Siebtes Buch: 642 bis 656 ndFl
Die nachstehend wiedergegebenen Tabellen sollen dem Leser dazu dienen, das konventionelle Schema, das aus diesen Verwechslungen hervorgegangen ist, mit dem berichtigten Schema zu vergleichen. Welche weiteren Irrtümer in der konventionellen Betrachtungsweise noch enthalten sind, wird sich aus der daran anschließenden Besprechung der Beziehungen zwischen Urartu und Assyrien ergeben.
In Tabelle 1 erscheinen die Könige in Assyrien und Urartu in der Weise und Reihenfolge, wie sie konventionell gesehen werden. Die Tabelle 2 zeigt die Könige von Urartu in der richtigen Reihenfolge ihrer Regierung. Hier wird deutlich, dass einige davon unkorrekt identifiziert wurden.
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, bestehen zwischen Urartu und Assyrien einige chronologische Brücken, die zum Teil auf in Urartu gefundenen Inschriften, zum Teil auf assyrischen Annalen oder Palastinschriften basieren. Die meisten konventionellen Synchronizitäten ergeben sich als Scheinsynchronizitäten aus der falschen Reihenfolge der assyrischen Könige. Zum Teil sind echte Synchronizitäten bei assyrischen Namen überhaupt nicht vorhanden (Tabelle 2 kursiv). Hier ist die urartäische Seite nur "überbrückt" worden. Das bedeutet, dass die meisten konventionellen "Synchronizitäten" reine Spekulationen sind. Lässt man aus der Tabelle 2 alle diejenigen Gegenüberstellungen heraus, die nicht inschriftlich belegt sind (die "Scheinsynchronizitäten"), so ergibt sich die Tabelle 3. Beim Vergleich der konventionellen mit meiner berichtigten Reihenfolge der Könige von Urartu stellt sich heraus, dass es hauptsächlich die Irrtümer in der assyrischen Geschichte sind, die der urartäischen das Gesicht entstellen. Es fällt außerdem auf, dass weder Argischti I, der Sohn des Menua, noch Argischti II, der Sohn des Rusa, in den assyrischen Unterlagen auftauchen. Dadurch, dass die wichtigen Großvaternamen ausgelassen wurden, geriet zum Beispiel Rusa I, der Sohn des Sarduri, an die Stelle nach Sarduri, dem Sohn des Argischti, obwohl es sich bei ihm um den Sohn des Sarduri, des Sohnes des Ischpuini handelt. Ähnlich erging es Rusa II, dem Sohn des Argischti. Seinen Vater hält man für Argischti II, den Sohn des Rusa I, des Sohnes von Sarduri, des Sohnes des Argischti I. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Vater Rusas II jedoch um Argischti I, den Sohn des Menua. Der tatsächlich zweite Argischti war der Sohn Rusas II und somit der Enkel des ersten Argischti. Argischti II hat vermutlich überhaupt nicht regiert. (Siehe Tabelle 4!) Bereits besprochen wurde der Irrtum bei der Einordnung von Sarduri I, dem Sohn des Lutipri, und ebenso wurde die fehlende Eingliederung des Sarduri (II), des Sohnes des Ischpuini, in die urartäische Geschichte angemahnt. Die aufgeführten Tabellen enthalten Namen von Königen, die wir noch nicht besprochen haben und die in diesem Kapitel auch noch nicht besprechen werden; aber alle in diesen Tabellen vorkommenden Könige werden noch zur Sprache kommen. Die Gegend um den Urmia- oder Naïri-See im heutigen Aserbeidschan könnte Naïri-Land geheißen haben, während die Gegend um den Sewansee im heutigen Armenien Uruatri, also "Gebirgsland am Ararat", genannt worden sein könnte. Nach der Vereinigung der westlichen Landesteile (heutige Ost-Türkei mit dem Vansee) mit Uruatri und Naïri könnte der Name Urartu bzw. Uruatri oder Biaïni für das Gesamtgebiet übernommen worden sein. Letztlich war das ganze Gebiet zwischen Aleppo und dem Kaukasus Nuchasse, das vermutlich sogar Medien einschloss.
