alles, was man hört, die Wahrheit ist, dass alles stimmt, dass es nicht an einem selbst liegt, der die Dinge und die Menschen und die Welt als sowas Schlechtes sieht. Deswegen hilft es einem, trotzdem es so unfassbar depressiv ist, weiter. Es ist einfach großartig.

"...but I remember when we were young"      5 von 5 Punkten
Manchester, Ende der Siebziger. Die Punkwelle, die mit zwei Gigs der Sex Pistols 1976 angeschwemmt worden ist, infiziert unzählige, orientierungslose und unzufriedene junge Menschen, selbst eine Band zu gründen und ein musikalisches Ventil für ihren Unmut zu suchen. Neben den Buzzcoks oder Magazine sind es vor allem Joy Division, die innerhalb von drei Jahren von einer völligen Anfängerband zu einem der wichtigsten Ensembles der späten Siebziger avancieren.

Die Ästhetik, die Ian Curtis (Lyrics, Gesang), Peter Hook (Bass), Bernard Albrecht aka Bernard Barney Sumner (Gitarre, Synthesizer) und Stephen Morris (Schlagzeug) unter prägenden Einflüssen wie Velvet Underground, The Doors, Iggy Pop & The Stooges sowie deutsche Bands wie Can und Kraftwerk, vor allem aber dank der eigenen Originalität kreiert, ist selbst eine Ästhetik des Zerfalls, der Melancholie. 1979 erscheint endlich das erste Album. UNKNOWN PLEASURES ist nichts weniger als in Musik verewigter Lebensüberdruss, für den der zeitlebens von schweren Depressionen und Epilepsie geplagte Ian Curtis wie vielleicht kein anderer Protagonist der Rockgeschichte steht. Auch wegen der brutalen, rückhaltlosen Monstrosität von Ian Curtis Lyrics ging die Band in die Geschichte ein, polarisierte aber naturgemäß. Die Band wurde schon mal als Großhändler in Weltuntergangsgefühlen gescholten, andere wiederum priesen Joy Division als Ensemble, das sich "dem Lebensüberdruss stellt" und "Tragödie zu Glorie erheben" konnte (Lexikon der Rockmusik).

Von Disorder bis zum spukigen Closer I Remember Nothing zieht sich diese tiefschwarze Stimmung nahtlos bis zum Ende durch. Einzig das vorletzte Stück Interzone klingt in etwa wie ein klassischer Rocksong, irgendwo zwischen Punk und rudimentärem Hardrock. Der Rest klingt eben wie nichts anderes. So wummert die Bassdrum bedrohlich, Peter Hooks Bassgitarre ist de facto auffälligstes Instrument, und die rudimentären, kaputt klingenden Gitarrenakkorde und licks von Bernard Albrecht sind in den Hintergrund gemischt. Die unmittelbare Aggressivität wird verwischt. Die Leere, die bleibt, ist nichts weniger als jene Melancholie, aus der sich die meisten alternativen bzw.indie- Bands der Achtziger nur langsam und mühsam befreien würden. Ian Curtis Stimme steht für ein Paradoxon: Eigentlich konnte er gar nicht singen (so Peter Hook rückblickend), trotzdem beeindruckte er mit seiner grabestiefen Stimme, die Jim Morrison zu imitierten suchte, viele, darunter auch einen gewissen Paul Newman, der wenig später als Bono Vox mit U2 Karriere machen sollte.

Nach Joy Division sollte die Rockmusik nicht mehr so sein wie vorher, die Band warf einen langen Schatten.

Auch Bauhaus, The Cure, Siouxsie And The Banshees wie viele andere haben in der Folge ihr Hauptaugenmerk auf das Morbide gelegt. Was Joy Division von den eben genannten Gruppen vielleicht grundlegend - beängstigend?- unterscheidet: Sie sind so gut, dass sie nichts "künstlich" ins Schrille übersteigern müssen. Im Gegenteil ist es gerade die scheinbare Abwesenheit von Emotionalität durch die "kalt" wirkende Rationalität, Reduktion, Sparsamkeit der Musik, die im Kopf ein Bild entstehen lässt, das nur die Farben des enigmatischen Albumcovers kennt - schwarz und weiß. Eine gespenstische, kafkaesk-entfremdete Atmosphäre, die Ian Curtis nahezu psychopathischem Gefühl der totalen menschlichen Entfremdung entsprachen" (Lexikon der Rockmusik).

Joy Division haben nur ganze zwei Alben hingelegt, UNKNOWN PLEASURES (1979) und im Jahr darauf CLOSER. Die aber sind von einer Perfektion, wie man sie selten antrifft. Mit CLOSER sollte die Band sogar imstande sein, sich selbst zu übertreffen.
Dann war es aus. Ian Curtis hatte sich das Leben genommen.


P.S. Für die originellen Sounds zeichnen sowohl Band als auch Produzent verantwortlich. Peter Hook erfand die ungewöhnlich hohen Basstöne, die wie eine Gitarre klingen - man höre Shes Lost Control. Der Produzent des Labels (Factoy), Martin Hannett, den mit der Band ein schwieriges Verhältnis verband, verdankt seinen Ruhm zum großen Teil auch diesem seinem eigenen ersten Meisterwerk, indem er die elementaren Bestandteile der Instrumentierung in ihre Einzelteile zerlegte und verblüffend originell akzentuierte. Weiters integrierte er spukige Sounds wie splitterndes Glas (I Remember Nothing) oder schließende Garagentore (Insight) in die Songs. Auf diese Weise half er entscheidend mit, eine Ästhetik zu schaffen, die weg von der Direktheit des (Punk-)Rock ging, subtilere Stimmungen auslotete, treibende Rhythmen akzentuierte, eine Brücke zum Dance schlug und so für ein weiteres Paradoxon sorgte: Joy Division war tanzbar!


Aus dem Schatten heraus...      5 von 5 Punkten
Als eine der ersten echten Alternative-Bands legten Joy Division mit ihrem chronisch depressiven Frontmann Ian Curtis 1979 dieses kleine Meisterwerk vor.
Die Songs, getragen von den melancholisch-depressiven Texten und der manchmal fast verzweifelnden Stimme Ian Curtis` , strahlen auch heute noch eine unglaubliche Intensivität und Düsternis aus. Für manche vielleicht auch zu viel Pessimismus, aber da gibt's kein Pardon: Hier ist keine Platz für Hoffnung oder ähnliche Gefühle.
Die Musik selbst ist relativ einfach strukturiert, was die kalte Austrahlung der Songs nur noch weiter verstärkt.
Alle Songs sind durchweg auf einem Niveau, Ausfälle gibt es keine.
Letztlich nur noch übertroffen von Closer (1980), welches dann leider auch schon das letzte Studiolalbum gewesen ist, bevor Ian Curtis sich das Leben nahm.


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