Siebtes Buch: 642 bis 656 ndFl
Manachpiria wird Pharao Auf keinen Fall konnte sich Manachpiria durch die Feindseligkeiten in Syrien-Palästina davon abhalten lassen, seinen Weg auf den Thron zu Ende zu gehen. Darüber, wie die Zeremonie der Krönung Manachpirias zum Pharao Men-cheperu-Re Djed-chu-ti-messe (= Thutmoses) vonstatten ging, informieren uns zwei Inschriften, deren Gleichzeitigkeit bisher nicht erkannt worden ist, nicht einmal von Velikovsky, der den Hohenpriester Mencheperre für jenen Amunpriester hielt, der Alexander den Großen in der Oase Siwa zum Pharao krönte. Beginnen wir deshalb mit der Maunier-Stele, die von Velikovsky in die Ptolemäer-Zeit verlegt wurde, und die Breasted nicht als das Pendant zu seiner Inschrift ansah, die wir danach besprechen werden. Velikovsky schreibt23: Eines der hervorragendsten Dokumente aus der Periode der 21. Dynastie (der Priester-Dynastie) ist die in Luxor gefundene sogenannte Stele der Verbannten oder Maunier-Stele, die sich heute im Louvre befindet. Die Stele ist schlecht erhalten ("sehr schwer zu lesen"24). Ihr Text... wurde von einem Priester des Amun verfasst, Mencheperre, Sohn des Peinuzem. Der Text (Die Zitate halten sich eng an H. Brugsch und Breasted, wie Anm. 2) beginnt mit dem Datum "Im Jahre 25 (Eig.Anm.: 25/43/652), im Monat Epiphi, am 29. Tag". Nach einigen unleserlichen Zeilen folgt "und es war die Majestät dieses herrlichen Gottes". (Es folgen weitere unleserliche Zeilen.) "Da legte er den Weg zurück zu den Schreibern, den Vermessern (Anmerkung Velikovskys dazu: Breasted übersetzt diesen Begriff als 'Inspektoren') und zu den Leuten". Der Hohepriester, der auf der Stele auch als "Oberbefehlshaber des Kriegsvolkes" bezeichnet ist, wird dann genannt: "Mencheperre, der Sohn des Königs Peinuzem-Meriamun, ... [sie waren] zu seinen Füßen". Velikovsky und vermutlich auch Breasted lassen sich hier ganz offensichtlich in die Irre führen; denn dieser Text stammt nicht von einem Hohenpriester Mencheperre, der irgendeinen anderen krönte, sondern der Text bezieht sich auf Mencheperre, den Oberbefehlshaber des Kriegsvolkes, der er bisher war und nun hier gekrönt wird zum Pharao Mencheperure Thutmoses IV. Er ist der ehemalige Priester und Sohn sowohl des Hohenpriesters Peinuzem-Echnamon als auch des Pharaos Ramses III/VIII Achan-Amun = Echnaton I. Der Text auf der Maunier-Stele fährt fort: "Ihr Herz war hoch erfreut ob seiner Güte, er war gekommen nach dem Süden als kühner Sieger, um wiederherzustellen die Ruhe im Lande und um zu züchtigen die Gegner. Er gab ihnen die wohlverdiente Strafe und richtete die alte Ordnung der Dinge wieder her." Im 1. Monat der 3. Jahreszeit trug sich folgendes zu: Maunier-Stele: "Er zog ein in die Stadt [Theben] mit wohlwollender Gesinnung, und es empfingen ihn die Bewohner jedes Alters von Theben unter lautem Zuruf." Dies kann als die Beschreibung der Niederschlagung eines Putsches oder eines Thronfolgestreits durch den Sieger angesehen werden, der zunächst als König von Oberägypten in Theben bleibt. Die Maunier-Stele gibt dem Leser einen Einblick in die "Trickkiste" der mit solchen Machenschaften vertrauten Priester, die schon seit einigen Generationen darin geübt waren, einem an sich nicht Thronberechtigten auf den "Götterthron" zu helfen. Man kann natürlich auch davon ausgehen, dass die Priester diese Krönung unter einem nicht unerheblichen militärischen Druck vornahmen; denn die