Sternbilder und Tierkreiszeichen - Astronomie und Astrologie

Sternbilder und Tierkreiszeichen für Herbst und Winter Die Winter- und die Sommersonnenwende waren und sind am Himmel leicht zu beobachten. Um im Frühling den Zeitpunkt für die Aussaat und Pflanzung bestimmen zu können, und im alten Ägypten auch für die Vorhersage der jährlichen Nilflut, musste man sich etwas anderes einfallen lassen. Die wenigsten Menschen konnten damals die 365 Tage des Jahres zählen und Kalender gab es zumindest in der Bevölkerung noch nicht.

Da sich innerhalb eines Jahres die Erde um die Sonne dreht, verschwindet hinter der Sonne von der Erde aus betrachtet jeden Tag ein anderer Ausschnitt des Weltalls. Scheinbar beschreitet also die Sonne innerhalb eines Jahres einen vollen Kreis vor dem dahinterliegenden Sternenhimmel. Wohlgemerkt: Nicht innerhalb eines Tages! Während des Tages verschiebt sich die Sonne vor dem Fixternhimmel nur wenig. Eben nur so viel, wie sich die Erde auf ihrer Bahn bewegt und damit den Blickwinkel geändert hat. Diesen scheinbaren Kreis, den die Sonne in einem Jahr durchläuft, nennt man Ekliptik.

Zur besseren Orientierung ordnete man markante Sterne bestimmten Mustern zu, denen man auch für die bäuerliche Bevölkerung leicht zu merkende Namen gab. Daraus ergaben sich die bekannten zwölf Sternbilder oder Tierkreiszeichen. Je nachdem in welchem Sternbild sich die Sonne befindet, konnten z.B. die alten Ägypter das Jahr in zwölf Monate einteilen. Dionysios von Alexandria führte im 3. Jahrhundert v.Chr. eine Kalenderreform durch und benannte die Monate nach den Tierkreiszeichen.

In den Jahren 4000 v.Chr. bis 2000 v.Chr. stand die Sonne am Frühlingspunkt, also zur Tag- und Nachtgleiche im Sternbild Stier. Da der Frühlingsanfang sehr wichtig war, wurde der Stier gleichzeitig mystisch verehrt und so gibt es aus dieser Zeit viele Statuen mit Stierkopf. Vielleicht stammt aus dieser Zeit auch der Stierkopf des Minotaurus und der Apis-Stier der alten Ägypter.

Leider blieb das nicht so, denn der Frühlingspunkt verschiebt sich ganz allmählich so langsam, dass er innerhalb von 25 700 Jahren einmal alle Sternbilder durchläuft. Nimmt man für jedes Tierkreiszeichen die gleiche Breite an, wechselt der Frühlingspunkt alle 2140 Jahre in ein anderes.

Im Jahr 2000 v.Chr. stand also ein Wechsel zum Widder an, um Christi Geburt zu den Fischen. Heute stehen wir vor dem Wechsel zum Wassermann. Da man mit diesen Wechseln gerne einschneidende Ereignisse verbindet, 2000 v.Chr. der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, um das Jahr 0 Christi Geburt, spricht man von den 2140 Jahren zwischen den Wechseln auch von Zeitaltern. Wir wechseln also vom Zeitalter der Fische, einem Symbol der Kirchen, zum Zeitalter des Wassermanns.

Das war jetzt alles noch mehr oder weniger Astronomie! Was hat es jetzt mit den dem Frühjahr zugeordneten Sternzeichen der Astrologie zu tun? So gut wie nichts. Bei der astrologischen Betrachtung geht es z.B. darum, in welchem Sternzeichen die Sonne zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen steht. Hinzu kommt, dass sich die astrologische Zeitrechnung von der allmählichen Verschiebung der Sternbilder abgekoppelt hat und daher nur noch mit virtuellen Werten rechnet.

Trotzdem ist die Einteilung in Sternbild-Zeitalter natürlich auch nichts anderes als Esoterik. Die praktische Bedeutung für die Bestimmung der Jahreszeit haben die Sternbilder längst verloren.
Sternbilder und Tierkreiszeichen für Frühling und Sommer
Auf der Granitsäule oben sind die Symbole der zwölf Tierkreiszeichen auf vier Seiten jeweils den vier Jahreszeiten zugeordnet.
Mit dem astronomischen Frühlingspunkt hat das absolut nichts mehr zu tun.
Die Säule steht in  Arzberg im Fichtelgebirge.


Zu allen Zeiten haben die Menschen nachts gen Himmel geschaut und versucht, zu ergründen, ob ihnen die Götter durch die Konstellation der Sterne nicht irgendwelche Botschaften schicken. Von der Antike bis zur modernen Zeit ist dieser Glaube nicht auszurotten. In dem Film  Antichrist von Lars von Trier aus dem Jahr 2009 zum Beispiel wartet "sie" auf das Erscheinen der Drei Bettler, einer Konstellation aus den drei imaginären Sternbildern Schmerz, Verzweiflung und Trauer in Form von Reh, Fuchs und Krähe, die gleichzeitig als Tiere im Wald erscheinen und den Tod eines Menschen fordern. Der menschlichen Phantasie sind eben keine Grenzen gesetzt. Als genau das sehe ich die Astrologie an, als Phantasie!