Statthalter der seit 644 ndFl ägyptischen Provinz Nuchasse (Bit-Gusi = Land der der Ägypter) war zunächst Ariaramnes = Aramu-Menua, der aber nach seinem Aufstand im Jahre 649 ndFl durch den Sohn Adad-narari des Samsi-Adad und der Semiramis abgelöst wurde. Dieser ist auch Addu-nirari, der Schreiber des EA-Briefes Nr. 51. Er wird konventionell ebenfalls als Assyrer angesehen, wobei man ihn für den direkten Nachfolger seines Großvaters Taku hält. Weder hat man konventionell erkannt, dass Taku auch Tuchi = Astyages ist, noch kann man wegen der zeitlichen Diskrepanz in der konventionellen Chronologie Addu-nirari für den späteren assyrischen König Adad-narari ansehen, von dem man (incl. Ellil-narari und Assur-nirari) ein knappes Dutzend unterschiedliche Namensträger haben zu müssen glaubt. Addu-Nirari schreibt an den Enkel Manachpirias, und zwar an Schabataka, den Sohn des Schabaka, des Schwiegersohnes von Manachpiria. Dies kann frühestens im Jahre 651 ndFl der Fall sein, in welchem Manachpiria (oder genauer: Thuti = Dudu-Schabaka im Auftrage Manachpirias) seinen 17. Feldzug führt. Wir sehen hier ganz deutlich, dass Urartu bzw. Nuchasse zu Ägypten gehört, was auch durch die Bezeichnung Bit-Agusi unterstrichen wird. Wodurch war es aber zu dem neuerlichen Krieg um Nuchasse bzw. Urartu gekommen, in dessen Verlauf Aramu-Menua seinen Posten als Statthalter verlor und durch Addd-nirari abgelöst wurde? Wir sehen, dass im Jahre 649 ndFl die assyrischen Feldherren der Chatti und nicht etwa der Ägypter in Urartu aufmarschieren. Die Erklärung hatte ich weiter oben schon vorweggenommen: Die mit Ägypten verbündeten Chatti und Assyrer ahndeten den Versuch urartäischer Könige, sich von Ägypten zu lösen und selbständig zu werden, natürlich auch, um den jährlich fälligen Tribut (Steuern) an Ägypten zu sparen. Es mag verwundern, dass sich Mursilis-Kurigalzu-Tudhaliyas dafür einsetzte und sein nachbarliches Stammland für das ferne Ägypten verwüsten und seine engsten Verwandten hetzen und sogar ermorden ließ. Aber es gibt weit und breit keine andere Erklärung für diese Schrecklichkeiten, außer, dass die Hethiter verhindern wollten, dass sich ein selbständiges Urartu (z.B. unter Aramu) bildete, das ihnen selbst den Zugang versperrte, sobald sie die Ägypter in die Knie gezwungen hätten. Noch war es ja noch nicht so weit. Breasted schreibt dazu7 (siehe auch weiter oben): In den nächsten beiden Jahren (Eig.Anm.: 40. und 41. Jahr = 649 und 650 ndFl) scheint der Tribut regelmäßig eingelaufen zu sein, und wieder sandte der König von Groß-Cheta Geschenke, die Thutmosis wie früher unter den Tributen aufzählt. Für Breasted ist es nicht vorstellbar, dass der König von Groß-Cheta, also der Hethiter- bzw. Chattikönig, Tribut an Ägypten zahlt. In der konventionellen Vorstellung regiert zur Zeit des Thutmoses III gar kein Tudhaliyas noch sonst ein starker König in Chatti; vielmehr herrscht hier der "zweite Huzziyas-Wirrwarr", auf den ich noch zurückkommen werde, und folglich ist für Breasted irgendein namenloser König von Kadesch am Orontes (im Libanongebiet) oder der Stadtfürst von Tunip, auf den ich ebenfalls noch zu sprechen komme, der Hauptgegner des Manachpiria.
