Physik, Geist und Gott?

Gottesvorstellungen

Trotz der scheinbaren Unmöglichkeit, verborgene Wahrheiten zu erkennen, oder vielleicht gerade deshalb, sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, mehr oder weniger gesicherte Informationen zu Spekulationen zu verknüpfen. Auch wenn wir nur glauben, die Welt zu verstehen, kann uns das helfen. Wir werden vielleicht zufriedener, und eine Schöpfung achtet man mehr als eine durch eine Kette von Zufällen über Jahrmilliarden entstandene Welt, von der über Kurz oder Lang nichts mehr bleibt. Und die Spekulationen könnten ja eines Tages verifiziert und damit zu gesichertem Wissen werden. Je ähnlicher diese neu geschaffenen Informationen den vorhandenen sind, um so leichter. So stellten sich früher viele Menschen Gott einfach als einen gütigen alten Mann vor, der irgendwo da droben im Himmel "sitzt", genau so unerreichbar wie der König oder der Kaiser auf seinem Thron.

So steht es auch in der  Bibel Bücher - Die Bibel Die Bibel im Büchershop meiner Tochter (1. Mose, Vers 27): "Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde", was umgekehrt heißt, Gott sieht aus wie wir. Eine Vorstellung, die uns heute eher absurd erscheint. Rational denkende Menschen tendieren da schon eher zu dem Philosophen Ludwig Feuerbach, der schrieb "Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde." Das heißt nicht, dass es Gott nicht gibt, wir wissen nur nichts über die jenseitige Welt und schaffen uns Vorstellungen. Mit einem menschenähnlichen Gott lässt es sich eben leichter kommunizieren.

Wer Gottesdienste in der Kirche besucht, spricht es jedesmal: »...er sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters...«. Das heißt, Gott hat eine rechte Hand und Jesus "sitzt" neben ihm. Ist das wirklich unsere Gottesvorstellung? »Na ja, das ist halt symbolisch gemeint.« Oder fragen wir lieber nicht danach? Über die mystische Seite der Religion hören wir in den Kirchen fast nichts. Auch wir evangelischen "Protestanten" ruhen uns seit fast 500 Jahren auf der Reformation Martin Luthers aus und bekommen von unseren Pfarrern am Sonntag serviert, wie wir zu leben und uns zu verhalten haben. Die von Jesus vermittelten Verhaltensanweisungen wie »Liebe deinen Nächsten« sind natürlich gut und richtig, aber eigentlich ist das Sozial-Philosophie und nicht Religion! Unsere Ethik und Moral in christlich geprägten Gesellschaften gehen eben zu einem großen Teil auf die Lehren Jesu zurück. Durch Jesus wurden die archaischen Gottesanweisungen im Alten Testament von Abraham bis Moses relativiert. Tieropfer und Menschenopfer zur Gottesverehrung wurden erst durch Jesus endgültig abgeschafft. In unserer Bibel, im Alten Testament, stehen sie nach wie vor! Und die Kirchen versäumen es, sich ausdrücklich davon zu distanzieren.

Im mystischen Teil heben die Kirchen vor allem die Vergebung von Schuld und Sünden durch Jesu Tod hervor, was sich schon in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende als Erfolgsmodell herausstellte. Nach dem Rezept: Rede den Leuten Schuld ein und versprich ihnen Erlösung davon, dann werden sie in Scharen kommen, sich beherrschen lassen, ihr Geld mitbringen und, schließlich im Mittelalter, Ablassbriefe kaufen. Wer anderer Meinung war, wurde von der Inquisition grausam gefoltert und als Ketzer umgebracht. Das ist nichts anderes als rücksichtslose Machtausübung, deren Nachwirkungen wir Kirchenmitglieder heute noch spüren. Der Ablasshandel wurde nur durch die (durchaus gemäßigtere) Kirchensteuer ersetzt.

Nachdem für die Erzeugung von Schuldgefühlen die Zehn Gebote nicht reichten, erklärte man andere, an sich selbstverständliche Dinge zu Todsünden. Sexuelle Aktivitäten ohne die Absicht zur Nachkommen-Zeugung zum Beispiel erklärte man kurzerhand zur Todsünde der Wollust. Alltägliche Schwächen, aber auch gute und schöne Dinge erzeugten plötzlich Schuldgefühle und Angst. Die Kirche versprach Erlösung und Vergebung. Buße, Selbstzüchtigung und Ablassbriefe wurden bei vielen Menschen zur Sucht, die Abhängigkeit erzeugte, und ganze Familien ins Elend stürzte. Religiöser Wahn, genau so schädlich wie Trunksucht oder Drogenabhängigkeit. Der Jesus, den ich meine zu kennen, wäre entsetzt darüber, was in den 1500 Jahren nach ihm aus seiner Lehre gemacht wurde, von der Frühkirche bis ins Mittelalter.

