DVDs: Christian Petzold

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Yella - Nina HossYella
Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaussner, Barbara Auer

DVD, 16. Mai 2008
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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Kampf um Freiheit und Nähe      4 von 5 Punkten
Viele Regisseure bezeichneten das Filmen als einen verzweifelten Kampf gegen Vergänglichkeit und Tod. Petzold versucht in seinem neusten Film Yella etwas anderes. Er baut eine filmische Schleife, die Nina Hoess, ohne es zu wissen, immer enger zieht, bis sie am Ende erkennt, dass der Tod die einzige Rettung ist. Ob man dabei die Erzählung von Anfang als Rückblick versteht oder erst nach und nach, ist im Grunde egal. Denn das beklemmende Bauchgefühl eines sicheren Scheiterns vermittelt sich in den starren Bildern und der künstlichen Geräuschskulisse wie von selbst. Der erzählerische Kunstgriff der direkten vorwärts gerichteten und indirekten rückblickenden Erzählung der gleichen Geschichte macht Yella aber auch jenseits dieser gekonnt inszenierten Thrilleratmosphäre zu einem intellektuellen vielleicht philosophischen Ratespiel, das noch lange nachwirkt.
Eine rein politische Lesart des Films, als eine Kritik des menschenverachtenden Turbokapitalismus scheint mir ob von Petzold beabsichtig oder nicht unangebracht. Denn nicht die etwas klischeehafte Darstellung von Business Meetings ist die Stärke des Films, sondern Yellas verzweifelter Kampf um Freiheit und Nähe, der an große Vorbilder wie Hitchcocks Marnie erinnert.


Vision wovon ?      4 von 5 Punkten
Die selbstbewusste junge Frau Yella hat sich von ihrem Mann getrennt und eine neue Arbeit in Hannover gefunden. Die Firma ihres Lebenspartners befindet sich im Konkurs, so wie ihre Beziehung. Yella steigt ein letztes Mal zu ihm ins Auto. In der Hoffnung zum Bahnhof gebracht zu werden und das Ende damit zu unterstreichen. Doch es kommt zu einem Selbstmordversuch.

Nass entsteigt Yella der Elbe und bekommt sogar noch ihren Zug. In Hannover erweist sich die Stellenzusage als Flop. Doch Yella lernt im Hotel den Finanzmakler Philipp kennen und der braucht dringend eine tüchtige Assistentin, die sich mit Zahlen gut auskennt. Fortan gehen Philipp und Yella gemeinsam zu den Geschäftsverhandlungen. Es geht um Firmen mit guten Ideen und zu wenig Kapital. Die Konditionen, die Philipp für notwendiges Fremdkapital aushandelt, sind hart und er selbst will auch nicht zu kurz kommen. Das Hazardspiel findet ein jähes Ende, als ein Geschäftsmann dem Druck nicht nachgibt und sich das Leben nimmt.

Der Film erzählt in erster Linie eine Bildergeschichte. Natürlich gibt es jede Menge erklärende Dialoge. Die bleiben aber an der Oberfläche, kratzen nicht an der gezeigten Handlung. Das Leben der Protagonistin scheitert und in einem geschenkten zweiten führt dies ebenfalls zu Tod und Verzweiflung. Pittoreske Szenenbilder, geschickte Kameraführung und immer wieder offene Fragen erzeugen Neugier und Aufmerksamkeit, die leider nicht immer zufrieden gestellt werden. Ein interessanter Film, der ungern seine Geheimnisse preisgibt.

Meisterhaft!      5 von 5 Punkten
"Yella" ist einer der stärksten deutschen Filme der letzten Jahre. Christian Petzold gelingt mit diesem Film eine formal wie inhaltlich überragend gestaltete Geschichte, deren Spannweite von der Provinzerzählung über eine Wirtschaftskritik bishin zum surrealen Märchen reicht.

Der Film läuft auf einen großen Clou im Plot hinaus, einen Wendepunkt, der alles Gesehene in einen anderen Kontext stellt. Was mich dabei fasziniert, ist dass sich "Yella" aber nicht einzig und allein auf diesen Wendepunkt verlässt. In vielen Filmen läuft alles nur auf den einen "Twist" hinaus: Beim ersten Sehen große Verwirrung, Schmunzeln bei der Auflösung und schließlich beim zweiten Sehen Freude an den eigentlich doch recht plakativ eingestreuten Hinweisen. "Yella" hingegen ist auch beim zweiten Hinsehen nicht plakativ, sondern unheimlich zurückhaltend und dabei sorgfältig inszeniert. Der Film bleibt auf magische Weise stets in der Schwebe und selbst am Ende kann man nicht so richtig sicher sein, was man denn nun denken und glauben soll.