Obwohl Breasted in der falschen Chronologie und vor allem in der falschen Geschichte befangen ist, hat er recht mit der Ansicht, es handele sich nicht um Tribute der Chatti; es handelt sich um Tribute, die die Urartäer an Ägypten zu leisten hatten, die lediglich von den assyrischen Feldherren der Hethiter eingesammelt wurden. Eingesetzt wurde als ägyptischer Statthalter zwar Adad-narari; die militärische Aufgabe übernahmen jedoch sein Halbbruder Arioch-Nimrud = Tiglath-Pileser und sein Neffe Salmanassar-Asarhaddon = Assur-Dan.
Assyrer-Feldzug gegen Urartu 649 ndFl Tiglath-Pileser und sein Sohn Salmanassar, der 649 ndFl zum ersten Mal ein Heer führen durfte, begaben sich in diesem Jahr auf einen Feldzug gegen den Urartäer Aramu, der sich als offenbar ältester noch lebender Nachfahre von Teispes-Ischpuini bzw. Achaimenes-Sarduri selbst zum König eines unabhängigen Urartu machen wollte. Seine Residenz war vermutlich Arpad, die Hauptstadt von Bit-(A-)Gusi, das wohl mit Irpuni (heutiges Eriwan) identisch ist. Über diesen Feldzug im Jahr 649 ndFl berichten die Annalen des Salmanassar (III) in seinem 1. Feldherrnjahr (konv. 860 v.Chr., realiter 649 ndFl): Ich näherte mich Sugunia, der Festung des Aramu, des Urartäers. Ich umzingelte die Stadt und nahm sie ein. Ich tötete viele ihrer Krieger und trug Beute davon. Ich türmte einen Haufen abgeschlagener Köpfe auf vor ihrer Stadt. 14 Siedlungen in seinem Gebiet übergab ich den Flammen. Dann brach ich von Sugunia auf und zog hinab zum Naïri-See, wo ich meine Waffen im Wasser wusch, und brachte meinen Göttern Opfer dar.8 Auf dem Bronzetor der alten Stadt Imgur-Ellil auf dem südöstlich von Ninive gelegenen Balawat-Hügel befinden sich Darstellungen einiger Episoden dieses Feldzuges mit erläuternden Inschriften. Eine davon, über der Darstellung der brennenden Stadt Sugunia, lautet9: Ich eroberte die Stadt Aramus, des Urartäers. Über der Darstellung der Opferszene steht: Diese Statue, mein Abbild, stellte ich am See des Naïri-Landes auf. Opfer brachte ich meinen Göttern dar. Aramu kam in diesem Jahr noch einmal davon; denn er spielt auch bei dem folgenden Feldzug wieder eine Rolle, den Salmanassar in seinem 3. Feldherrnjahr führte (858 v.Chr., realiter 651 ndFl, in dem Jahr, in welchem Manachpiria seinen 17. und letzten Feldzug führte). Außerdem scheint sich Aramu gar nicht in seiner Festung Sugunia am Naïri-See, den ich für den Urmiasee halte, aufgehalten zu haben; denn Salmanassar erwähnt ihn nicht. Vermutlich war Aramu weit vom Schuss in Arpad-Irpuini-Eriwan in Armenien in der Ararat-Region. Assyrer-Feldzug gegen Urartu 651 ndFl Die Assyrer näherten sich Arzaschkus, der Stadt des Aramu, durch das Land Daiani10: Aramu, der Urartäer, floh, von Furcht vor meiner mächtigen Armee und meinem mächtigen Kampf ergriffen, aus seiner Stadt und stieg hinauf in das Adduri-Gebirge. Ich zog ihm nach und schlug in den Bergen eine mächtige Schlacht. Mit meinen Waffen streckte ich 3400 Krieger nieder. Wie Adad brachte ich eine große Regenwolke über sie. Mit dem Blut meines Feindes färbte ich die Berge, als wären sie Wolle. Ich nahm ihr Lager ein ... Darauf floh Aramu, um sein Leben zu retten, auf einen unzugänglichen Berg. In meiner großen Kraft trat ich sein Land nieder wie ein wilder Bulle. Seine Städte verwandelte ich in Ruinen und verbrannte sie mit Feuer. Pjotrowski schreibt dazu: In Szenen auf den Balawat-Toren ...