Physik, Geist und Gott?

Vernunft und Verstand

Wir Menschen bezeichnen uns gern als vernunftbegabte Wesen. Betrachtet man die Geschichte der letzten paar Jahrtausende, ist man geneigt, diese Behauptung zu verneinen. Der einzige Ausweg ist es, darauf zu vertrauen, dass das Drunter und Drüber der Menschheitsgeschichte einem höheren Zweck dient, den wir nicht verstehen. Das ist allerdings sehr unbefriedigend. So haben sich die Philosophen aller Zeiten immer bemüht, beim Nachdenken über unser Dasein die Vernunft als oberstes Prinzip einzuordnen, was aber immer nur bedingt gelang, weil der Mensch dafür offensichtlich nicht gemacht ist.

Immanuel Kant setzte mit seinem Rationalismus und Empirismus sogar die Vernunft als höheres Erkenntnisprinzip ausdrücklich über den Verstand. Aber selbst wenn man mit seinem Verstand vernünftige Schlüsse zieht, kann man total falsch liegen. Auch Kant räumt ein, dass es Fragen gibt, die alles Vermögen der menschlichen Vernunft übersteigen (Vorrede zur 1. Auflage der Kritik der reinen Vernunft).

Zweckorientiertes Verhalten ohne Bewusstsein?

Der Streit zwischen
  • Mystikern und Rationalisten,
  • Gläubigen und Atheisten,
  • Kreationisten und Evolutionisten
ist Jahrhunderte alt. Gibt es für die gegensätzlichen Thesen eine Synthese? Mittels Dialektik oder Logik? Ich behaupte: Nein! Die Lösung ist wahrscheinlich etwas, das wir uns überhaupt nicht vorstellen können, das wir noch nicht einmal angedacht haben. Eine Synthese versucht zum Beispiel Thomas Nagel in seinem Buch Geist und Kosmos, in dem er sowohl der Evolution als auch den physikalischen Gesetzen und Konstanten zweckorientierte Prinzipien zuschreibt, die für die Entstehung der Welt verantwortlich sind. In einem evolutionären Weltbild sind Geist und Bewusstsein überflüssig.

Mutation und Selektion funktionieren auch ohne Seele.
Da es Bewusstsein aber unbestritten gibt, muss es auch eine Ursache dafür geben.


Auch seine Erklärung ist letztlich unbefriedigend und endet an einem Punkt, den unser beschränktes Denkvermögen setzt und der nicht und vielleicht niemals überschritten werden kann.

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Bitte beachten Sie: © 2010, 2021 von Erwin Purucker


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