Heeresmacht stand gewiss geschlossen hinter ihrem langjährigen Oberfeldherrn. Die Maunier-Stele fährt fort: "Und Boten waren vorausgeschickt worden. Da ward herausgeführt in Prozession die Majestät dieses herrlichen Gottes, des Herrn der Götter, Amun-Re, des Herrn von Theben. Er begrüßte ihn auf das Beste und setzte ihn auf den Stuhl seines Vaters als Hohenpriester des Götterkönigs Amun-Re und als Oberfeldherr von Süd- und Nord-Ägypten." Der letzte Satz überzeugt nicht: Im Amun-Tempel wurde man zum Pharao gekrönt und nicht zum Oberfeldherrn. Es muss heißen: "... den Hohenpriester..." und "... den Oberfeldherrn ..."; als der sich aber wieder erhob, war er Pharao. Velikovsky: Der siegreiche Gott - oder der göttliche Sieger - brachte ihm Ehrungen und Geschenke dar und bestätigte ihn in seinem Amt. Im 4. Monat der 3. Jahreszeit, am 5. Tag des Festes der "Geburt der Isis": Maunier-Stele: "... ward herausgeführt in Prozession die Majestät dieses herrlichen Gottes, des Herrn der Götter, Amun-Re, des Königs der Götter, und trat ein in die weiten Hallen des Amun-Tempels, woselbst er sich niederließ vor dem Pylon Amuns. Da trat zu Amun-Re, dem König der Götter, der Oberbefehlshaber des Kriegsvolkes, Mencheperre, und pries ihn gar sehr in zahlreichen [Gebeten] und stellte ihm auf ein [Opfer] von allerlei guten Dingen." Heutige Gelehrte nehmen an, dass hier zwei Akteure an der Handlung beteiligt gewesen sind: der Hohepriester und sein Gottes-Orakel. Diese Gelehrten wundern sich über das Verfahren (Petrie: History of Egypt from the XIXth to the XXXth Dynasties, Bd. III, S. 221): "Es hat den Anschein, als sei er lange von Theben fort gewesen, und als habe er es nun nötig, sich der Anerkennung des Gottes erneut zu versichern; so verhält sich ein residierendes Oberhaupt der Priesterschaft keineswegs." Es folgt die Ansicht Velikovskys, dass "Seine Majestät" gar nicht (der Hohepriester) Mencheperre sei. Die Begründung dieser Ansicht ist unbefriedigend. Der Text kann definitiv so verstanden werden, also würde hier der Hohepriester und Oberbefehlshaber des Heeres mit Namen Mencheperre, Sohn des Peinuzem-Painuzem, zum Pharao gekrönt. Velikovsky fährt fort: Nachdem der Hohepriester seinen göttlichen Besucher ... gepriesen ... hatte, begann er das Orakel zu befragen: Maunier-Stele: "Da redete zum anderen Male der Oberpriester des Amun-Re, Mencheperre, zu ihm, indem er sprach: 'Du mein gütiger Herr, es ist ein Gerede und es wird wiederholt [von den Leuten].' Darauf nickte der große Gott lebhaft." (H. Brugsch, siehe oben) Der Hohepriester fragte: Maunier-Stele: "... 'Du mein gütiger Herr, dieses Gerede der Leute betrifft eine Wehklage ob des Zorns, den du hegst gegen die, welche in der Oase weilen, in derjenigen, welche du für sie bestimmt hast.' Dann nickte der große Gott ausdrücklich und dieser Oberbefehlshaber des Kriegsvolkes erhob seine Hände, um anzubeten und um zu preisen seinen Herrn, so wie ein Vater zu seinem eigenen Sohn spricht." (H. Brugsch, siehe oben) Der Schluß dieses letzten Satzes kommt höchst unerwartet. Ein Priester würde zum Gott Amun wie ein Sohn zu seinem Vater sprechen, aber nicht wie ein Vater zu seinem Sohn. ... Ein verblüffter Übersetzer des Textes (Breasted, Anc. Rec., Bd. IV, Abschn. 