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| DVDs: Noah Gsell | Kundenmeinungen Kurzbeschreibungen Inhaltsangaben |
Lenz Milan Peschel, Barbara Maurer, Noah Gsell DVD Verkaufsrang: 41952 Der Filmemacher Lenz verlässt seine Heimatstadt Berlin, um in den Vogesen die Hintergründe von Georg Büchners Fragment "Lenz" zu erforschen. Doch bald schon tauscht er die elsässische Landschaft gegen höhere Lagen und emotionaleres Gelände: vom Wunsch getrieben, seinen neunjährigen Sohn Noah zu sehen, macht er sich auf nach dem Wintersportort Zermatt in den Schweizer Alpen.
Dort arrangiert er mit Noahs Hilfe ein Treffen mit seiner Exfrau Natalie, die er immer noch liebt. Eine kleine Idylle erblüht in der wieder gefundenen Nähe zu seinem Sohn und in der neu entfachten Liebe zu Natalie. Doch die Illusion eines glücklichen Familienlebens ist nur von kurzer Dauer, allzu schnell wird sie überschattet von Lenz' Verhalten, der immer stärker in abseitige Gefilde driftet.
Noah und Natalie kehren nach Zürich zurück. Lenz bleibt im Gebirg, allein.
Sprachen: - Deutsch Dolby Digital 2.0
- Deutsch Dolby Digital 5.1
- Schweizer Mundart Dolby Digital 2.0
- Schweizer Mundart Dolby Digital 5.1 - Untertitel: - Deutsch
- Englisch
- Französisch -
Bonus / Extra(s):
Dokumentation, Interviews, Trailer(s)
Kundenmeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Das Matterhorn und die Muschel 5 von 5 Punkten Das Matterhorn und die Muschel
"Für M." ist weiß auf schwarz in Zelluloid gestanzt. Was mag "M." bloß bedeuten? Mona, Mausi, Marianne, Muschi, Muschel oder gar Matterhorn? Mit Widmungen ist es so wie mit Offenbarungen. Beide sind Privatsache, Intimsphäre. Und so bleibt uns nichts als Mutmaßung und die rein interpretatorische Frage, was sich hinter diesem "M." verbergen könnte, das Thomas Imbach seinem "Lenz" voranstellt. Inspiriert von Georg Büchner's Fragment hat der Schweizer Filmemacher seinen Lenz (Milan Peschel) nach Hause geholt. Einen 36-Jährigen, der nicht besonders gut Gitarre spielen kann, seinem Sohn, den er nahezu abgöttisch liebt, jedoch die Klassiker der beatMusik zum besten gibt. Nach der Lektüre der Tagebücher von Kurt Cobain greift der eigentlich in Berlin lebende Filmemacher schon gern mal zum Saiteninstrument und stümpert "Whish you were here". Ich wünschte, du wärest hier zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch den Film. Sehnsucht, Einsamkeit, Kreativität, Wahnsinn, Lust - das sind wohl einige Stichworte aus dem irdischen Jammertal, denen Imbach auf die Spur zu kommen versucht. So zeigt er das Matterhorn (M.) in grandiosen Licht- und Wolkenspielen. Immer wieder taucht der Berg in seinem Film auf. Mal sonnig verspielt, mal bedrohlich aufragend, mal sanft und zart, dann wieder schroff und stolz. Das Matterhorn ragt als archaisches Phallussymbol in eine von touristischer Konsumlust geschundenen Schweiz hinein, in der die Nacht in einem Hotel am Fuße des Berges ab 500 Franken kostet. "Nur manchmal, wenn der Sturm das Gewölk in die Täler warf und es den Wald heraufdampfte, und die Stimmen an den Felsen wach wurden, bald wie fern verhallende Donner und dann gewaltig heranbrausten, in Tönen, als wollten sie in ihrem wilden Jubel die Erde besingen, und die Wolken wie wilde, wiehernde Rosse heransprengten, und der Sonnenschein dazwischen durchging und kam und sein blitzendes Schwert an den Schneeflächen zog..." (vgl. Georg Büchner, Lenz, Reclam, Stuttgart 1957, S. 3 f.).
Lenz liegt in der Badewanne. Über sein männlichstes Organ hat er eine Muschel (M.) gestülpt, die eigentlich eine Schnecke ist. Er bewegt seine Lenden und atmet schwer. Was er da treibt, ist Masturbation (M.). "... er stand, keuchend, den Leib vorwärts gebogen, Augen und Mund weit offen, er meinte, er müsse den Sturm in sich ziehen, alles in sich fassen, er dehnte sich aus und lag über der Erde, er wühlte sich in das All hinein, es war eine Lust, die ihm wehe tat..." (vgl. Georg Büchner, Lenz, Reclam, Stuttgart 1957, S. 4).
Sehnsucht und Einsamkeit, pure Natur um ihn herum. Natur, die er nachts auf seiner Hütte und um seine Hütte herum ganz für sich allein besitzt. "... er stand still und legte das Haupt ins Moos und schloß die Augen halb, und dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm, sie wurde klein wie ein wandelnder Stern und tauchte sich in einen brausenden Strom, der seine klare Flut unter ihm zog. Aber es waren nur Augenblicke; und dann erhob er sich nüchtern, fest, ruhig, als wäre ein Schattenspiel vor ihm vorübergezogen - er wußte von nichts mehr." (vgl. Georg Büchner, Lenz, Reclam, Stuttgart 1957, S. 4.) Nur manchmal kommt sein geliebter Sohn (Noah Gsell), manchmal die Mutter seines Sohnes (Barbara Maurer), die getrennt von Lenz in Zürich lebt, hinauf zu ihm. Dem Himmel ein Stück näher - dann tollen Lenz und Noah durch die Schneemassen. Sie bauen ein Iglu, spielen Computerspiele, bearbeiten die Gitarre mit Box-Handschuhen, fahren Ski und toben die Pisten auf Koffern und Schlitten hinunter. Irgendwann reisen beide wieder ab, sehr zum Schmerz von Lenz. Dann irrlichtert er in Unterwäsche und barfuß, manchmal auch im Bademantel und in Filzpantoffeln vor seiner Hütte umher. Wenn Touristen vorbeikommen, bietet er ihnen Schokolade oder Suppe an, die er gerade koche. Mit einer blonden Dänin fachsimpelt er über Lars von Trier, der in seiner Heimat "vergöttert" werde. Imbach's Lenz ist dann auch geprägt von subjektiver Kameraführung und spontanen Ideen, die ganz sicher in keinem Drehbuch standen - so echt und so lebendig sind sie.
Einmal noch sollte Lenz sein Matterhorn (M.) in die Muschel (M.) der Mutter seines Sohnes versenken und ihre Wonnen kosten. Jetzt macht er ihr einen Heiratsantrag, kann sich in seiner Euphorie sogar vorstellen, mit ihr und Noah in Zürich zu leben. Dann entschwinden Frau und Kind. Lenz bleibt zurück und beklebt die Wände seiner Bleibe mit ihren Fotos. "Sein Zustand war indessen immer trostloser geworden (...); die Welt, die er hatte nutzen wollen, hatte einen ungeheuren Riß; er hatte keinen Haß, keine Liebe, keine Hoffnung - eine schreckliche Leere, und doch eine folternde Unruhe, sie auszufüllen" (vgl. Georg Büchner, Lenz, Reclam, Stuttgart 1957, S. 30). "Und so lebte er fort", ist auf Zelluloid gebannt.
"Lenz" hatte am 24. November 2006 in der Berliner Volksbühne Deutschland-Premiere.
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