Ein gewisser Mangel an positiver Mystik in unseren modernen Kirchen ist wohl auch der Grund für die neue Erstarkung alter Religionen. Vom Neu-Heidentum bis zum Buddhismus finden Menschen ihre mystischen Bedürfnisse und Sehnsüchte eher erfüllt als in den Kirchen. Vor diesem Hintergrund hat die grundsätzliche Diskussion über Ein-Gott-Glauben, Dreieinigkeit und Vielgötterei nach meiner Meinung überhaupt keinen Sinn. Sie ist gefangen in unserer menschlichen irdischen Vorstellungswelt und basiert nur auf theoretischen theologischen Konstrukten. Das metaphysische Gefühl bleibt dabei auf der Strecke.

Ein-Gott-Glaube, Monotheismus

Echnaton und Nofretete unter der Sonnenscheibe Aton Der Glaube an einen einzigen Gott ist keine Erfindung der Juden oder Christen. Schon in der 18. Dynastie des Alten Ägyptens (Neues Reich, um 1340 v. Chr) führten Amenophis III., Echnaton und Nofretete den Glauben an einen Gott Aton (die Sonne, eine andere Form des Gottes Re) ein. Indem Echnaton Aton über alle anderen Götter stellte, machte er sich viele Feinde. In seinem Sonnengesang, auch Großer Sonnenhymnus oder Aton-Hymnus, verehrt er den Sonnengott Aton als Schöpfer und Erhalter der Welt und des Lebens. Sogar physikalisch gesehen hat er damit natürlich recht. Ohne die Sonne gäbe es das Leben auf der Erde nicht, und unser Planet wäre ein tiefgefrorener Eisball im Universum. So wie Echnaton seine Verehrung für den einen Gott in seinem Sonnenhymnus äußert, finden wir es ähnlich in späterer Zeit zum Beispiel im Psalm 104 unserer Bibel wieder oder im Sonnengesang des Franz von Assisi.

Nach meinem Gefühl ist die geistige Welt und damit Gott so universell, dass Überlegungen wie die Anzahl der Götter oder ihre Namen völlig irrelevant sind. Hier landen wir wieder bei der Bibel und den alten Griechen: »Wir alle sind Teile Gottes!«

Kommunikation mit Gott

Zu allen Zeiten versuchten die Menschen mit den Göttern oder der geistigen Welt in Verbindung zu treten. Die Kontaktaufnahme ist jedoch immer nur subjektiv wahrnehmbar. In unserer heutigen rationalen und kritischen Zeit vermutet man dabei natürlich sofort entweder Betrug oder zumindest Selbsttäuschung aufgrund von Wunschdenken. Als Gegenargument werden oft MRT-Untersuchungen des Gehirns angeführt, die bei gläubigen Menschen andere Aktivitäten im Gehirn anzeigen, wenn sie sich mit transzendenten Themen befassen, als bei nicht gläubigen. Selbst mit halluzinogenen Drogen wird dabei experimentiert! Andere Gehirnaktivitäten sind eben kein Beweis für eine Kontaktaufnahme mit Gott oder Transzendenz, sondern eben nur der subjektive Unterschied im Denken der Personen. Die Druiden der Kelten, die Priesterinnen der Germanen, die betenden Christen genauso wie die Priester der Maya oder der meditierende Buddha, ob in Trance durch stundenlangen ekstatischen Tanz oder durch Drogen, objektive Beweise wird es nicht geben, es sei denn Gott spricht wieder mit uns wie im Alten Testament. Selbst die Nasca-Linien (Nazca-Linien) und Geoglyphen waren ein Versuch, mit den Göttern im "Himmel" in Kontakt zu treten. Eine Antwort scheint es nicht gegeben zu haben, denn die Nazca-Kultur erlosch.

Alle suchten sie am Himmel, denn dort gibt es die wunderlichsten Erscheinungen von der Sonnenfinsternis bis zum Gewittersturm. Und da die Götter so hoch oben sind, muss man irgendwie auf sich aufmerksam machen. Durch Tieropfer oder gar Menschenopfer zum Beispiel. Ein Teil der Körper wurde fast immer verbrannt. Auch in unserer christlichen Bibel, im Alten Testament, erteilt Mose die entsprechenden Anweisungen dazu. Das Fett der Tiere sollte am Altar verbrannt werden. Der aufsteigende Rauch sollte die Götter im Himmel aufmerksam machen. Die Nasca-Geoglyphen mussten große Figuren darstellen, damit sie den hoch oben wohnenden Göttern auffielen. 

Von dieser Vorstellung, Gott wohne hoch oben, kommen wir immer mehr ab. Im Englischen gibt es sogar zwei verschiedene Wörter für den Himmel über uns und den Himmel des Jenseits. Das Geistwesen Gott suchen wir überall und nirgends, auf jeden Fall allgegenwärtig, unabhängig von Raum und Zeit. Vielleicht finden es ja irgendwann die Elementarteilchen-Physiker im Allerkleinsten. Vielleicht ist es das Ziel der Evolution und des ganzen Universums, eines Tages so weit zu kommen, um objektive Kommunikation mit unserem Schöpfer aufzunehmen. Wer weiß? Meine Generation wird es nicht mehr erleben. So weit sind wir noch lange nicht!

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Bitte beachten Sie: © 2010, 2021 von Erwin Purucker


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