655, Anm. a) bemerkte dazu: "Die Umkehrung des Vergleichs von Vater und Sohn steht so im Original." In dem er seine Frage wiederholte und noch ausführlicher stellte, gelang es dem Priester, die Antwort zu erhalten, dass die Exilierten, die sich in der Oase befanden, entfernt und dass in Zukunft keine Verbannten mehr dorthin verwiesen werden sollten. Es war dem Priester offensichtlich sehr daran gelegen, sicherzustellen, dass dieser Orakelspruch des Gottes bekanntgemacht und befolgt wurde. Er sagte: Maunier-Stele: "'Du mein gütiger Herr: Erlasse du einen gültigen Befehl in deinem Namen, dass kein Bewohner des Landes verbannt werden soll in die weite Ferne der Oase ... von diesem heutigen Tage an bis in alle Zukunft.' Dann nickte der große Gott lebhaft.- 'Verkünde, dass dies in Gestalt eines Beschlusses gesetzt werde auf eine Säule [von hartem Stein], und dass sie aufgestellt werde in deinen Städten.'" Das Abfassen von Dekreten und das Einmeißeln auf Stelen war das Vorrecht von Königen. Die zweite Frage, die der Priester dem Orakel des Amun stellte, bezieht sich in gewissem Sinn auf Mörder, ob sie durch Hinrichtung bestraft werden sollten. Maunier-Stele: "Da trat der Hohepriester des Amun, Mencheperre, an den großen Gott heran, indem er also redete: 'Was alle diejenigen betrifft, von denen sie dir berichten werden, dass sie Menschenleben vernichtet haben, du sollst sie zerstören, du sollst sie hinrichten.'* Auch dazu nickte der große Gott lebhaft." ... Brugsch übersetzt diese Passage(*): "Wenn irgendein Mensch auftreten sollte, der von dir behauptet, dass er emporgerichtet habe die Bewohner und das Gedeihen des Landes, so verderbe ihn, so töte ihn." ... Vor der letzten Frage und der Antwort, die das Orakel darauf gab, enthält der Text einen Satz, der in keinerlei Zusammenhang mit dem Text zu stehen scheint: Maunier-Stele: "... als ich noch im Mutterleib weilte. Du hast mich gebildet im Ei ..." als werde dem Gott Amun die physische Erschaffung des göttlichen Herrn in einem Mutterleib zugeschrieben. Velikovsky nimmt an, dass es sich bei diesem Vorgang um die Krönung Alexanders des Großen zum Pharao in der Oase Siwa durch den Hohenpriester Mencheperre aus der 21. Dynastie handelt. Wie ich schon sagte, handelt es sich hier aber um die Krönung des Heerführers und Hohenpriesters Mencheperre zum Pharao Men-cheperu-Re, wie aus folgender Passage hervorgehen dürfte: Maunier-Stele: "... die Majestät dieses herrlichen Gottes, des Herrn der Götter, Amun-Re, des Königs der Götter, und trat ein in die weiten Hallen des Amun-Tempels, woselbst er sich niederließ vor dem Pylon Amuns. Da trat zu Amun-Re, dem König der Götter, der Oberbefehlshaber des Kriegsvolkes, Mencheperre ..." Zwei "Tricks" der Priester fallen uns hauptsächlich auf: 1. Der Gott Amun nickt zustimmend. Bei der unter falschen Vorstellungen entstandenen und keineswegs eindeutig zu nennenden Übersetzung ist es meines Erachtens erlaubt, das zustimmende Nicken des Gottes Amun, der doch kein anderer als der Dynastiegründer Amun-Menes selbst ist, zu der Krönung eines nicht in seinem Sinne berechtigten Nachfolgers aufzufassen. Amun-Menes hatte zu Lebzeiten den Amun-Tempel gegründet, damit dessen Priesterschaft nur einen direkten männlichen Nachfahren des Amun-Menes auf den Pharaonenthron setzte, um so die Dynastie zu bewahren. 