(ist) die Einnahme von Arzaschku, der königlichen Stadt Aramus, des Urartäers (dargestellt), die im 3. Jahr Salmanassars (858 v.Chr.) erfolgte... Diese ausgedehnte Expedition Salmanassars III folgte einer Route, die der Tiglath-Pilesers I sehr ähnlich war. Während im ersten Jahr Sugunia als die Stadt des Aramu genannt wird, so ist es im dritten Jahr Arzaschku, das konventionell nicht als Hauptstadt Aramus aufgefasst wird, was auch zutrifft; denn, wie ich schon sagte, seine Hauptstadt war Arpad. Bei Arzaschku handelt es sich um die heutige Stadt Erzincan. Auf dem bei dieser Stadt gelegenen Hügel Altintepe hatte Argischti (und zwar nicht der Zweite, wie konventionell angenommen wird, sondern noch der Erste, der Sohn des Aramu-Menua) eine Festung gebaut, in die sich sein Vater zurückziehen konnte und wo er offenbar auch sicher war. Dass Aramu diesen Feldzug überlebte, kann als gesichert angesehen werden; denn wenn Salmanassar seiner habhaft geworden wäre, so hätte er es stolz verkündet. Außerdem wird Arame von Bit-Gusi noch als Tributzahler an Salmanassar in dessen 6. Feldherrnjahr (855 v.Chr. bzw. realiter 654 ndFl) erwähnt. Kurz danach muss Aramu-Menua-Ariaramnes dann aber verstorben sein. Pjotrowski11: Erst 735 v.Chr. unternahm Tiglath-Pileser den Einmarsch in Urartu, aber er traf auf keinen Widerstand bei seinem Zug durch das Land. Nach Tuschpa gelangt, belagerte er die Festung auf dem Felsen von Wan, in der Sarduri Zuflucht genommen hatte. Die Annalen des assyrischen Königs berichten die Ereignisse wie folgt: Ich schloss Sarduri, den Urartäer, in Turuschpa (Tuschpa), seiner Hauptstadt, ein und vollführte ein großes Gemetzel vor den Stadttoren. Dann errichtete ich ein Bild meiner königlichen Majestät oberhalb vor der Stadt. Es wird der übliche Fehler gemacht, indem die Ereignisse um Sarduri später als Argischti gesehen werden, da man diesen Sarduri für den Sohn und Nachfolger des Argischti hält. Es handelt sich jedoch bei dem elften Jahr Tiglath-Pilesers (735 v.Chr. bzw. realiter 651 ndFl) noch um sein elftes Feldherrnjahr, in dem Argischti bestenfalls als ein Vizekönig auf dem Thron saß, während sein Sohn Sarduri II nicht einmal eine solche Position innegehabt haben dürfte. Es kann somit nur Sarduri (II)12, der Sohn des Ischpuini, gemeint sein, dessen Stammhaus Tuschpa am Wansee war. Sarduri (II) dürfte in der uneinnehmbaren Festung überlebt haben. Aus dem chronologisch berichtigten Text ist zu entnehmen, dass Tiglath-Pileser und sein Sohn Salmanassar im Jahre 651 ndFl gemeinsam nach Urartu zogen, obwohl konventionell ein Zeitraum von 123 Jahren zwischen diesen beiden Zügen gesehen wird; aber Salmanassar III ist mit Salmanassar V, dem Sohn des Tiglath-Pileser