Physik, Geist und Gott?

Greift eine Höhere Macht in unser Leben ein?

Kamen Sie sich nicht auch schon manchmal vor wie ferngesteuert? Sowohl negative als auch positive Ereignisse häufen sich manchmal eine bestimmte Zeit lang, ohne dass wir das beeinflussen können. Hakan Nesser hat diesen Effekt in seinem Roman Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod einmal als "Verdichtungen im Handlungsstrom" und als "Wogen in der Zeit" bezeichnet. Man kann solche Häufungen natürlich als psychologischen Effekt oder als selektive Wahrnehmung ansehen. Ich glaube jedoch, "subjektiv erlebte objektive Hinweise" (sehr persönlicher Art) für das Eingreifen oder den Einfluss auf unser Leben von "Außen", also außerhalb von Physik, Kausalität und Zufall zu haben. Nicht so deutlich und viel diffiziler als zu biblischen Zeiten, als Gott noch zu den Menschen sprach. Und objektive Beweise gibt es natürlich nicht!

Ebenso verhält es sich mit völlig unabhängigen Ereignissen, die irgendwie zusammenzuhängen scheinen, was Köstler als Synchronizität bezeichnet, erwähnt z.B. auch von Jo Nesbo in Die Larve. Auch der Psychiater Carl Gustav Jung und der Physiker Wolfgang Pauli haben sich mit diesen sinnvollen Zufällen befasst und haben sie als [nachträgliche?] Korrelationen durch Zusammentreten in einem Sinnmuster erklärt. Manche Parapsychologen versuchen, die Synchronizität mit an sich physikalischen Effekten und Theorien zu erklären, wie der schwachen Quantentheorie, auch Verallgemeinerte Quantentheorie VQT. So weit ich das überhaupt verstehen kann, klingt das doch schon sehr weit hergeholt, esoterisch und stark nach Phantasie. Statistische Korrelationen von Verschränkungs-Effekten sind eben genausowenig beweiskräftig wie nachträgliche Sinngebung von Zufallselementen. Oder eben die Einflussnahme einer lenkenden jenseitigen geistigen Macht.

Greift Gott oder eine andere höhere Macht zum Guten oder Bösen ein? Im Mittelalter war die Frage leicht zu beantworten: Gott zum Guten und Satan zum Bösen, und beide stehen im Widerstreit. Durch die Erbsünde wurden die Menschen schwach und anfällig gegen das Böse, Jesus hat uns gerettet, aber trotzdem sollten wir alle schön brav sein. Egal ob Kriege oder persönliche Schicksalsschläge, auf die Frage »Warum hat Gott das nicht verhindert?« hört man oft Sätze wie »Gottes Wege sind unergründlich.« oder »Es wird sich schon alles fügen, im Jenseits ergibt alles einen Sinn.« Das mag durchaus sein, aber diese Schicksale bleiben unergründlich, unbefriedigend und rätselhaft. An dem Punkt ist man versucht, doch wieder alles dem ungelenkten Zufall zuzuschreiben. Die Belastung durch die sogenannte Erbsünde würden weltlichere Philosophen vielleicht als Krankheit der Gesellschaft bezeichnen, oder etwas gelehrter als soziale Pathologie.

Vielleicht sollten wir die oft gestellte Frage "Ob es das Schicksal heute gut mit uns meint?" etwas wörtlicher nehmen. Redewendungen haben oft eine unbewusste tiefe Bedeutung. Jedoch wird eine lenkende Macht wohl eher das Große Ganze im Auge haben und weniger auf das Wohlergehen eines Einzelnen rücksicht nehmen.

Vielleicht geschieht das Eingreifen auch, um das Leben interessanter zu machen. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass das ewige Leben im Paradies doch mit der Zeit langweilig werden müsste. Selbst wenn wir die Entwicklung auf der Erde und im Kosmos von dort beobachten könnten, ist ein ewiges Leben einfach nicht vorstellbar. Die Lösung ist ein Dasein außerhalb der Zeit, obwohl wir uns das auch nicht vorstellen können. Da Langeweile schon im Begriff die Zeit (Weile) enthält gäbe es sie dann nicht. Nun, wir werden alle erleben wie es weitergeht. Keiner wird vergessen oder kommt in die Hölle.

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