2. Mencheperre ist von Amun selbst im Ei im Mutterleib gezeugt worden. Insofern ist er also ein direkter männlicher Nachfahre des Amun-Menes und kann infolgedessen zum Pharao gekrönt werden. Dieser "Trick" ist in einer ähnlichen Version schon bei der Wiederholung der Geburten in einer früheren Zeit angewendet worden. Damals hatte der Gott Re den bzw. die ersten Ramessiden im Ei im Mutterleib gezeugt. Breasted sieht den Vorgang, den er auf der Maunier-Stele interpretiert hat, in einer anderen Quelle, die er einer früheren Zeit zugeordnet hat, völlig anders, obwohl ihm die Ähnlichkeit, ja eigentlich die frappierende Ähnlichkeit dieser Vorgänge hätte auffallen müssen25,26: Während eines Staatsfestes (Eig.Anm.: siehe oben das Fest der Geburt der Isis!), das in der Tempelhalle Thutmoses' I vor sich ging, sicherte die Priesterschaft des Amun, die ihn (Eig.Anm.: Thutmoses-Manachpiria) unterstützte, unter höchst dramatischen Umständen seine Berufung zum König (Eig.Anm.: es muss heißen zum Pharao; denn er war bereits König im Delta) durch den Gott selbst. Während das Bild des Amun unter den Zurufen der Menge von seiner geheiligten Stätte aus in den Tempelhof getragen wurde, hatte sich Thutmoses III mit den übrigen Gottesdienern im nördlichen Säulengang der von Thutmoses I errichteten Halle des Tempels aufgestellt. Die Priester trugen den Gott an beiden Seiten des Säulenganges entlang, als ob er jemanden suche, bis er plötzlich vor dem jungen Prinzen (Eig.Anm.: hier irrt Breasted; der Kandidat war bereits 72 Jahre alt), der sich ehrfürchtig zu Boden warf, haltmachte. Aber der Gott hob ihn auf und ließ ihn sofort an die Stelle führen, an der nach dem Ritual des Tempels allein der König (Pharao) stehen durfte (Eig.Anm.: gemeint ist der in der Maunier-Stele erwähnte Pylon des Amun). Ist die Übereinstimmung der auf der Stele und in der anderen Quelle Breasteds beschriebenen Vorgänge nicht geradezu verblüffend? Wie ich oben schon sagte, war ein Pharaonentitel für Manachpiria unter normalen Umständen in so weiter Ferne, dass es außerordentlicher seherischer Begabungen bedurft hätte, einen solchen für ihn vorauszusagen. Jedoch er selbst hatte immer schon daran geglaubt, dass er eines Tages Pharao werden würde. Dafür hatte er die Sphinx vom Sande befreit, den der Taifun im Gefolge der Katastrophe Typhon 4 aus der Sahara herbeigeweht und über dem "Gott der Sphinx" aufgeworfen hatte. Und der Gott hatte dem in seinem Schatten schlafenden, von der Jagd ermüdeten jungen Prinzen Thutmoses (oder Scheschonk) die Pharaonenwürde versprochen, wen er ihn vom Sande wieder befreie. Im Jahre 652 ndFl, 28 Jahre nach seiner Verschüttung und etwa 20 Jahre nach seiner Freilegung, löste der Gott sein Versprechen ein. Die diesbezügliche Inschrift auf einer Tafel zwischen den Tatzen der Sphinx wird Thutmoses IV Men-cheperu-Re zugeschrieben, mithin dem Pharao Thutmoses vormals Manachpiria. Über den vierten Thutmoses wundert sich Breasted, dass er sich als "Eroberer Syriens" bezeichne, obwohl seine kurze Regierungszeit (von acht oder nur wenig mehr Jahren) keinerlei Eroberungszüge dorthin erkennen lasse und außerdem eine Eroberung Syriens gar nicht erforderlich gewesen sei, da Syrien seit den Tagen Thutmoses' III und noch bis unter Echnaton (Amarnabriefe!) fest in ägyptischer Hand war. Ich brauche dem Leser hierzu nichts mehr zu erläutern. Unterstellen wir, dass sich der Thronfolgekrieg Manachpirias nach dem Tode des Sethos-Amenophis II Acheperure gegen dessen Sohn Taharka richtete, der sich in Theben auf den Thron setzen und Pharao werden wollte, wozu er doch immerhin wohl berechtigt war, dann muss geklärt werden, was aus diesem Prätendenten wurde. Nach dem Todes des Pharaos