Was mir persönlich besonders gut gefallen hat, ist die dem Film innewohnende Wirtschaftskritik, die ebenfalls nicht plakativ vorgetragen wird. Yellas Beziehung ist über die Pleite der Firma ihres Mannes in die Brüche gegangen und sie möchte nun einen Neuanfang im entfernten Hannover wagen. Yellas Geschichte ist die einer Frau, die mehr zufällig in die Welt des großen Geldes rutscht und Gefallen an ihrer neuen Rolle findet. Nina Hoss' famoses Spiel spiegelt den Wandel dieser Frau hervorragend wider. Zunächst wirkt sie fahrig, geduckt, verängstigt, ist eine Frau, die es gewohnt ist, auf der Verliererseite zu stehen. Doch später wächst ihr Selbstbewusstsein, in Verhandlungen tritt sie souverän auf, sie wächst auch körperlich in die Gewinner-Rolle. Allerdings möchte Yella auch weiter gehen, erliegt der Versuchung des schnellen Geldes, möchte neben dem beruflichen nun auch ihr privates Glück machen. Und so ist ihr Wandel zur Gewinnerseite auch ein Wandel zu Amoral. Dabei geht sie einen Schritt zu weit und stürzt andere Leute ins Verderben. Bis sie schließlich selbst - noch einmal - stürzt.

Dieser Film ist ein echtes Kunstwerk. Neben den durchweg gut besetzten Rollen sind es insbesondere das Spiel mit Farben und die Tonebene, die "Yella" weit über den Durchschnitt hinausheben. Wie sich das Rascheln der Blätter, das Säuseln des Windes und das Rauschen des Wassers in Yellas Momenten größter Verwirrung zu einem bedrohlichen Klangszenario wandeln, ist große Kunst. Die surreal angehauchten Szenen, in denen Yella wie fremd wirkt, andere Leute durch sie hindurchschauen, als sei sie nicht existent, sind sehr gut umgesetzt worden, ohne dabei den stilistischen Rahmen des Films zu durchbrechen. Hier handelt es sich nicht um groteske David-Lynch-Lookalike-Szenen, sondern um Szenen, die nur knapp neben der Realität stehen. Und dennoch haben diese Szenen ebenso eine Sogwirkung wie Lynch in seinen besten Momenten.

Meine uneingeschränkte Empfehlung für diesen in jeder Hinsicht gelungenen Film!

Überragend inszenierte ...      5 von 5 Punkten
... Geschichte um Business, Liebe, Tod, Ost-West-Konflikt ...
Zum Inhalt:
Yella ist erfolgreich in ihrem Job und liiert mit ihrem nicht minder erfolgreichen Chef Phillip. Sie führt ein schönes Leben. Doch das war nicht immer so. Vor langer Zeit, bevor sie in den Westen aufbrach, lebte Yella im Osten, in einer zerrütteten Ehe und musste mit ansehen, wie die Firma ihres Mannes in Konkurs ging. Zum Glück ist jetzt alles anders. Doch Stimmen der Vergangenheit holen Yella immer wieder ein.
Zum Film:
Meisterregisseur Petzold hat intensiver denn je seine Handschrift hinterlassen: fast schwerelos scheint der Film dahinzufließen. Dabei wird man immer wieder sanft auf falsche Gleise geschickt. Wo ist die Realität, wo beginnt der Traum, wo wird beides vermischt? Vgl. hierzu das absolut fantastische Ende (und den genialen Kniff: was sich wie ein Flüstern der Bäume anhört, entpuppt sich als.... => wird nicht verraten!)
Großartigst bis in alle Nebenrollen besetzt (Berkel, Klaußner, Auer und Petzold jr.in) meistert vor allem Nina Hoss ihre schwierige Rolle mit Bravour. Auch Devid Stresow kann seinen Rollenkonflikt meisterlich darstellen. Und wo Klaußner (in einer seiner Nebenrollen) draufsteht, ist garantiert bester deutscher Film drin.
Fazit:
Anschauen lohnt sich, regt sehr zum Nachdenken an!