III, identisch. Es hat überhaupt nur einen Salmanassar und auch nur einen Tiglath-Pileser = Tukulti-Ninurta gegeben. Den Heerzug des Jahres 651 ndFl müssen sie auf jeden Fall noch im Auftrage der Hethiter unternommen haben, die erst im Jahre 653 ndFl von den Assyrern unterworfen wurden. Die Hethiter wiederum müssen diese Aktionen gegen Urartu als Bundesgenossen der Ägypter veranlasst haben, da sie zwischen 644 und 652 ndFl keine offen feindseligen Handlungen gegen Ägypten unternommen haben. In dem in Rede stehenden Jahr 651 ndFl führte Manachpiria seinen 17. und letzten Feldzug. Während Tiglath-Pileser gegen Sarduri (II) in Tuschpa am Wansee vorging, richtete sich Salmanassars Heerzug gegen Aramu in Arzaschku. Zu Beginn müssten die beiden gemeinsam gezogen sein und sich dann getrennt haben. Pjotrowski13 beschreibt die Routen und vergleicht sie: 1. In einer Inschrift des assyrischen Königs Salmanassar I (1280-1261 v.Chr.) taucht zum ersten Mal der Ausdruck Uruatri auf, mit dem eine Ländergruppe bezeichnet wird, gegen die der assyrische König in den frühen Jahren seiner Regierung einen Feldzug unternahm. Die Inschriften berichten die Eroberung von acht Ländern, die insgesamt als Uruatri bezeichnet werden. Sie liegen in der Gebirgsgegend im Südosten des Wansees, möglicherweise im Talgebiet des Großen Zab. ... der assyrische Name Uruatri war wohl keine ethnische, sondern höchstwahrscheinlich eine geographische Bezeichnung (in der Bedeutung "Gebirgsland"). 2. In Texten des assyrischen Königs Tukulti-Ninurta I, des Sohnes von Salmanassar I, tritt eine andere kollektive Bezeichnung für das Stammesbündnis des armenischen Hochlandes auf. Das Gebiet der Stämme wird nun als die Naïri-Länder bezeichnet ... ein offizieller Ehrentitel (wurde) dem assyrischen König beigelegt: "König aller Naïri-Länder". Tukulti-Ninurta = Tiglath-Pileser war natürlich nicht der Sohn, sondern der Vater des Salmanassar; solche Verdrehungen ergeben sich in der konventionellen Chronologie fast von selbst. Der "Ehrentitel" besagt, dass Tiglath-Pileser tatsächlich Unterkönig der Naïri-Länder war, entweder noch zu der Zeit, als die Chatti die Herren in Vorderasien waren, oder zu der Zeit der assyrischen Vorherrschaft. 3. Ein detaillierter Bericht über eine assyrische Expedition in den Norden zu den Naïri-Ländern, von den Quellen des Tigris bis zum Land Daiani im Becken des Çoruh, ist erhalten in den Annalen Tiglath-Pilesers I (1116- 1090 v.Chr.). Der Feldzug führte nicht in die Gegend südöstlich des Wansees wie die Expedition Salmanassars I, sondern gegen den gesamten westlichen Teil des armenischen Hochlandes, von Norden nach Süden. Im Verlauf dieses Feldzuges drangen die Assyrer mehr als 500 km weit auf feindliches Gebiet vor. Dieser Feldzug wurde ebenfalls oben schon beschrieben. Er führte zum Oberen Meer (23 Könige der Naïri-Länder) und unterschied sich dadurch natürlich von dem Zug Salmanassars I (= III, V). Dass dessen Zug "in den frühen Jahren seiner Regierung" stattfand, bedeutet, dass wir es mit einem der Züge aus den Jahren 649 und 651 ndFl zu tun haben, während der unter 3. erwähnte Zug Tiglath-Pilesers I in das Jahr 642 ndFl gehört. 