wäre nach der 70Tages-Frist, innerhalb derer der neue Pharao zu ermitteln war, dieser durch die Zeremonie der Mundöffnung an der Mumie seines Vorgängers legitimiert worden. Früher als 70 Tage nach dem Tode des Acheperure hätte demnach keine Krönung im Tempel des Amun stattfinden können. Die Daten liegen deshalb auch in der 3. Jahreszeit des Jahres 25 = 652 ndFl. Während seiner Pharaonenzeit widmete sich Manachpiria mehr dem Süden als dem (verlorenen) Syrien. Im Jahre 32/50/659 soll er eine Expedition nach Nubien gesandt haben, das ihm seit seiner Krönung - er verzeichnet zu diesem Anlaß 578 Pfund aus dem Lande Wawat - bis zu seinem Tode alljährlich 600-800 Pfund Gold liefern musste. Die Namen von 115 Städten, die er dort eingenommen haben soll, finden sich zweimal auf den Tempelwänden von Karnak (Theben) verzeichnet. Sein Vizekönig Nechi betrieb die Fortführung seiner Bauten dort an verschiedenen Orten27. Dieses nubische Unternehmen entspricht auch demjenigen, das für das achte Regierungsjahr Thutmoses' IV, also des mittlerweile zum Pharao avancierten Men-cheper(u)-Re, überliefert ist28: Die Unterdrückung eines größeren Aufstandes in Nordnubien, in seinem achten Regierungsjahre, bildet den Schluss der uns bekannten Kriege Thutmosis des Vierten. Er scheint diesen Krieg nicht lange überlebt zu haben. In der Tat starb Manachpiria vier Jahre später; aber er brauchte Nubien meines Erachtens nicht mehr zu erobern, da es seit den Tagen des Chus-Sesostris-Thutmoses ein fester Bestandteil Ägyptens war. Auf den Tempelwänden sind lediglich die nubischen "Steuerzahler" verzeichnet, so wie heute die Finanzämter die Listen der Steuerpflichtigen in den Schubladen haben. Besonders interessant ist der Hinweis auf den derzeitigen Vizekönig Nechi, der niemand anderer ist als Necho, Nekos, Paionech, Biëneches, Baina-Lechem, Menelik, Lagos usw. Dieser Sohn des Pianchi und der Saba muss der Nachfolger seiner Mutter oder eines ihrer Nachfolger gewesen sein. Seine Mutter war bis zu ihrem Weggang aus Nubien (etwa 651 ndFl) Königin von Nubien-Äthiopien gewesen. Ihr Nachfolger könnte aber weniger ihr Sohn, sondern viel eher ihr nach kurzer Regierungszeit aus Achet-Aton abgezogener Bruder Didumes-Schabaka geworden sein, der somit von 651 bis 659 ndFl in Nubien-Äthiopien als Vizekönig residiert haben müsste. Da nicht einzusehen ist, dass Nubien erst im 50. Jahr des Manachpiria erobert worden sein soll, so muss hier an eine Strafexpedition nach Nubien gedacht werden, nach welcher Paio-Necho dort eingesetzt wurde. Bei dieser Expedition könnte Schabaka abgesetzt worden sein. Er floh vermutlich und kam erst nach dem Tode des Manachpiria aus seinem Versteck wieder heraus, um im Delta Bokchoris abzusetzen. Es gilt, Licht in das "äthiopische Gedrängel" zu bringen, in das eine ganze Dynastie verwickelt ist. Konventionell ist dieses "dunkelhäutige" Fürstengeschlecht hauptsächlich deshalb dunkel, weil es in eine chronologisch extrem chaotische Phase geraten ist. Wie wir bereits bemerkt haben, handelt es sich keineswegs um dunkelhäutige oder negroide Herrscher. Eines steht jetzt schon fest: Auf den Pharaonenthron kam bisher noch keiner von ihnen. Da Breasted die 25. Dynastie (die äthiopische) nur unvollständig führt, möchte ich die (ebenfalls nicht richtige) Datierung nach Drioton/Vandier hier wiedergeben:
In der berichtigten Chronologie ergibt sich das folgende Bild:
