Physik, Geist und Gott?

Religion als nützliche Illusion

Ein weiterer hat versucht, sich dem Glauben mit den Gesetzen der Logik zu nähern: Der Psychologe Jesse Bering stellt in seinem Buch "Die Erfindung Gottes: Wie die Evolution den Glauben schuf" unter anderem die Behauptung auf, die Religion wäre als nützliche Illusion im Zuge der Evolution entstanden. Nach seiner Überzeugung steckt die "Anfälligkeit für einen Glauben an das Übernatürliche" schon in unseren Genen. In der Evolution setzt sich nur durch, was im Wettbewerb von Mutation und Selektion Vorteile bringt. Wo liegt der evolutionäre Vorteil der Religion? Ein gemeinsamer Glaube und vielleicht ein zentrales Heiligtum stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, viel mehr als eine (oft wechselnde) Obrigkeit in Form eines Königs oder Anführers. Und der Bau großer gemeinsamer Heiligtümer zwingt zur Zusammenarbeit, von den Steinkreisen des Nordens über die Pyramiden bis zur Kirche eines Dorfes. Zusammenarbeit erfordert intelligente Kommunikation. Auf diesem Weg könnte Religiosität die Grundlage unseres modernen Lebens geworden sein. Einmal angestoßen, greift die Bewegung um sich: Wer nicht glaubt, gehört nicht dazu. Und es ist von Vorteil, dazuzugehören. Die Tatsache des großen Erfolges lässt jedoch keine Aussage über den Wahrheitsgehalt der Inhalte zu.

Gottvertrauen

Das Gegenteil drückt ein Liedtext aus, den Jochen Klepper 1938 in das Kirchenlied Ja, ich will euch tragen schrieb: »Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?« Daraus spricht Gottvertrauen. Schaut man sich die Zustände auf der Welt an, könnte man auch sagen: »Er versagt ständig, obwohl gebetet wird, in der Geschichte, der Gegenwart und wahrscheinlich auch in Zukunft!« Natürlich kann man darauf vertrauen, dass menschliches Leid im irdischen Leben vielleicht mit Glück im Jenseits vergolten wird, aber hat es den als Hexen und Ketzer verurteilten geholfen, wenn sie beteten? Den leidenden Menschen im Krieg, die für Frieden und die Rückkehr der Soldaten beteten? Wem es hilft, der bete! Ob die Gebete erhört werden oder das ganze letztlich nur Psychologie ist, wer weiß es! Jochen Klepper scheint es nicht geholfen zu haben. Im Jahr 1942 nahm er sich zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter selbst das Leben. 

Schlussfolgerung: Gottvertrauen ja, im Hinblick auf die geistige Welt, aber nicht darauf, dass Gott auf der Erde paradiesische Zustände, Friede und Freude herstellt. Dort wo Tod und Leid einen Sinn verfolgen, den wir nicht verstehen, wird Beten nichts nützen, weil das, was wir als "böse" empfinden, letztlich Teil der Evolution ist, natürliche Selektion eben. Ob sich die Menschheit jemals darüber erheben kann ist sehr fraglich. Alle Versuche, ob über Humanismus, Kommunismus oder Religionen muss man über die Jahrhunderte als gescheitert ansehen, und es ist nichts in Sicht, was das ändern könnte.

Weiter zu  Urvertrauen 
Bitte beachten Sie: © 2010, 2021 von Erwin Purucker


Bücher: Physik und Astronomie