4. 860 v.Chr. = 649 ndFl = 1. Feldherrnjahr Salmanassars III: Zug gegen Aramu in Sugunia am Urmia- bzw. Naïrisee im Nordosten (von Ninive aus gesehen). 5. 858 v.Chr. = 651 ndFl = 3. Feldherrnjahr Salmanassars III: Zug gegen Aramu in Arzaschku im Westen des Landes Urartu. Wie Pjotrowski vermerkt, war diese Expedition (im 3. Jahr Salmanassars III) besonders ausgedehnt und folgte einer Route, die der Tiglath-Pilesers I sehr ähnlich war. Die Assyrer näherten sich Arzaschku durch das Land Daiani. Die "sehr ähnliche Route" Tiglath-Pilesers I führte ebenfalls durch das Land Daiani, nämlich in Richtung auf das Obere Meer (= Schwarzes Meer). Sie entspricht natürlich nicht der Route, die Salmanassar I in den Südosten des Landes benutzt hatte. Diese dürfte mit dem Anfang der Route des ersten Jahres in Richtung Transkaukasien übereinstimmen. Somit gehörte die Expedition Salmanassars I gegen die acht Uruatri-Länder eindeutig ins Jahr 649 ndFl. 6. Erst 735 (v.Chr. = 651 ndFl) unternahm Tiglath-Pileser (III) den Einmarsch in Urartu ... "Ich schloss Sarduri, den Urartäer, in Turuschpa (= Tuschpa), seiner Hauptstadt, ein". Während sich der Zug Salmanassars (III) in seinem 3. Jahr = 651 ndFl wiederum gegen Aramu richtete wie zwei Jahre zuvor, diesmal jedoch in den Westen des Landes (Einnahme von Arzaschku im Lande Daiani), zog Tiglath-Pileser (III) in seinem 11. Jahr = 651 ndFl gegen Sarduri in Tuschpa am Wansee. Es ist nicht auszuschließen, dass Argischti mittlerweile in seiner Stadt Irpuni am Ararat als Vizekönig seines Vaters auf dem Thron saß. Gegen ihn hätte sich dann kein Feldzug der Chatti-Assyrer in diesem Jahr gerichtet. Die Route, die Vater und Sohn 651 ndFl gemeinsam zogen, war dieselbe, die Tiglath-Pileser (I) im Jahre 642 ndFl benutzt hatte, jedoch nur bis zum Wansee. Salmanassar (I) zog 649 ndFl auf einer Route, die der weiteren Route des Tiglath-Pileser (I) nicht entsprach, weiter nach Ararat = Uruatri. Er hielt keineswegs schon im Südosten des Wansees an, sondern er zog weiter gegen Irem, das Land des Aramu von Bit-Gusi. Jetzt, im Jahre 651 ndFl, zog Salmanassar (III) auf einer Route, die der des Tiglath-Pileser (I) aus dem Jahre 642 ndFl sehr wohl entsprach, nach Arzaschku im Lande Daiani, während Tiglath-Pileser (III) in Tuschpa am Wansee blieb. Es ist sicher, dass beide Urartäer im Jahre 651 ndFl noch mit dem Leben davonkamen; sie mussten aber offensichtlich ihre neugewonnene Freiheit wieder aufgeben und über die Assyrer an Ägypten Tribut zahlen. Erst nach der Niederlage der Hethiter bei Karkemisch im Jahre 653 ndFl gegen den neuen assyrischen Oberherrn Adad-narari wurden die Urartäer erstmals den Assyrern tributpflichtig. Im Jahr zuvor hatten die Hethiter ihr Bündnis mit Ägypten aufgekündigt, indem sie in deren Land Amka eingefallen waren. Dadurch war offenbar auch die Herrschaft über Urartu von den Ägyptern für kurze Zeit auf die Hethiter übergegangen.
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