Irrlichter      1 von 5 Punkten
Irrlichternde Mädchen und Frauen, eines der Hauptthemen, mit welchen Christian Petzold punkten konnte, etwa in "Die innere Sicherheit", "Wolfsburg" oder zuletzt in "Gespenster".
Petzolds neues Werk - D '07, 87 Min - setzt diesen Reigen fort mit "Yella". Yella, die Hauptfigur, gespielt von Nina Hoss, hat sich gerade von ihrem Ex-Freund (~Mann ?) getrennt. Dieser, mit ihr im Geschäft verbunden, er als Geschäftsführer, sie als Buchhalterin, ist quasi bankrott. Seine - verzweifelten - "bleib bei mir-Versuche" wehrt sie ab.
Ihre Antwort ist die "angekündigte Flucht" von Wittenberge nach Hannover (!). Der Verblichene bringt sie natürlich nicht -s.o.- zum Bahnhof, sondern steuert stattdessen den Wagen in die Elbe.
Schön, doch, eigentlich ein feiner Ausgangspunkt für eine nette Geschichte. Yella - mit ihrem Exfreund am Ufer gestrandet - erwacht und besteigt den Zug. In Hannover angekommen, muss sie leider feststellen, dass ihr bereits arrangierter neuer Arbeitsplatz eine Luftblase eines Kriminellen war. Natürlich, sie trifft im Hotel auf die personifizierte Heuschrecke, gespielt von Devid Striesow, jemand, der davon lebt, an faktisch insolventen Firmen zu schmarotzen, vulgo ein Riskokapital-Manager.
Hier entgleitet es Petzold leider. Striesows - TB würde sagen Lebens- - Rolle ist gewiss nicht die eines erfolgreichen Menschen. Bekannt als Verlierer-Typ in Schmids Meisterwerk "Lichter", unvergesslich darin seine Brille und die Jacke, Glanzlichter der Requisite. Brille und Jacke hat er in Petzolds Streifen gegen die Heuschrecken-Version
getauscht, das eher hölzern-blecherne Spiel jedoch beibehalten. Mancher wird einwenden, dies sei doch das Agieren der an solchen Geschäften Beteiligten und Petzold habe diese Rolle für Striesow bewusst so gewählt. Leider wirken die "Geschäftspartner" von Striesow und Hoss weitaus authentischer - Verzeihung für dieses Blasenwort -
glaubwürdiger und eine Kapitalismuskritik mag nur in den dargestellten Verhandlungsszenen erkennen, wer noch nicht an dem Punkt angekommen ist, wo sich Neid am - pekunären - Erfolg von Mitmenschen in Mitleid für das damit verbundene Kleingeistige wandelt.
Nina Hoss geistert derweil treu und später intimer an der Seite ihres "Wirtstiers" herum. Ihre Art, ihr Wille ihren Exfreund finanziell zu unterstützen, unterscheidet sich nicht substantiell von der Striesows. Eher konfus, ohne Charakter, ohne glaubwürdige Gefühle, sich in Tagträumen verlierend, weist ihr Spiel auf die nicht wirklich überraschende Wendung am Ende des Films hin.
Ein Wendung, die zu früh einsetzt - ein Zugeständnis an den amerikanischen Markt ? -, die nicht entschädigt für das zuvor Durchlittene, das Fehlen von Identifikationsfiguren. Ein Film, der an der Zielgruppe vorbeigeht - die Kinos in den Frankfurter Bankenvierteln sollen für eine halbe Woche ausgebucht gewesen sein !? -, ein Streifen, der die Oberflächlichkeit einschlägiger Rezensionen unterstützt, nach dem Motto, ein Film, welcher aktuelle Themen aufgreift, muss von vorneherein gut sein. Dies geht leider hier nicht auf.
Freunde von "Irrlichtern" und Petzold können getrost auf Yella verzichten und den bereits eingangs genannten Streifen "Gespenster" einlegen. Freunde von Petzold-freien Irrlichtern werden sich genussvoll dem gleichermaßen immer noch aktuellen und unvergleichlich runderen Werk Schmids "Lichter" zuwenden, alternativ und thematisch näher finden sie Grafs unverwechselbare Handschrift in "Der Felsen".


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