Der Verbleib des Taharka bis 663 ndFl gibt noch einige Rätsel auf. Wie aus vorstehender Tabelle zu ersehen ist, werden wir uns in einem späteren Kapitel eingehend mit Paionech zu beschäftigen haben. Dieser im Jahre 610 ndFl geborene Sohn von Pianchi und Saba ist der im AT erwähnte Pharao Necho, der Nekos des Herodot und Psammetich Mentemchet, genannt der Große. Vom Ende der 25. bis in die 26. Dynastie sollen die Assyrer über Ägypten geherrscht haben. Das ist prinzipiell auch richtig. Die obige Darstellung nach Drioton/Vandier entspricht aber nicht nur in chronologischer Sicht nicht den Tatsachen, sondern hauptsächlich wegen einiger gravierender Irrtümer, von denen hier ein Teil richtiggestellt werden soll, während der restliche Teil erst später an der Reihe ist. Wir begeben uns jetzt ins Delta und schauen, was sich dort nach dem Weggang des Manachpiria ereignete; denn hier in Saïs/Tanis war jetzt der Thron für einen anderen Deltakönig freigeworden. Das Delta nach Manachpiria Manachpiria führte seine Feldzüge als libyscher Unterkönig von seiner Residenz in Saïs/Tanis aus, wo auch der von Scheschonk (IV) gebaute Tempel gefunden wurde, auf dessen Wänden die eroberten Städte Syriens in derselben Art eingemeißelt waren, wie Thutmoses Mencheperre sie später auf den Wänden des thebanischen Tempels eingravieren ließ. Im Jahre 652 ndFl, als Manachpiria Pharao wurde, ging der Bezirk Amurru-Kanaan für die Ägypter verloren; nach dem in diesem Jahr erfolgten Amka-Überfall gehörte dieses Gebiet zunächst den Chatti und nach deren Niederlage gegen Adad-Nirari den Assyrern. Die Vakanz des Thrones im Delta kam gerade rechtzeitig, um den aus Amurru-Kanaan geflohenen ägyptischen Magnaten eine neue Wirkungsstätte zu bieten. Zu diesen "Großen" gehörte Bokchoris. Sein Onkel Ianchamu-Pianchi, der "Kornverteiler" von Iarimuta, scheint bereits im Delta ansässig gewesen zu sein. In Saïs wurde Bokchoris, der Sohn des Zaphenat-Tefnachte, eingesetzt. Er war einst der junge Heerführer Chu-sebek (= Se-Bek-chu-Re) des Chus, der im Jahre 617 ndFl eine Niederlage gegen die Amoriter einstecken musste, was für den damaligen Pharao Chus-Sesostris Anlass zu seiner Abdankung war. Chus ging daraufhin nach Nubien. Die folgende Tabelle soll eine Übersicht über die Gleichzeitigkeiten im Delta, in Achet-Aton und in Nubien geben:
Schabataka, der Sebichos des Manetho, heißt bei Breasted mit Thronnamen D(j)ed-kau-Re. Er hält ihn nicht unbedingt für einen Sohn Schabakas, obwohl Manetho dies sagt. Ich gebe nicht nur Manetho recht, sondern ich halte ihn darüber hinaus auch für den in Amarnabrief Nr. 155 (des Abimilki von Tyrus) erwähnten Schalmaiati. Der Sebichos Schabataka war wie sein Vater Schabaka Neferhotep ebenfalls ein Sebekhotep. Außerdem hatte Schabaka-Didumes, der Sohn von Echnaton und Saba, dieselbe Namenskonstruktion wie der Sebekhotep Taharka, woraus hervorgeht, dass diese Namenskombination keine persönliche, sondern eine dynastische Bezeichnung ist: Didumes-Schabaka = Sebek-hotep Djed-nefer-(ka-)Re; Didumes-Schabataka = Sebek-hotep Djed-chetep-(kau-)Re; Taharka = Sebek-hotep Neb-cheru-Re Nefer-tem; Bokchoris = Sebek-hotep Sebek-chu-Re, Chu-sebek. Seine Mutter war mit großer Wahrscheinlichkeit eine Tochter des Chus-Sebek-hotep = Pesibkenno. Wir haben es bei den Deltafürsten überwiegend mit Angehörigen der Familie des Josef zu tun, der allerdings selbst nicht mehr am Leben ist:
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