Physik, Geist und Gott?

Zusammenfassung

Eine Geistige Welt?

  • Dass es keine geistige Welt gibt, die man im weiteren Sinn auch "Gott" nennen könnte, ist das Unwahrscheinlichste überhaupt.
  • Da sich diese Welt außerhalb unserer Wahrnehmung, außerhalb unserer Welt und außerhalb von Raum und Zeit befindet, ist es objektiv unsinnig, sich für eine bestimmte Religion oder eine bestimmte Gottesvorstellung zu entscheiden, und zu meinen, man selbst wäre im Gegensatz zu anderen im Besitz der absoluten Wahrheit.
  • Obwohl ich selbst ähnliches erlebt habe (oder erlebt zu haben glaube), fällt mir keine Möglichkeit ein, sogenannte Gotteserfahrungen von psychologischen Effekten, Wunschvorstellungen oder selektiver Wahrnehmung zu unterscheiden, Ihnen?
  • Entscheidet man sich trotzdem für eine Religion, ist dies sinnvoll, wenn uns, ganzen Bevölkerungsgruppen oder den Menschen an sich diese Entscheidung subjektiv und objektiv gut tut und uns hilft dieses Leben zu bewältigen. In der Vergangenheit überwog leider das Gegenteil.
  • Für eine bestimmte Gottesvorstellung sein Leben zu opfern, zu töten oder gar Kriege zu führen, ist völlig absurd. Es wäre zum Lachen, wäre es nicht so traurig und tragisch.
  • Da unser Bewusstsein, unser Geist, unsere Seele, Teil der geistigen Welt ist, bleibt es auch bestehen, wenn der materielle Körper stirbt, keines geht verloren. In welcher Form weiß niemand, und wird wahrscheinlich auch nie jemand sicher wissen.

Mag sein, dass Sie jetzt sagen: »Das ist ja alles nichts Halbes und nichts Ganzes. Entscheide dich doch mal für eine Seite!« Dem halte ich dagegen: »Das ist genau das Falsche! Das ist Polarisation aufgrund nicht vorhandener objektiver Informationen, und die hat die Menschheit in den letzten 2000 Jahren immer wieder in Krieg und Verderben geführt!« Betrachten wir mal zwei Extreme:
König David:
»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser...«
Richard Dawkins:
»Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.«
Es gibt keinerlei objektive Informationen, die es uns ermöglichen würden, uns sicher für die eine oder andere Meinung zu entscheiden. Deshalb ist etwas ganz anderes wichtig, und ich weiß, dass ich mich inzwischen wiederhole: Ganz gleich, wofür wir uns entscheiden, die Hauptsache ist, dass wir die Einstellung finden, die uns hilft, dieses Leben möglichst sinnvoll und einigermaßen glücklich zu durchleben. Für uns selbst und für die Menschheit. Nur darauf kommt es an! Was danach kommt, werden wir noch früh genug erfahren. Und entgehen können wir dem sowieso nicht. In die Hölle werden wir nicht kommen. Der Teufel und sein heißes Reich wurden von Menschen erdacht. Die Hölle, um den Menschen Angst zu machen und sie zu beherrschen, und Satan als Ausrede für unsere abgründigen Gedanken, Worte und Werke. Es ist eben leichter zu sagen »Satan hat mich verführt.«, als »Ich selbst habe es so gewollt.«.

Ratschlag

Lasst uns alle konstruktiv daran arbeiten, den Quantenspeicher, die Geistige Welt, das "Große Buch" oder was auch immer, jedenfalls unsere Heimat jenseits von Raum und Zeit, mit interessanten Dingen zu füllen! Wem es hilft, oder wer darin Trost findet, an einen ganz bestimmten Gott mit ganz bestimmten Eigenschaften zu glauben, der möge es tun. Wissen können wir nicht, wie dieser Gott und die geistige Welt "ticken". Wichtig ist, dass unsere Einstellung uns, der Welt und der Gesellschaft gut tut.

Lasst uns das Große Nichts, dieses leere Phantasien, das es ohne diese Welt und ohne uns gäbe mit Handlungen füllen. So wie Michael Ende in seiner Unendlichen Geschichte die Kindliche Kaiserin sagen lässt: Keine Wünsche und Träume bewirkt ein Umsichgreifen des Nichts. Wünsche, Träume und Aktivitäten lassen Phantasien und die Welt erblühen. Extremismus und Verbitterung sind der Weg zur Dunklen Seite der Macht, Vielfalt und freies Denken, ohne Angst vor Verfolgung haben zu müssen, der Weg zur hellen Seite. Aber was wäre Phantasien ohne den Gmork, Star Wars ohne Darth Vader und Gott ohne den Teufel? Langweilig! Auch das wäre unter Umständen der Weg in Apathie, Depression und Verzweiflung, also haben auch sie ihre Rolle zu spielen in dieser Welt.

Ein intoleranter, aggressiver und destruktiver Glaube, der keine andere Meinung zulässt, ist abzulehnen, da seine Anhänger ihre Überzeugungen auch nicht verifizieren können. Dies ist der Weg zu religiösem Wahn. Damit meine ich nicht nur die Selbstmordattentäter der Islamisten, sondern auch die Inquisition der Kirche oder die Hexenverfolgungen der Christen und jede Gewalt, die sich auf irgend eine Form von Religion oder Glauben gründet.

Auf friedliche Art können wir es halten wie in einem Liedertext von Boyzone:
»No matter what they teach us,
what we believe is true!«
»Ganz gleich was sie uns lehren,
was wir glauben ist wahr!«

Und auf die Frage von Peggy Lee »Is That All There Is?«,
inspiriert von der Erzählung "Enttäuschung" von Thomas Mann,
gibt es nur eine Antwort:

Irgend etwas muss es geben, das von uns bleibt, und
wofür wir leben, sonst hätte alles keinen Sinn!
Wozu sonst der Aufwand?


Bitte beachten Sie: © 2010, 2021 von Erwin Purucker


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